Existenzängste

Hochwasseropfer warten auf ihre Rückkehr

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Foto: Die Aufräumarbeiten nach den Wassermassen werden lange dauern.

Berlin - Nach der Flut plagen die Hochwasseropfer Existenzängste. Vielerorts werden die Schäden erst jetzt sichtbar. Die Bahn stellt einen neuen Fahrplan auf, weil es nach wie vor Sperrungen gibt.

Das Hochwasser geht in Deutschland weiter zurück, dennoch warten Tausende Betroffene immer noch auf ihre Rückkehr in ihre Häuser. In Sachsen-Anhalt ist die Lage weiterhin am Zusammenfluss von Elbe und Saale kritisch, wie der Krisenstab der Landesregierung am Mittwoch in Magdeburg mitteilte. 2500 Bewohner seien in mehreren überfluteten Ortschaften betroffen. Noch immer ist laut Bahn unklar, wann die überflutete Hochgeschwindigkeits-Trasse Hannover-Berlin bei Stendal wieder befahrbar ist.

In Breitenhagen in Sachsen-Anhalt stehen bis auf die Kirche alle Häuser stellenweise bis zu mehr als zwei Metern unter Wasser. Helfer seien nach wie vor im Einsatz, um Böschungen und Deiche mit Sandsäcken abzudichten. Pumpen und Notstromaggregate laufen auf Hochtouren. Auch im Norden des Bundeslandes bei Stendal und Havelberg sind noch viele Gebiete überschwemmt.

Die Hochwasserkatastrophe in Deutschland dürfte die Versicherungsbranche bis zu 5,8 Milliarden Euro kosten, wie Experten des auf Risikoanalysen spezialisierten Versicherungsdienstleisters AIR Worldwide schätzen. Damit gehen die AIR-Experten von noch höheren Schäden aus als etwa die Ratingagentur Fitch. Der volkswirtschaftliche Schaden dürfte AIR zufolge weitaus höher ausfallen. Fitch hatte ihn auf zwölf Milliarden Euro geschätzt.

In Sachsen-Anhalt rechnet allein das Gastgewerbe mit einem Schaden von bislang rund 100 Millionen Euro. "Die Situation ist für einige Hotels und Gaststätten gar existenzbedrohend", sagte der Hauptgeschäftsführer des Dehoga, René Kauschus, in Magdeburg. Bei rund 30 Hotels und Gaststätten sei die Lage nach dem Hochwasser so schlimm, dass sie nicht regulär öffnen können.

Auch das niedersächsische Hitzacker hat weiter mit dem Hochwasser der Elbe zu kämpfen. Um die Altstadt vor Überschwemmungen zu schützen, wurde am Mittwoch erneut Wasser aus der Jeetzel in die Elbe gepumpt, pro Sekunde rund 20 Kubikmeter. Das entspricht in etwa dem Inhalt von 140 Badewannen, wie Michel Radon vom Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) in Lüneburg sagte. Hitzacker im Kreis Lüchow-Dannenberg wird von zwei Armen der Jeetzel umflossen, durch Rückstau droht bei Hochwasser eine Überschwemmung.

An der niedersächsischen Elbe lagen die Pegelstände am Mittwoch nur gut einen Meter unter den Höchstwerten der vergangenen Woche.

Das nur langsam abfließende Elbe-Hochwasser zwingt die Deutsche Bahn auch in den nächsten Wochen zu Einschränkungen im Fernverkehr. Da Fernzüge von und nach Berlin deshalb weiterhin umgeleitet werden, hat die Bahn einen neuen Fahrplan aufgestellt, der von diesem Freitag an zunächst bis 19. Juli gilt. Aktuelle Informationen sind unter der kostenlosen Servicenummer 08000 99 66 33 sowie im Internet unter www.bahn.de/aktuell abrufbar.

Aufgrund des Hochwassers sind bei der Deutschen Bahn bisher bundesweit etwa 1000 Zugfahrten komplett und weitere 5000 auf Teilstrecken ausgefallen.

In der brandenburgischen Region Prignitz hat indes der Abbau der Notdeiche begonnen. In Wittenberge, Breese, Below und anderen Orten sollen mehrere Kilometer Dämme aus Sandsäcken und Schutzwände entfernt werden, sagte eine Sprecherin des Krisenstabes in Perleberg. Bisher wurden mehr als 50 000 Sandsäcke von den Elbdeichen in Mühlberg (Kreis Elbe-Elster) weggeräumt.

Im sächsischen Pirna hat das Hochwasser ersten Schätzungen zufolge in Höhe von rund 69 Millionen Euro verursacht. Während des Elbehochwassers haben laut Stadtverwaltung etwa 1000 Gebäude im Wasser gestanden, rund 7700 Menschen mussten in Sicherheit gebracht werden.

dpa

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