Razzia auf Mallorca

Höllenengel Hanebuth hinter Gittern

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Kein Durchgang: Vor dem Anwesen eines Höllenengels klebt ein Absperrband der Guardia Civil, während in dem Haus nach belastendem Material gesucht wird.

Hannover - Am Dienstagmorgen wurden 25 Mitglieder der Hells Angels auf der Baleareninsel aus dem Schlaf gerissen und festgenommen – darunter auch Hannovers ehemaliger Rockerchef Frank Hanebuth. Hunderte Ermittler durchsuchten den ganzen Tag über 31 Wohnungen und Büros auf der Insel.

Der Verdacht: Die Höllenengel auf Mallorca sind verstrickt in Geldwäsche, Drogenhandel und Erpressung.

Vermummte und bewaffnete Polizisten patrouillieren durch die Gärten der Fincas. Beamte der Guardia Civil suchen den Boden mit Metalldetektoren ab. Spürhunde nehmen die Fährte auf. Und über dem sonst so idyllischen Urlaubsparadies Mallorca kreisen die Polizeihubschrauber.

Hanebuth müssen die Szenen, die sich vor seinen Augen abspielten, sehr bekannt vorgekommen sein. Im Mai des vergangenen Jahres seilten sich vermummte und schwer bewaffnete Spezialeinheiten von einem Hubschrauber der GSG 9 auf sein Grundstück in der Wedemark ab. Die Elitepolizisten erschossen einen Hund. Der Sohn des einflussreichen Rockers erlebte den Polizeieinsatz hautnah mit. Damals glaubten die deutschen Behörden, Anhaltspunkte dafür zu haben, dass Frank Hanebuth einen Mord in Auftrag gegeben hat. Ein Jahr später mussten die Strafverfolgungsbehörden kleinlaut zugeben, dass an dem Verdacht rein gar nichts dran gewesen ist.

Obwohl die Ermittlungen eingestellt wurden, verfehlte der martialische Polizeieinsatz dennoch seine Wirkung nicht. Hanebuth löste das hannoversche Charter der Hells Angels auf und orientierte sich neu. Auf Mallorca wollte er noch einmal richtig durchstarten. Er führte erste Gespräche, angeblich mit „mittelständischen Unternehmen“, wie er der HAZ berichtete, suchte eine deutsche Schule für seinen Sohn und schloss sich sogar dem örtlichen Hells-Angels-Klub an.

Der Neustart in Spanien lag auf der Hand. Hanebuth hat von jeher gute Verbindungen auf die Balearen. Auf der Insel lebt seit langen Jahren die Frankfurter Rotlichtgröße Paul E. - in der Szene besser bekannt als „Thrombose-Paul“. Er hatte im Jahr 1997 als sogenannter Domain-Grabber bundesweit von sich reden gemacht. Insgesamt 192 Internetadressen hatte sich der findige Geschäftsmann damals gesichert, darunter die Domains nato.de und kripo.de. Internetsurfern, die auf diesen Seiten landeten, wurden unter anderem Bordellratgeber und freizügige Fotos präsentiert. Denn sein Geld, mit dem er auch die Internetadressen erwarb, verdiente sich Paul E. auf Hessens sündigen Meilen.

Auf dem Darmstädter und dem Frankfurter Kiez gab er lange Jahre den Ton an, bevor ihn seine Krankheit, der er seinen Spitznamen verdankte, schließlich zwang, sich auf der spanischen Insel zur Ruhe zu setzen. Paul E. und Frank Hanebuth kennen sich aus dem Rotlichtmilieu. Der Rocker soll seinen Freund regelmäßig auf der Insel besucht haben. Es ist daher anzunehmen, dass „Thrombose-Paul“ Hanebuth bei dessen Neustart auf Mallorca mit Kontakten versorgt und ihn auch sonst tatkräftig unterstützt hat.

Unklar ist, ob das Abenteuer Spanien für Frank Hanebuth nach dessen gestriger vorläufiger Festnahme im Zuge der Razzia ein vorzeitiges Ende gefunden hat. Es liegt wohl kein Haftbefehl gegen den 48-Jährigen vor. Dennoch können die spanischen Behörden den Höllenengel und seine Mitstreiter bis zu 72 Stunden im Gefängnis festhalten. Ob die Strafverfolger in Madrid dann genug Beweise gegen die Rocker zusammenhaben, um Ermittlungsverfahren einleiten zu können, bleibt abzuwarten. Dass Frank Hanebuth allerdings weiter Lust verspüren wird, Mallorca zu seinem neuen Lebensmittelpunkt zu machen, darf bezweifelt werden. Immerhin ist der örtlichen Polizei innerhalb von nur wenigen Monaten das geglückt, was die deutschen Behörden über Jahre hinweg vergeblich versucht haben: dem mächtigsten Höllenengel gehörig die Flügel zu stutzen.

Hanebuth weiter am Steintor aktiv

Frank Hanebuth ist nach wie vor am Steintor in Hannover aktiv. Er betreibt dort zwei Bordellbetriebe. Die übrigen Beteiligungen an diversen Klubs, beispielsweise an der „Sanisbar“, hat er verkauft. Auch ist seine Sicherheitsfirma „Bodyguard Security“ nicht mehr für die Einlasskontrollen zu den Diskotheken und Tanzlokalen auf dem Kiez verantwortlich. Zurückgezogen hat er sich auch aus der Planung und Durchführung der großen Feste auf der Partymeile, beispielsweise dem Steintorfest und den Harley Days. „Wenn mich einer der Wirte um Rat fragt, helfe ich natürlich gerne aus“, erklärte Hanebuth der HAZ. Seine Tipps scheinen weiterhin begehrt: Während des diesjährigen Steintorfestes war er stets an der Scholvinstraße präsent.

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