Konzert für Soldaten

Höllenglocken am Hindukusch

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Foto: Die Rockband Hellfire aus Nordstemmen will den Soldaten in Afghanistan „zwei sorgenfreie Stunden“ bereiten.

Nordstemmen - Der Tourneeplan klingt imposant: Heute Termes, Usbekistan, morgen Masar-i-Scharif, übermorgen Kundus, beides Afghanistan. Nicht schlecht für eine AC/DC-Coverband aus Nordstemmen. Ihr Name ist Hellfire, das muss man nicht so wörtlich nehmen, denn „die Jungs haben Humor. Auch Galgenhumor.“

Das sagt zumindest Schlagzeuger Sascha Nickel, und mit den Jungs sind Soldaten und Polizisten gemeint, die in Afghanistan ihren gefährlichen Dienst tun. Ohne Livemusik. Doch nun sollen sie mal „zwei sorgenfreie Stunden erleben“, und die werden Drummer Nickel und seine starke Truppe den Jungs im Feldlager mit amtlicher Phonzahl um die Ohren hauen. Drei Tonnen Equipment sind bereits auf dem Weg an den Hindukusch – die Männer aus dem Landkreis Hildesheim müssen reichlich Verstärkerleistung mitbringen, denn ordentlich Wumms sollen die AC/DC-Songs schon haben. Schließlich dräut reichlich Publikum. „Wir wollen das Ergebnis vom letzten Mal toppen“, sagt Nickel. Das letzte Mal war 2010, damals war der Polizeibeamte gefragt worden, ob er nicht mit seiner Band für die Europol-Kollegen und Soldaten in Afghanistan Musik machen wolle. So kam es, und es kam gut. Diesmal hat die Bundeswehr direkt angefragt. Nun läuten die „Hell’s Bells“ zum zweiten Mal unüberhörbar.

Darauf müssen die Kollegen auf dem Verladestützpunkt in Termes verzichten, aber für die 50 Helfer in Usbekistan gibt es zwischen Airbus und dem Weiterflug mit der Transall heute Abend einen flotten unplugged-Gig. AC/DC akustisch, geht alles. Konzertort: Eine schlichte Kneipe mit dem Spitznamen „Area 51“. Sie haben wirklich außerirdischen Humor da unten.

Morgen geht’s dann mit großen Boxen in Masar-i-Scharif weiter. Peter Maffay und Xavier Naidoo waren auch schon da, größere Namen, aber deutsche Texte, nichts für Amis, Schweden und Kroaten. „AC/DC“, hat Sascha Nickel vor zwei Jahren festgestellt, „kennt eben jeder.“ Mehr als 1000 Rockfans werden erwartet. Wer kann, kommt. Aber nicht jeder kann. Einige müssen trotz des seltenen Besuchs Patrouille fahren. Denn mag die Hellfire-Tour auch kein Höllentrip sein, ganz ungefährlich ist sie nicht.

Angst? „Eher nicht“, sagt der Musiker, in dem Vertrauen darauf, dass „die Bundeswehr uns nicht einfliegen lassen würde, wenn sie nicht das Gefühl hätte, unsere Sicherheit gewährleisten zu können.“ Es habe die Bandmitglieder allerdings reichlich Zeit und Worte gekostet, ihre Familien von ihrem Vorhaben zu überzeugen. Auch in seinem persönlichen Fall: „Toll fand meine Freundin das nicht.“

Nun geht’s aber los, elf Mann inklusive Crew, und alle freuen sich. Die Soldaten sowieso. Worauf am meisten, ahnt der Trommler schon. „Letztes Mal sind die bei ,T.N.T.‘ total abgegangen. Ist halt ‘n explosives Land.“

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