Nach Sanierung für 3,3 Millionen Euro

Horst Hirschler weiht Klosterkirche in Loccum ein

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Foto: Rund 800 Zuschauer nahmen an der Einweihung der Klosterkirche Loccum teil.

Loccum - Die Klosterkirche Loccum ist am Sonntag pünktlich zum 850-jährigen Klosterjubiläum eingeweiht worden. Die Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannover hat sie für 3,3 Millionen Euro sanieren lassen.

Als der Abt des evangelischen Klosters Loccum, Horst Hirschler, am Sonntagmorgen mit Mitra und Krummstab durch die Menge zieht, verstummt das erwartungsvolle Raunen der Menschen. Rund 800 Besucher haben sich im leichten Schneeregen vor der neu sanierten Klosterkirche Loccum versammelt. Nur die Glocken sind in der Stille zu hören. Nachdem die Kirche zwei Jahre lang von innen komplett eingerüstet war, reihen sich hinter dem Abt und dem hannoverschen Landesbischof Ralf Meister die Besucher auf dem langen Gang durch den Kirchenraum bis nach vorne zum Altar ein. Das größte Gebäude des Klosters strahlt pünktlich zum 850-jährigen Jubiläum im kommenden Jahr im neuen Glanz.

Die Stiftskirche, einst von Zisterziensermönchen errichtet, gehört zu den bedeutendsten Kirchen in Niedersachsen. Die Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannover hat sie für 3,3 Millionen Euro sanieren lassen. Bis zum Vorabend seien die Handwerker in der Kirche gewesen, berichtet Hirschler. Vor allem musste die Statik des mittelalterlichen Gebäudes gesichert werden. Denn die hohen gotischen Gewölbebogen üben mächtigen Druck auf die alten Mauern aus. Im Lauf der Jahre hatten sich bereits Risse gebildet.

Um das Gemäuer zu stabilisieren, trieben Handwerker bis zu 25 Meter lange Edelstahlstangen in die Wände und zogen weitere quer durchs Kirchenschiff, um die Wände miteinander zu verbinden. Auch der alte Innenputz, überstrichen mit schlecht atmender Binderfarbe, musste weichen. Auf 70 Metern Länge und 18 Metern Höhe wurde die Kirche mit Sandstrahl behandelt. Zum Vorschein kamen Wandblöcke aus Münchehäger Sandstein, die der Kirche eine neue Optik in warmen Naturtönen verleihen.

Landesbischof Meister sagte in seiner Predigt, die Kirche verschlage einem zunächst die Sprache. „Erst einmal werden wir stumm, wenn wir einen solchen Raum betreten.“ In der Stille sei dann die Geschichte mit den freudigen und traurigen Momenten zu hören, die die Kirchenmauern in den Jahrhunderten erlebt hätten. Dass der Raum sich auch mit Klängen füllen kann, bewies die neue Orgel, erbaut von der Firma Seifert aus Kevelaer am Niederrhein. Das dreimanualige Instrument verfügt über 37 Register, zudem können sieben Register einer spanischen Orgel hinzugeschaltet werden. Statt auf einer Empore sitzt der Organist auf einer Höhe mit der Gemeinde.

Im Jubiläumsjahr sollen hier international bekannte Organisten über vorgegebene Texte improvisieren. Rund 996.000 Euro hat die Orgel zusätzlich gekostet. Den bei Weitem größten Teil davon steuern Stiftungen und Sponsoren bei, erzählt Hirschler nach der Feier: „Ich bin richtig mit einem großen Klingelbeutel herumgegangen.“ Die alte Orgel zu restaurieren habe die Hälfte eines Neubaus gekostet. Deshalb wurde das frühere Instrument verkauft. Es erklingt jetzt in der Nähe von Nizza.

Vom 21. März bis zum 31. Oktober 2013 läuft ein Kulturprogramm mit täglichen Führungen und Andachten sowie Konzerten oder Theateraufführungen. Die Initiatoren blicken dabei auf eine reiche Geschichte zurück: Zisterziensermönche aus Thüringen kamen 1163 nach Loccum, um dort ein neues Kloster zu gründen. Um das Jahr 1600 wechselte das Kloster zum lutherischen Glauben. Seit etwa 300 Jahren dient es als Predigerseminar für angehende Pastorinnen und Pastoren und gilt als geistliches Zentrum der größten evangelischen Landeskirche.

Charlotte Morgenthal
/Michael Grau

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