Fast 40 Tote

Hygiene-Skandal löste Meningitiswelle in den USA aus

+
Verunreinigte Schmerzmittel haben in den USA eine Meningitis-Welle ausgelöst.

New York - Ein Hygiene-Skandal mit schrecklichen Folgen versetzt 2012 die USA in Aufruhr: Verunreinigte Schmerzmittel haben zu einer Welle von Hirnhautentzündungen geführt. Fast 40 Menschen starben.

Bakterien, verrostete Geräte, Insekten und sogar ein umherfliegender Vogel: Die Inspektoren der US-Gesundheitsbehörde FDA waren geschockt, als sie die Gebäude einer Pharmafirma im Bundesstaat Massachusetts untersuchten. „Sie haben Bedingungen und Arbeitsweisen gesehen, die zeigen, dass diese Firma nicht immer sicherstellen konnte, dass ihre Spritzen steril und sicher für die Patienten sind“, sagte eine FDA-Sprecherin der „New York Times“.

Die Konsequenzen zeigten sich auf schlimmste Art und Weise: Die verunreinigten Schmerzmittel-Spritzen der Firma führten 2012 zu einer Meningitiswelle in den USA. Fast 600 Menschen in 19 Bundesstaaten erkrankten infolge des Hygieneskandals, mindestens 37 starben. Am stärksten betroffen waren Tennessee mit 13 und Michigan mit 10 Toten.

Bei den Patienten traten vor allem durch Pilze verursachte Hirnhautentzündungen auf, aber zum Beispiel auch Schlaganfälle. Gerade die Anzahl der Schlaganfälle bei infizierten Patienten sei bei dieser Epidemie außergewöhnlich hoch, berichteten Forscher im Fachblatt „New England Journal of Medicine“.

Nachdem der Ausbruch der Krankheit Anfang Oktober erstmals von den Behörden bestätigt wurde, stieg die Zahl der Toten zunächst bedrohlich an. Fast jeden Tag wurde ein neuer Todesfall bekannt. Aber gegen Jahresende verlangsamte sich die Epidemie und kostete deutlich weniger Menschen das Leben als zunächst befürchtet. Im Spätsommer hatten die Experten noch 200 Tote prognostiziert. Mehr als 30.000 Menschen haben das verunreinigte Schmerzmittel bekommen.

Die Hirnhautentzündungen sind nicht ansteckend. Zumeist wird die Meningitis aber erst nach Wochen erkannt, weil sie sich mit Fieber und Unwohlsein wie eine Erkältung oder Grippe zeigt. Später kommen Lähmungen dazu, die an einen Schlaganfall erinnern. Doch letztlich sind es die Bakterien im Rückenmark, die den Tod herbeiführen können.

Die Herstellerfirma des verunreinigten Medikaments, das New England Compounding Center, hat inzwischen alle Produkte zurückgezogen und ihre Lizenz zurückgegeben. Sie hatte Medikamente in großen Mengen hergestellt und etwa Krankenhäuser renommierter Universitäten wie Harvard und Yale beliefert. Mehrere Betroffene haben die Firma jetzt auf viele Millionen Dollar verklagt.

Betroffene und zahlreiche Kongressabgeordnete fordern zudem, dass die Gesundheitsbehörde FDA Unternehmen wie das New England Compounding Center besser kontrollieren und regulieren können müsse. Wie ein FDA-Bericht zeigt, hatte sich die Pharmafirma in der Vergangenheit schon öfters geweigert, mit der Behörde zusammenzuarbeiten und etwa wichtige Dokumente auszuhändigen. Die FDA hatte jedoch nicht genügend Kompetenzen, um dagegen vorzugehen.

Daran müsse sich etwas ändern, forderte Joyce Lovelace aus Kentucky bei einer Kongressanhörung im November. Ihr Mann sei eines der Meningitis-Opfer, sagte sie vor dem Gremium. „Er hatte keinen einfachen Tod. Und ich will, dass wer auch immer hier verantwortlich ist, ob die FDA oder sonst wer, weiß, dass Mangel an Vorsicht und Pflichtbewusstsein meinem Mann das Leben gekostet hat.“

dpa

Kommentare