Schließung von Schwimmbädern

Immer mehr Grundschüler sind Nichtschwimmer

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Nicht ohne Schwimmflügel ins Wasser: Immer mehr Grundschüler sind Nichtschwimmer.

Hannover - Schwimmbäder sind Zuschussbetriebe, das ist bekannt. Doch wenn die Kommunen ihre Bäder schließen, ist das nicht nur schlecht für die Freizeitgestaltung - immer mehr Grundschüler können nicht schwimmen.

Eigentlich sollen alle Jungen und Mädchen am Ende ihrer Grundschulzeit schwimmen können. Das ist der Plan - die Realität sieht anders aus: Denn nach Angaben der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) kann sich am Ende der vierten Klasse nur jeder zweite Grundschüler ohne Hilfe über Wasser halten. Woran liegt das? Kritiker sehen einen Zusammenhang zwischen der hohen Nichtschwimmerquote und den zunehmenden Bäderschließungen in den Kommunen.

Nicola Dubacher vom DLRG-Landesverband Niedersachsen weist auf einen deutlichen Anstieg der Nichtschwimmerzahlen unter Grundschulkindern hin. Denn 2004 lag ihr Anteil bei 33,9 und heute bei 50 Prozent. Allerdings gebe es große regionale Unterschiede, sagt Wolfgang Hein vom Niedersächsischen Landesschwimmverband. In manch ländlicher Region könnten die Kinder weitaus besser schwimmen als ihre Altersgenossen in der Stadt. "In Bremen ist es in der dritten Grundschulklasse Pflicht, Schwimmen zu lernen", ergänzt Wilfried Schwarze vom Bremer Schwimmverband. "Aber viele fallen durch das Raster, darunter viele Kinder mit Migrationshintergrund."

Und: Immer mehr Bäder würden geschlossen, sagt Dubacher. So entfalle auch die Möglichkeit, nahe beim Wohnort zum Schwimmunterricht zu gehen. In Niedersachsen seien von 2007 bis 2013 zwölf Bäder saniert und 33 geschlossen worden, 82 gelten ihren Angaben nach "als weiterhin gefährdet". Bundesweit habe es in dem Zeitraum 296 Schließungen gegeben. Die Entwicklung sei der Lage der Kommunen geschuldet, sagt Thorsten Bullerdiek vom Niedersächsischen Städte- und Gemeindebund (NSGB). "Wir sind daran interessiert, sie zu erhalten.

Wenn ein Schwimmbad erstmal zu ist, wird es nicht wieder aufgemacht." Die Bäder fielen zwar unter die freiwilligen Leistungen, zählten aber zu den Einrichtungen, die "das Leben in der Gemeinde lebenswert machen". Viele Kommunen versuchten, ihre Bäder zu erhalten - mit Hilfe etwa von Fördervereinen. Nach Heins Angaben werden landesweit 150 bis 180 Bäder von Vereinen unterstützt. Das sei aber keine Lösung auf Dauer. "Schwimmbäder sind langfristige Investitionen", sagt Bullerdiek. "Das ist nichts, was sich zu irgendeiner Zeit rechnet.

Ohne kommunale Zuschüsse geht es nicht." Dass Bäder Geld kosten, gibt Hein zu. "Aber seitens des Sports und seitens der DLRG haben wir keine Schwimmtempel gefordert, sondern ordentliche, einfache Schwimmbäder." Oft werde stattdessen der Fehler begangen, Wellness, Sport und Freizeit unter einem Dach zu bündeln. Dabei reichten vielerorts einfache Lehrschwimmbecken. Aber: "Becken sind knapp. Es wird alles eher schlimmer als besser", sagt Schwarze. "Klassische Lehrschwimmbecken gibt es fast nicht mehr", bedauert auch Stephan Schulz, Ausbildungsleiter der DLRG Niedersachsen.

Schwimmunterricht in der Schule sei allerdings nur eine flankierende Maßnahme, stellt Hein klar. Auch das schnelle Durchschleusen von Kindern durch Kurse sieht er kritisch: "Das Seepferdchen ist kein Merkmal für Schwimmfähigkeit. Nach einem Kurs besitzt kein Kind die Schwimmfähigkeit", betont er. Neulinge müssten erst Vertrauen zum Wasser und zu den Schwimmarten bekommen. Schwimmkurse sind aber oft überlaufen. Schwarze bedauert, dass das Schwimmen in vielen Kindergärten keine Rolle spiele - "obwohl das der richtige Zeitpunkt wäre".

dpa

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