Vermehrte Feuerwehreinsätze

Immer öfter brennt es in Niedersachsen

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Foto: Auf einem Feld in Isernhagen brennen Heuballen. Das Feuer wurde offenbar durch den Feuerteufel gelegt, der bereits seit 2006 Brände legt.

Hannover - Die Zahl der Brände in Niedersachsen ist angestiegen, aber es gibt immer weniger Feuerwehrleute. Im vergangenen Jahr gab es 10.000 Fehlalarme, 17 Prozent mehr als im Jahr zuvor.

Es brennt öfter in Niedersachsen – doch die Gründe dafür bleiben im Dunkeln. Am Montag hat Innenminister Uwe Schünemann (CDU) den Jahresbericht der Feuerwehren für 2011 vorgestellt, und im vergangenen Jahr hatte es in 23.095 Fällen Alarm wegen Bränden gegeben – rund 3000-mal mehr als im Jahr 2010. 1372 Großbrände gab es zwischen Ems und Elbe, das sind 102 mehr als im Jahr zuvor.

Wie Landesbranddirektor Jörg Schallhorn erklärte, muss man in knapp einem Viertel der Brände von Brandstiftung ausgehen. Festzustellen sei, dass Brandstiftung „nach einigen Jahren der Stagnation nun wieder zunimmt“. Die Masse der Brände sind sogenannte „Entstehungs- oder Kleinbrände“, die relativ schnell zu löschen sind. Knapp 80 Prozent der Feuer fallen in diese Kategorie. Immer wieder gehen auch Fehlalarme bei der Feuerwehr ein, in einigen Fällen auch in böswilliger Absicht. Rund 10.000 solcher Fehlalarme wurden im vergangenen Jahr registriert. Auch das sind rund 17 Prozent mehr als im Jahr 2010.

Die Zahl der Feuerwehrleute schrumpft leicht, ist aber noch beträchtlich. 124.740 Mitglieder zählen die freiwilligen Feuerwehren im Lande, rund 2000 weniger als 2010. Etwa zehn Prozent der Mitglieder sind Frauen. Alle Feuerwehrangehörige sind in 3335 selbstständigen Ortswehren organisiert. Da Niedersachsen aber lediglich 415 Städte, Gemeinden und Samtgemeinden hat, ergibt sich die hohe Zahl aus der Tatsache, dass viele Ortsteile nach wie vor ihre Ortswehren haben. Die Feuerwehr bleibt damit eine Stütze der dörflichen Gemeinschaft. Schünemann erinnerte aber daran, dass beim Brandschutz natürlich die Effizienz oberster Maßstab sein müsse. Man habe den Gemeinden Mindeststandards für die Arbeit der Feuerwehren vorgegeben - und die Gemeinden selbst seien dafür verantwortlich, dass diese auch eingehalten werden. 13 bislang selbstständige Feuerwehren mussten im vergangenen Jahr aufgeben - vorwiegend deshalb, weil ihre Mitgliederzahl zu klein war, um im Notfall die nötige Einsatzstärke bieten zu können.

Der Mitgliederrückgang kann vor allem in solchen Gebieten mit drastischem Bevölkerungsverlust zum Problem werden. Die Landesregierung will mit dem neuen Brandschutzgesetz gegensteuern: Doppelmitgliedschaften werden möglich. Engagierte Feuerwehrleute könnten damit sowohl an ihrem Heimatort als auch an ihrem Arbeitsort die freiwillige Feuerwehr verstärken. Bisher müssen sie sich für eine Wehr entscheiden. Der befürchtete Schwund ist dramatisch: Nach der Prognose des Innenministeriums können die Feuerwehren bis zum Jahr 2050 rund 20.000 Mitglieder einbüßen.

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