Verkehrleitsystem

Intelligenzlücke auf der A2

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Foto: Müssen entfernt werden: 43 Schilderbrücken zur „intelligenten“ Verkehrsregelung auf der A 2 sind fehlerhaft. Sie können nicht vor Ort repariert werden.

Hannover - Den Sommer über hat Verkehrsminister Jörg Bode (FDP) für flexible Tempolimits auf jedem einzelnen Kilometer der Autobahn 2 gekämpft - von Montag wird auf einer Strecke von 40 Kilometern nach und nach wieder starr Tempo 130 eingeführt. Defekte Schilderbrücken werden entfernt.

Baumängel an den Schilderbrücken zwischen Lehrte Ost (Region Hannover) und dem Autobahnkreuz Braunschweig-Nord sorgen dafür, dass bis zum Ende des Winters von einer intelligenten Regelung des Verkehrsflusses keine Rede mehr sein kann. 43 Stahlbrücken mit den elektronischen Temposchildern müssen abgebaut werden. Die letzten waren erst vor gut 18 Monaten in Betrieb genommen worden. „Mehr als ärgerlich“, nennt ein Sprecher Bodes den Vorgang. Beide Fahrtrichtungen sind betroffen.

Auf einer Strecke von 155 Kilometern ist die wichtige Ost-West-Achse A2 seit etwa 18 Monaten vollständig mit Schilderbrücken ausgestattet. Ein Steuerungssystem kann mithilfe von Kameras, Sensoren und Induktionsschleifen das Verkehrsaufkommen, aber auch das Wetter analysieren und die Tempolimits auf Niedersachsens am stärksten befahrener Autobahn entsprechend regeln. Der jetzt betroffene Abschnitt war im März 2011 angeschlossen worden.

Die Arbeiten im Abschnitt werden nötig, weil die Schäden an den Schilderbrücken nach Angaben der Landesverkehrsbehörde „nicht vor Ort“ behoben werden können. Wie Sprecherin Heike Haltermann erklärte, sind an den Stahlkonstruktionen an mehreren Stellen Risse aufgetreten. Daher muss jede einzelne Schilderbrücke aus dem Fundament gehoben und abtransportiert werden.

Kein Autofahrer sei in Gefahr, versichert die Straßenbehörde. Auf Pendler kommen aber regelmäßige Behinderungen zu: Im Verkehrsfunk wird die Meldung „kurzzeitige Sperrung der A2“ zur Gewohnheit werden, bis alle 43 Schilderbrücken abmontiert sind. „Diese Arbeiten sollen möglichst nachts oder zu anderen verkehrsarmen Zeiten stattfinden“, versichert Haltermann. Neben dem Verkehrsfunk informiert auch die Verkehrsmanagementzentrale im Internet unter www.vmz-niedersachsen.de über die jeweiligen Sperrungen.

7,5 Millionen Euro haben die Schilderbrücken gekostet, bezahlt hat sie der Bund. Wie teuer die Reparatur wird, wollte Haltermann gestern nicht abschätzen. Allerdings sieht sich das Land nicht in der Pflicht, die Kosten zu übernehmen. Aufkommen soll dafür der Generalunternehmer, die Firma Siemens.

Weil Experten der Straßenbaubehörde erste Mängel schon früh entdeckt hatten, verweigerte die Behörde die Abnahme. Daher liege die Gewährleistungspflicht für die Schäden bei Siemens. Das Land und das Unternehmen befinden sich in Gesprächen. Seit Juli läuft außerdem ein Beweissicherungsverfahren. Ein gerichtlich bestellter Gutachter hat seitdem die Anlagen regelmäßig in Augenschein genommen. Das Verfahren habe die „vollständige Klärung der Beanstandungen zum Ziel“, sagte Haltermann von der Straßenbaubehörde.

Als Bode im März 2011 die letzten neuen Schilderbrücken in Betrieb nahm, sprach er von einer „intelligenten Achse“, zu der die A2 geworden sei. Im vorausgegangenen Winter habe das System mehrfach erfolgreich vor „Blitzeis“ gewarnt. In diesem Winter müssen sich die Autofahrer auf ihre eigene Intelligenz verlassen.

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