Schadstoffe in Outdoorkleidung

Jacke wie Hose

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Die Umweltorganisation Greenpeace hat gefährliche Schadstoffe in Outdoorkleidung gefunden.

Hannover - Die Umweltorganisation Greenpeace hat gefährliche Schadstoffe in Outdoorkleidung gefunden. Ein Gespräch über Wind, Wetter – und Gefahr.

Herr Santen, ist das Tragen PFC-haltiger Outdoorjacken gefährlich?

Nein, es gibt keine wissenschaftlichen Belege, dass das Tragen von Outdoorkleidung mit den gemessenen Konzentrationen an per- und polyfluorierten Kohlenwasserstoffen (PFC) ein Gesundheitsrisiko darstellt. Allerdings ist bekannt, dass einige PFC schädliche Eigenschaften für Mensch und Umwelt haben: PFC sind hormonell wirksam. Jüngste Studien vermuten einen Zusammenhang zwischen PFC-Belastungen und Übergewicht, verminderter Fruchtbarkeit, Immunstörungen und Schilddrüsenerkrankungen. Eine direkte Belastung mit PFC über die Haut ist bisher nicht nachgewiesen. Doch über Lebensmittel, Trinkwasser und Atemluft können die Stoffe in den Körper gelangen. Man findet sie weltweit im Blut und in der Muttermilch. Ein weiteres großes Problem ist die Umwelt: Gelangen PFC einmal dorthin, zerfallen sie niemals. Um eine Gesundheitsgefährdung beurteilen zu können, liegen uns noch nicht genug Daten dazu vor. Das ist wie bei den Weichmachern: Man tastet sich schrittweise voran, um dann festzustellen, wie groß die Gefahr bei allen Stoffen dieser Art ist. Die jetzt verwendeten flüchtigen PFC-Verbindungen wurden von der Industrie vor etwa zehn Jahren eingeführt – aber in wieweit sich diese Stoffe verbreiten, wurde kaum kontrolliert.

Woran erkenne ich, ob meine Jacke mit den schädlichen PFC-Verbindungen belastet ist? Das ist sehr schwer, denn es gibt keine Deklaration seitens der Händler. Sicher ist hingegen, dass Gore-Tex-Membranen immer PFC-belastet sind, da Gore-Tex direkt aus Fluor hergestellt wird. Auch Zertifikate für Outdoorkleidung sind wenig aussagekräftig, da die PFC-Produkte trotz der bekannten Risiken mit dem Öko-Tex-Standard 100 zertifiziert werden können. Es gibt außerdem die Möglichkeit, eine Anfrage an www.reach-info.de zu stellen. Die Seite wird vom Umweltbundesamt betrieben und verpflichtet Hersteller innerhalb von 45 Tagen zu einer Antwort, wenn die PFC-Konzentration bei mehr als 0,1 Prozent liegt – was allerdings sehr viel ist. Fragen Sie beim Kauf also am besten auch gleich Ihren Verkäufer.

Was ist die Alternative? Als Alternativen eigenen sich Beschichtungen aus Polyester und Polyurethan, Paraffinen oder Silikonen. Das sind Membranen wie „Sympatex“ oder das ebenfalls PFC-freie „Bionic Finish Eco“. Diese wasserabweisende Imprägnierung wird bereits von Händlern wie Tchibo, Lidl, Aldi und Textilherstellern wie H&M verwendet. Weitere Beschichtungen werden bald verfügbar sein. Einige Marken verzichten ganz auf PFC: Das sind zum Beispiel Fjällräven, Pyua oder Kaikkialla.

Einige Hersteller behaupten aber, die PFC-freien Beschichtungen seien weniger funktionell. Stimmt das wirklich?

Die Wahrheit liegt dazwischen. Die alternativen Membranen sind genauso wasserdicht, manche alternativen Imprägnierungen haben aber einen schlechteren Abperleffekt. Doch Tests zeigen, dass viele fluorfreie Alternativen ähnlich funktionell sind: Auch sie sind wind- und wasserdicht sowie atmungsaktiv. Nur bei der Öl- und Schmutzabweisung sind die PFC den PTC-freien Alternativen noch überlegen.

Was mache ich, wenn ich eine mit PFC belastete Jacke besitze? Auf keinen Fall wegwerfen. Sie können die Jacken zum Hersteller zurückbringen, man kann sie gut recyclen. Wenn sie noch in Ordnung ist, können Sie sie waschen – dabei geht ein Teil der Substanz verloren. Dann können Sie flourfrei nachimprägnieren, die Mittel dafür gibt es im Outdoorhandel. Und beim nächsten Mal ein PFC-freies Modell kaufen.

Wo wird PFC noch eingesetzt?

Weil PFC-Beschichtungen fett- und wasserabweisend, atmungsaktiv und sehr stabil sind, wird PFC zum Beispiel bei fettabweisenden Papieren eingesetzt, in denen im Supermarkt zum Beispiel Wurst und Käse eingewickelt werden. PFC sind außerdem in allem, was leicht zu reinigen sein soll. Dazu gehören Teppichböden, Hotelbettwäsche, Tischdecken und Autositze.

Für wen sind PFC-Outdoorjacken überhaupt erforderlich?

Bei der Regenfestigkeit fehlen noch Alternativen. Eine Schiffsbesatzung beispielsweise, die den ganzen Tag bei Regen auf dem Deck ist, da sind PFC-Jacken derzeit noch konkurrenzlos. Für Freizeitzwecke sind die fluorfreien Alternativen jedoch völlig ausreichend. Ich bin ohne PFC-Jacke durch den Himalaja gelaufen, und das ging ganz hervorragend.

Interview: Sabrina Mazzola

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