Sicherheit für Arbeiter

Ein Jahr Luftrettung für Offshore-Windpark

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Seit einem Jahr ist die Luftrettung für Notfälle auf Offshore-Windanlagen im Einsatz.

Emden - Hunderte von Arbeiter sind auf hoher See beim Bau von Offshore-Windanlagen im Einsatz. Dort draußen ist jede Erkrankung ein Notfall, und auch Unfälle passieren wie an Land. Seit einem Jahr steht ein Rettungshubschrauber für einen Betreiber parat.

Bei Unfällen auf den Baustellen der Windparks mitten im Meer und bei Erkrankungen der Arbeiter ist schnelle Hilfe oft lebensrettend. Mit einem Rettungshubschrauber steht die NHC Offshore Air Rescue seit genau einem Jahr für die Arbeiter am Windpark „Bard Offshore I“ vor Borkum bereit. 30 Mal sei die Leitstelle „ORS Sealink“ in Rastede bei Oldenburg in dieser Zeit alarmiert worden, sagt Herbt Janssen, Medizinischer Leiter des Luftrettungsdienstes. Die Fälle betrafen das gesamte medizinische Spektrum bis hin zum Unfall. „Draußen ist eine Erkrankung immer ein Notfall, es ist ja kein Doktor in der Nähe.“

Zu dem Windpark fliegen musste der am Flugplatz Emden stationierte Rettungshubschrauber allerdings nur zwölfmal, vier Einsätze davon wurden aufgrund von Unfällen geflogen. An Bord sind zwei Piloten, ein Sanitäter und ein Notarzt. In einem Fall konnte keine Hilfe mehr geleistet werden. Im Januar war auf der Baustelle ein Arbeiter mit einer Plattform ins Wasser gestürzt. Der Mann hatte zwar einen Überlebensanzug getragen, konnte aber auch nach 24 Stunden nicht gefunden werden. Seine Leiche wurde nach knapp drei Tagen geborgen.

Seit dem tödlichen Unfall gehörten auch psychologische Schulungen zum Ausbildungsangebot des privaten Rettungsdienstes, sagt Jann Aden, Koordinator der Offshore-Rettung + Sicherheit gemeinnützige GmbH, die das Deutsche Rote Kreuz (DRK) im Ammerland vor einem Jahr gründete. Das Hochsee-Rettungskonzept wurde gemeinsam vom DRK, der Bard-Gruppe und der NHC Northern Helicopter GmbH entwickelt.

An einen außergewöhnlichen Einsatz erinnert sich Janssen: „Wir sind bei 4,5 Meter hohen Wellen auf einem Schiff gelandet, um einen Patienten mit einem allergischen Schock zu versorgen und ins Krankenhaus zu fliegen.“ Nach einem Jahr zieht er eine positive Bilanz. „Für die Betroffenen da draußen ist es eine Sicherheit, dass es uns gibt“, sagt er.

Seit kurzem steht ein zweiter NHC-Hubschrauber für die Rettungseinsätze bereit. Zwischen 35 und 45 Minuten dauert es bis zum Einsatzziel 90 Kilometer vor der Küste, sagt der Geschäftsführer von NHC, Frank Zabell. Dort sind nach Angaben eines Sprechers von Bard je nach Wetterlage bis zu 300 Arbeiter täglich im Einsatz.

Bislang fliegt das Rettungsunternehmen nur für die Bard-Gruppe (Emden/Bremen). Aden und auch seine Kollegen können sich aber vorstellen, auch für andere Betreiber den Rettungsdienst zu übernehmen und zu koordinieren. In einem Notfall würde die Crew schon jetzt auch anderen helfen. „Wenn man uns um Hilfe ruft, fliegen wir. Im Zentrum unserer Arbeit steht der Patient“, meint Janssen.

dpa

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