Aurora sucht Antworten

Ein Jahr nach dem Amoklauf im Kino

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Bei dem Amoklauf von Aurora sind 12 Menschen ums Leben gekommen.

Aurora - Beim Amoklauf im amerikanischen Aurora- oft als „Kinomassaker“ bezeichnet - wurden zwölf Menschen getötet. Viele sind traumatisiert. Ein Jahr danach wird in der Stadt versucht, nach vorn zu blicken.

Die Voraufführung des Batman-Films „The Dark Knight Rises“ war in Aurora mit Spannung erwartet worden. Doch während der Superheld auf der Leinwand kämpfte, wurde der Kinosaal Schauplatz eines grausamen Amoklaufs. James Holmes schoss während der Mitternachts-Preview in dem Städtchen im US-Bundesstaat Colorado, in der Nähe von Denver, plötzlich um sich - kurze Zeit später waren zwölf Menschen tot und 58 verletzt.

Auch ein Jahr nach der Bluttat vom 20. Juli 2012 haben die Bewohner keine Antworten: Warum ausgerechnet das beschauliche Aurora? Warum erschießt jemand kaltblütig ein Dutzend junger Zuschauer in einem dunklen Kinosaal? Warum stürzt jemand so viele Menschen in Trauer um ihre Liebsten und traumatisiert eine ganze Stadt?

Die Erinnerungen an die Schicksalsnacht sind bei vielen noch nicht verblasst. Ein solches Trauma zu verarbeiten, könne Jahre dauern, sagt Grace Zolnosky, die das neu gegründete "Zentrum für Widerstand" in Aurora leitet, in dem sich Hinterbliebene an Therapeuten wenden können.

„Nach neun Monaten kommen die Emotionen wieder hoch“, sagt Zolnosky. Einer der Traumatisierten wandte sich erst im März an eine der Therapie-Stellen. Zolnosky erinnert sich: „Für ihn war es ein Gefühl, als hätte ihn plötzlich eine Wand erschlagen.“

Kritikern der einflussreichen Waffenlobby in den USA bot das häufig als "Kinomassaker" bezeichnete Blutbad neuen Konfliktstoff. Die Reform des umstrittenen Waffenrechts erfordere eine lange politische Auseinandersetzung, sagte Ladd Everitt vom Bündnis gegen Waffengewalt. Nur mit Geld könne man der National Rifle Association etwas entgegensetzen: "Wir müssen gegenüber der NRABoden gutmachen, indem wir große Geldsummen in politische Kampagnen pumpen."

Unterstützung kommt dabei etwa von New Yorks wohlhabendem Bürgermeister Michael Bloomberg, der zusammen mit mehr als 950 anderen Bürgermeistern aus 45 US-Staaten in einem Anti-Waffen-Bündnis aktiv ist.

Doch auch wenn der Widerstand wächst: Nur ein halbes Jahr nach der tragischen Nacht von Aurora wurden die Ereignisse vom Amoklauf an einer Schule in den Schatten gestellt: 27 Menschen starben, darunter 20 Kinder, als ein 20 Jahre alter Schütze in einer Grundschule in Newtown (Connecticut) um sich schoss und sich dann selbst tötete.

Auch die Debatte um die Todesstrafe kochte nach Aurora wieder in den Medien hoch. In 33 der 50 US-Staaten sehen Gesetze die Todesstrafe für schwere Verbrechen vor. Im Fall Aurora hat die zuständige Staatsanwaltschaft bereits deutlich gemacht, dass sie für den Amokläufer James Holmes die Todesstrafe fordern werde.

Mit Gedenkfeiern und gemeinsamen Aktivitäten - darunter auch Yoga, Tai Chi, Malerei und Gartenarbeit - wollen die Einwohner von Aurora an diesem Samstag (20. Juli) die Ereignisse weiter verarbeiten.

„Diese Gemeinde wird sich die nächsten zehn Tage daran erinnern, was bei uns vor einem Jahr geschehen ist“, sagte Bürgermeister Steve Hogan im Vorfeld des Jahrestages, wie die Lokalzeitung „Denver Post“ online berichtete. „Wir werden nicht zulassen, dass diese Tragödie unser Leben bestimmt“, sagte er dem Fernsehsender ABCzufolge.

Das Hauptverfahren gegen den mutmaßlichen Täter James Holmes beginnt erst im Februar. Es soll vier Monate dauern. Im Zentrum wird die Frage stehen, ob Holmes, der bereits vor der Tat in psychiatrischer Behandlung war, tatsächlich schuldfähig ist oder ein kranker Mann. Nach der Tat zeigte er zunächst kaum emotionale Reaktionen und schockierte damit die Öffentlichkeit ein weiteres Mal.

dpa

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