Prozess um „Massaker von Carandiru“

624 Jahre Haft für Polizisten in Brasilien

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Foto: Richter Jose Augusto Nardy Marzagao (r.) verurteilte die Angeklagten im Prozess um das „Massaker von Carandiru“ zu jeweils 624 Jahren Haft.

São Paulo - Ein brasilianisches Gericht hat 25 Polizisten wegen eines Blutbades in einem Gefängnis in São Paulo zu je 624 Jahren Haft verurteilt. Sie waren an dem sogenannten Massaker von Carandiru im Jahr 1992 beteiligt, bei dem 111 Häftlinge getötet wurden.

Die Verurteilten bleiben in Freiheit, bis das Urteil rechtskräftig wird. Nach brasilianischem Recht müssten sie jedoch bei Bestätigung der Haftstrafe in einem Berufungsverfahren höchstens 30 Jahre Gefängnis absitzen.

Die Polizisten wurden wegen der Ermordung von 52 Gefangenen verurteilt, wie die Richter in der Nacht zum Samstag (Ortszeit) verkündeten. Es habe zweifelsohne einen Gewaltmissbrauch gegeben. Die meisten seien an mehrfachen Schüssen in Kopf und Rücken gestorben. Im April dieses Jahres waren wegen desselben Massakers bereits 23 Polizisten zu je 156 Jahren Gefängnis verurteilt worden. Die Prozesse über den Fall werden separat für jeden Gefängnistrakt geführt, in denen Häftlinge getötet wurden. Zwei weitere Gerichtsverfahren sollen in den nächsten Monaten folgen.

Am 2. Oktober 1992 hatten Hunderte Militärpolizisten einer Eliteeinheit den Pavillon 9 im Gefängnis Carandiru im Norden São Paulos gestürmt, nachdem es dort zu einer Revolte gekommen war. Das Massaker wurde in Büchern und Filmen dokumentiert. Die Haftanstalt wurde 2002 geschlossen.

dpa

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