Joghurt-Jubiläum

50 Jahre Lünebest im Becher

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Anfang der fünfziger Jahre startete Lünebest aus Lüneburg mit der Joghurtproduktion.

Lüneburg - Das Lüneburger Unternehmen Lünebest hat den Plastikbecher für Joghurt erfunden. Was vor 50 Jahren eine Innovation war, wird heute allmählich zum Umweltproblem.

Lasche hoch, Deckel abziehen und umrühren: Wer heute Joghurt isst, hat meistens einen Kunststoffbecher in der Hand. Der Joghurt im Becher wurde vor 50 Jahren in Niedersachsen erfunden. Doch was als große Erleichterung gefeiert wurde, ist heute auch ein Problem.

Anfang der fünfziger Jahre startete Lünebest aus Lüneburg mit der Joghurtproduktion - zunächst in Gläsern. Das verursachte jede Menge Krach: Es klimperte und klirrte, sowohl in der Fabrik, als auch bei der Auslieferung, manchmal auch auf dem Boden des eigenen Heims. Im Jahr 1963 hatte das ein Ende. Die Firma Lünebest begann, den Joghurt in Becher abzufüllen - als erstes Unternehmen. Zwar wird in Berlin gerade die Meierei-Zentrale als Erfinder des Bechers gefeiert. Doch diese Firma führte erst ein Jahr später als die Niedersachsen die neue, eckige, weiße und damals noch werbefreie Kunststoffverpackung ein. Das Klirren und Krachen hatte damit ein Ende. Außerdem mussten die Firmen nicht mehr aufwendig Leergut reinigen und neue Gläser beschaffen.

Die neue Verpackung setzte sich schnell durch. Kaum im Handel, war der Joghurtbecher schon vergriffen. Anstatt der sperrigen, schweren Milchflaschen aus Glas wurde der Joghurt im Becher zum leichten Mitnehmartikel. So hatten Arbeiter und Kinder plötzlich neben ihren Brotbüchsen auch einen Joghurt in der Tasche. Und die leeren Verpackungen verschwanden nicht nur nutzlos in der Mülltonne. Über Generationen waren sie ein beliebtes Bastelutensil. In Kindergärten und Grundschulen wurden sie zur Erbsen-Rumba-Rassel oder zum Joghurtbechertelefon mit Schnurverbindung umfunktioniert.

Wer heute Joghurt kauft, greift auch meist zu dieser glatten Verpackung. Allerdings ist das ein zunehmendes Problem geworden. Nach Angaben des Umweltbundesamtes in Dessau stieg in Deutschland die Menge an Kunststoffabfällen allein von 2009 bis 2011 um 10,5 Prozent auf 5,45 Millionen Tonnen. Zahlen zum Anteil der Joghurtbecher daran liegen allerdings nicht vor, heißt es.

Angesichts der Müllberge werden Umweltschützer nicht müde, ihre Kritik zu erneuern. Dabei haben sie auch Joghurtbecher ins Visier genommen. So lag die Deutsche Umwelthilfe mit dem Lebensmittelkonzern Danone jahrelang im Rechtsstreit. Es ging um eine Verpackung aus dem aus Maisstärke hergestellten Kunststoff Polyactid. 2011 einigten sich beide Seiten: Danone kündigte daraufhin an, vorerst auf die Bezeichnung „neuer, umweltfreundlicher Becher“ zu verzichten.

Die umstrittene Verpackung sei nur „eingeschränkt recyclingfähig“, erklärt Thomas Fischer von der Deutschen Umwelthilfe. Ohnehin seien Plastikjoghurtbecher ein Einwegprodukt. „Mehrwegbecher aus Glas sind deutlich unterrepräsentiert.“ Allerdings: Im vergangenen Jahr habe es 3,5 Prozent mehr Joghurt und Milch in Glasbehältern gegeben. Eine Renaissance des Glases sei bisher aber nicht festzustellen.

„Plastikbecher könnten zwar recycelt werden“, sagt Fischer. Die Firmen müssten allerdings immer wieder neue Becher herstellen. „Das ist ressourcenintensiv und belastet die Umwelt.“ Dabei sei es auch eine Frage des Geschmacks. „Vielen schmeckt Joghurt besser, wenn er aus Mehrweggläsern kommt“, so Fischer. Er sähe am liebsten mehr Glas in den Supermärkten. Eine Quote von 85 Prozent - „Das wäre ein Traum. Aber es ist leider sehr weit weg von der Realität.“(mit: dpa)

Matthias Pöls

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