Konträre Strafforderungen

5 Jahre und 9 Monate - oder Freispruch

Göttingen - Im Prozess um die Erpressung eines Lottomillionärs sind Staatsanwalt und Verteidiger nach knapp 16 Monaten Beweisaufnahme zu konträren Schlussfolgerungen gekommen. Der Anklagevertreter sprach am Dienstag im Landgericht Göttingen von einer "erdrückenden Beweislage".

Er verlangte in seinem Plädoyer für den hauptangeklagten Kickboxer und früheren Teilnehmer der TV-Show "Big Brother" fünf Jahre und neun Monate Haft. Die Verteidiger plädierten dagegen auf Freispruch. Der 30-Jährige soll einen Lotto-Millionär aus dem Eichsfeld nach Ansicht der Ermittler durch Gewaltandrohungen um mehr als 400 000 Euro erpresst haben.

Die Aussagen von Zeugen, die dem Angeklagten für den Tattag im November 2011 ein Alibi gaben, bezeichnete der Staatsanwalt als ungeeignet, um die Anklage zu erschüttern. Wegen Beihilfe soll ein Mitangeklagter für zwei Jahre und drei Monate hinter Gitter. Die Verteidiger halten dagegen die Unschuld der Angeklagten für erwiesen, sie verlangten Freispruch.

Sie warfen dem Staatsanwalt vor, die glaubhaften Aussagen der Alibizeugen zu ignorieren. Dafür bezeichnete sie belastende Aussagen des Lotto-Millionärs teilweise als unglaubwürdig. Zudem seien die Ermittlungen der Polizei einseitig und fehlerhaft gewesen. Ein ursprüngliches Geständnis, das der Mitangeklagte vor Gericht widerrief, sei ihm während der Ermittlungen von der Polizei abgenötigt worden.

Unmittelbar vor den Plädoyers hatte der Vorsitzende Richter darauf hingewiesen, dass gegen den Hauptangeklagten zwei weitere Anklagen wegen Versicherungsbetruges im Zusammenhang mit fingierten Autounfällen erhoben wurden. Das Urteil soll am 15. November verkündet werden.

dpa

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