Straßenkrawalle

Rio de Janeiro versinkt kurz vor der WM im Chaos

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Foto: Der Tod von Douglas Rafael da Silva Pereira hat heftige Krawalle ausgelöst.

Rio de Janeiro - Nach dem gewaltsamen Tod eines jungen Tänzers haben sich Rios Bewohner Auseinandersetzungen mit der Polizei geliefert. Jetzt ist ein Kurzfilm mit dem verstorbenen Douglas Rafael da Silva Pereira aufgetaucht, an dessen Ende er erschossen wird.

Sieben Wochen vor dem Anstoß zur großen Fußball-Party in Brasilien ist es nahe der Copacabana in Rio de Janeiro zu tödlichen Ausschreitungen zwischen Sicherheitskräften und Slumbewohnern gekommen. Nach dem verdächtigen TodDouglas Rafael da Silva Pereiras, einem beliebten Tänzer und Fernsehstar, entlud sich die Wut auf die Polizeigewalt in stundenlangen Straßenschlachten.

Auf dem Videoportal Youtube ist derweil ein Kurzfilm aufgetaucht, in dem der junge Tänzer sein Leben in den Favelas schildert und am Ende von zwei Polizisten aufgehalten wird. In der letzten Szene des Films richtet einer der Polizisten die Waffe auf da Silva Pereira – und drückt ab.

Douglas Rafael da Silva Pereira - ein Idol für viele junge Slumbewohner - war nach Darstellung von Freunden am Montag in eine Schießerei zwischen Drogendealern und Polizisten geraten.

Er habe sich in einen Kinderhort geflüchtet, sei jedoch aufgegriffen und zu Tode geprügelt worden. Seine Mutter sagte dem Sender TV Globo, die Leiche sei in einer Verteidigungsposition gewesen und habe viele Wunden von Schlägen aufgewiesen. Ihr Sohn sei in die Favela gegangen, um seine Tochter zu besuchen. Die Polizei sprach hingegen von Hinweisen, der 25-Jährige sei nach einem Sturz gestorben. Als sich die Nachricht von seinem Tod am späten Nachmittag verbreitete, eskalierte die Lage in dem Slum.

"Plötzlich war überall Rauch, Schüsse, die Menschen flüchteten in ihre Wohnungen", schilderte ein junger Anwohner. In die Verzweiflung über den Tod des Tänzers mischte sich Zorn auf die anstehende Fußball-WM.

Einige Polizisten wurden in die Enge getrieben, verschanzten sich in einem Haus und drohten, das Feuer zu eröffnen, berichteten Augenzeugen. Kurz darauf rückte die mit Maschinengewehren ausgerüstete Elitepolizei Bop an. Einige Augenzeugen sagten, Drogendealer hätten die ersten Schüsse abgegeben. Ein 27-Jähriger, der an der Revolte beteiligt war, wurde am Kopf getroffen und starb später im Krankenhaus. Wer den Schuss abgab, blieb zunächst unklar.

Während der Ausschreitungen wurden Barrikaden aus Autoreifen angezündet, Jugendliche schleuderten Flaschen auf Beamte, zwei Hauptstraßen entlang der Copacabana mussten stundenlang gesperrt werden. Anwohner berichteten außerdem, der Strom sei abgestellt worden und die Ausschreitungen hätten von der Copacabana in den angrenzenden Stadtteil Ipanema übergegriffen. Die Straßenschlachten in den legendären Stadtteilen von Rio de Janeiro sind ein neuer, trauriger Höhepunkt der Proteste vor der WM.

"Was ist das für eine Weltmeisterschaft, die vom Blut unschuldiger junger Menschen getränkt ist", klagte die Menschenrechtsaktivistin Daisy Carvalho auf den rauchenden Barrikaden in der Favela Pavão-Pavãozinho, die oberhalb des Postkartenstrandes der Copacabana liegt.

Schon im vergangenen Jahr war es zu monatelangen, teils gewaltsamen Demonstrationen gegen die Milliardenausgaben für die Infrastruktur gekommen, während große Bevölkerungsteile unter Armut und Gewalt leiden. Die Bundesregierung zeigte sich aber nicht beunruhigt. Es gebe ein "sehr großes Vertrauen in unseren brasilianischen Partner, dass sich alle an dem Fest des Sportes erfreuen können, und zwar in der gebotenen Sicherheit", sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes am Mittwoch in Berlin.

afp/naw

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