Schulinspektionen

Jede fünfte Schule in Niedersachsen ist mangelhaft

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Jede fünfte Schule in Niedersachsen hat qualitative Mängel.

Hannover - Die erste Runde im Schul-TÜV ist durch. Alle gut 300 Schulen im Land sind in den vergangenen sieben Jahren inspiziert worden. Genaue Ergebnisse stehen noch nicht fest. Nur soviel: 80 Prozent der Schulen arbeiten gut, in 20 Prozent gibt es Beanstandungen.

Acht von zehn Schulen in Niedersachsen arbeiten ohne Beanstandungen - aber bei den restlichen 20 Prozent gibt es keine guten Ergebnisse, bei zehn Prozent sogar Mängel. Das ist das Resultat der Inspektion bei den rund 3000 niedersächsischen Schulen. Wie die Sprecherin von Kultusminister Bernd Althusmann (CDU) mitteilte, würden die Beanstandungen jetzt „abgearbeitet“, daher sei das Resultat durchaus zufriedenstellend.

Die Überprüfung aller Schulen wurde 2005 von der CDU/FDP-Koalition eingeführt, seither sind nun in allen Schulen Daten gesammelt und erfasst worden. Mit Rücksicht darauf, dass niemand an den Pranger gestellt werden soll, werden die Zahlen nicht veröffentlicht.

„Rankings sind nicht hilfreich“, findet Horst Audritz, Vorsitzender des Philologenverbandes. Zudem müssten Schulen, die bei den Überprüfungen schlecht abgeschnitten hätten, nicht unbedingt schlechte Schulen sein. „Schulen sind keine Unternehmen und Schüler keine Produkte, die sich formen lassen“, meint Audritz. Sein Verband hatte jahrelang gegen den Schul-TÜV in der ursprünglichen Form gekämpft.

Die Inspekteure haben sich nicht auf bauliche Mängel bezogen, diese liegen in der Zuständigkeit von Städten und Kreisen als Schulträger. Vielmehr ging es um die inhaltliche Arbeit. Beispielsweise wurde geprüft, wie viele Gymnasiasten von der Schule zum Abitur geführt werden, wie viel Mühe sich also die Schule gibt, die Kinder zum Erfolg des Lernens zu leiten. Verglichen wurden die Qualität der Schulabschlüsse, die Anstrengungen der Lehrer bei der Einschätzung der Leistungen der Schüler und die Modelle, nach denen die Grundschulen den Englischunterricht organisieren. Ein Aspekt war auch die Schulleitung - arbeiten Direktor und Stellvertreter effektiv und harmonisch miteinander, oder gibt es Reibungen?

Von Januar an fährt Althusmann die Überprüfungen dann zurück - nur noch anlassbezogen und mit stärkeren Bezug auf die besonderen Belange der jeweiligen Schulform sollen die Inspekteure tätig werden. Dies findet die Opposition gar nicht gut und protestiert. „Jede Schule sollte mindestens alle vier Jahre besucht werden“, fordert die Grünen-Abgeordnete Ina Korter. Regelmäßig solle die Schulinspektion darüber dann dem Landtag Bericht erstatten, fügt sie hinzu.

Im Kultusministerium hält man von solchen Regelkontrollen wenig. Nicht um Überwachung gehe es, sondern um Hilfe für die Schulen bei der Fortentwicklung. Das neue System der anlassbezogenen Überprüfung hat deshalb auch Zustimmung bei der Gewerkschaft GEW gefunden. Künftig will das Kultusministerium erfahren, wie gut die Sprachförderung und die Vorbereitung auf den Beruf in den Schulen klappt. Die 216 Oberschulen sowie die Haupt- und Realschulen könnten daraufhin untersucht werden, wie gut sie auf die spätere Berufsausbildung der Schüler hinwirken.

„Jede Schule muss auch künftig damit rechnen, jederzeit überprüft zu werden“, sagt Wulf Hohmeier. Präsident des Niedersächsischen Landesinstituts für schulische Qualitätsentwicklung. Diese Behörde ist seit Anfang 2011 auch für die Schulinspektionen zuständig.

Saskia Döhner und Klaus Wallbaum

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