Antworten zum Papst-Rücktritt

Wie es in Rom jetzt weitergeht

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Foto: Papst Benedikt XVI. kurz nach seiner Wahl im Jahr 2005.

- Es ist eine Sensationsnachricht aus Rom: Benedikt XVI. will am 28. Februar sein Pontifikat aufgeben. Nicht nur Katholiken in aller Welt fragen sich jetzt: Kann ein Papst überhaupt zurücktreten? Und wie geht es jetzt weiter? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Kann ein Papst zurücktreten? Ein Papst kann immer und jederzeit zurücktreten, ohne andere kirchliche Instanzen um Erlaubnis zu fragen. Geregelt wird das durch Kanon 332 des Kirchenrechts. Allerdings ist es seit Jahrhunderten der Regelfall, dass Päpste bis zu ihrem Tod im Amt bleiben. Benedikt XVI. soll selbst intern einmal eine Altersobergrenze für Päpste vorgeschlagen haben – allerdings zu einer Zeit, als er selbst noch Präfekt der Glaubenskongregation war.

Hat es schon einmal einen Papstrücktritt gegeben? Im Mittelalter, als Päpste und Gegenpäpste sich gegenseitig befehdeten und exkommunizierten, kam es einige Male vor, dass Päpste aus dem Amt gedrängt wurden. So wurde Gregor XII. im Jahr 1415 im Zuge des Konzils von Konstanz zum Amtsverzicht gezwungen. Benedikt IX. war im 11. Jahrhundert dreimal Papst und trat wiederholt zurück. Der vermutlich einzige Papst, der freiwillig zurücktrat, war Coelestin V. im Jahr 1294. Geplagt von Krankheit und da er erkannte, dass er keine Erfahrung mit Verwaltungsarbeit und im Umgang mit der Kurie hatte, dankte er ab und zog sich zurück, um als Einsiedler zu leben. Im 20. Jahrhundert bereiteten Papst Paul VI. und Pius XII. Rücktrittsschreiben vor. Diese hätten veröffentlicht werden sollen, falls sie körperlich oder geistig nicht mehr in der Lage gewesen wären, ihr Amt auszufüllen.

Wie steht es um die Gesundheit Benedikts? In seiner Erklärung gibt er selbst an, dass seine Kräfte „infolge des vorgerückten Alters“ nicht mehr geeignet seien, um den Petrusdienst auszuüben. Der Papst feiert am 16. April seinen 86. Geburtstag. Das Alter hat in den vergangenen Jahren seinen Tribut gefordert; er gilt zwar als geistig ungebrochen fit, doch seine Bewegungen sind langsamer geworden. Zudem soll die „Vatileaks“-Affäre, der Diebstahl vertraulicher Dokumente durch seinen Vertrauten und Kammerdiener Paolo Gabriele, ihn schwer getroffen haben. Zuletzt galt immer wieder als unklar, ob er im Sommer zum Weltjugendtag nach Rio de Janeiro reisen würde, der immerhin ein katholisches Großereignis ist.

Was sind Benedikts Beweggründe? Er selbst hat sich nie nach dem Papstamt gedrängt, Joseph Ratzinger war nie ein Machtmensch. Er selbst beschrieb seine Wahl zum Papst im Jahr 2005 einst als Moment, in dem „das Fallbeil“ auf ihn niederfuhr. Er hatte sich selbst eigentlich gewünscht, im Alter theologische Bücher zu schreiben.

Wie geht es jetzt weiter? Ein neuer Papst wird aller Voraussicht nach in einem Konklave gewählt werden.Dazu kommen die Wahlberechtigten – alle Kardinäle, die jünger als 80 Jahre sind – in der Sixtinischen Kapelle in Rom zusammen. Ihre Zahl beträgt derzeit etwa 120.

Wann tagt das Konklave? Frühestens am 15., spätestens am 20. Tag nach dem Tod eines Papstes müssen die Kardinäle zur Wahl eines Nachfolgers zusammentreten. Dieses Prozedere tritt auch mit dem Abend des 28. Februar 2013 ein – ein neuer Papst wird also voraussichtlich Ende März gewählt. Vatikansprecher Lombardi betonte, am Konklave zur Wahl seines Nachfolgers werde der Papst nicht teilnehmen.

Was wird aus Benedikt? PapstBenedikt XVI. wird nach dem Ende seiner Amtszeit in ein Kloster im Vatikan umziehen. Bevor Benedikt dort einziehen könne, müssten noch Umbauarbeiten abgeschlossen werde, sagte Vatikansprecher Federico Lombardi am Montag. Dort wolle Benedikt ein Leben in Gebet und Meditation führen. Für die Übergangszeit werde er in der päpstlichen Sommerresidenz Castel Gandolfo bei Rom wohnen. "Wenn die Sedisvakanz beginnt, wird der Papst zuerst nach Castel Gandalfo umziehen", sagte er.

Welche Probleme bringt ein Rücktritt mit sich? In der Neuzeit ist der Vorgang beispiellos, daher gibt es auch keine Verhaltensregeln gegenüber einem „Altpapst“: Wie sollen Gläubige mit seinen Aussagen umgehen? Können diese lehramtlich verbindlich sein? Möglicherweise steht zu befürchten, dass einzelne Gruppen in der Kirche einen neuen Papst nicht anerkennen. Benedikt erklärte gestern, er wolle „ auch in Zukunft der Heiligen Kirche Gottes mit ganzem Herzen durch ein Leben im Gebet dienen“. Damit könnte ein Rückzug aus der Öffentlichkeit angedeutet sein.

Wer wird neuer Papst? Aller Wahrscheinlichkeit nach wird der neue Papst aus den Reihen der etwa 120 Kardinäle stammen. Nach wie vor ist die Fraktion der Italiener dort stark; doch es ist auch nicht ausgeschlossen, dass erstmals ein Amerikaner Papst werden könnte – womöglich stammt das nächste Kirchenoberhaupt aus der Dritten Welt.

Wird der Kurs der Kirche sich jetzt modernisieren? Benedikt XVI. galt als konservativer Theologe. Da ein großer Teil der Kardinäle, die den nächsten Papst wählen, von ihm „kreiert“ worden sind, wie es in der Kirchensprache heißt, und eine weitere große Gruppe unter seinem gleichfalls konservativen Vorgänger Johannes Paul II., ist es nicht unwahrscheinlich, dass auch der nächste Pontifex Modernisierungen eher reserviert gegenübersteht. Allerdings hat bisher jeder Papst seinen eigenen Stil gefunden – und einen eigenen Weg eingeschlagen.

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