Kriminalstatistik der Polizei

Jugendliche greifen häufiger zu Cannabis

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Foto: Die Polizei alarmiert: Jugendliche konsumieren immer öfter Cannabis - und finanzieren ihre Sucht durch Drogenhandel.

Hannover - Die Zahl der minderjährigen Cannabis-Konsumenten in Niedersachsen ist im vergangenen Jahr kräftig gestiegen. Zudem finanzieren immer mehr Jugendliche ihren Drogenkonsum dadurch, dass sie selber zu Händlern werden. Dies ergibt sich aus der Kriminalstatistik für das Jahr 2014, die am Montag im Innenministerium vorgestellt wurde.

Das Thema ist in der rot-grünen Koalition in Niedersachsen umstritten: Während die Grünen die Cannabis-Abgabe zum Beispiel in Apotheken ermöglichen wollen, kritisierte Innenminister Boris Pistorius (SPD), dass schon die Diskussion darüber bei Jugendlichen den Eindruck vermittele, es handele sich bei Cannabis um eine harmlose Droge.

15 737 Cannabis-Konsumenten wurden im vergangenen Jahr registriert - das ist ein Zuwachs von 8,11 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Deutlich stärker hat die Zahl der minderjährigen Tatverdächtigen zugenommen: Sie erhöhte sich um fast 20 Prozent auf 6398 Personen. Auch bei den Händlern und Schmugglern sei die Gruppe der Minderjährigen ähnlich stark gewachsen, sagte Landespolizeipräsident Uwe Binias. Die Produktion hat ebenfalls zugenommen. 38 Großplantagen wurden 2014 in Niedersachsen entdeckt, ein Jahr zuvor waren es noch 20 gewesen.

Cannabis-Delikte machen 71 Prozent aller Drogen-Straftaten in der Landesstatistik aus. Die in anderen Regionen Deutschlands stark verbreitete Droge Crystal Meth spielt dagegen in Niedersachsen mit 33 Fällen keine große Rolle.

Die Entwicklung des Rauschgiftkonsums bereite ihm Sorgen, sagte der Innenminister. Der Wirkstoffgehalt von Cannabis habe sich in den vergangenen Jahren erheblich erhöht. Der Konsum habe daher gravierendere gesundheitliche oder auch soziale Auswirkungen. „Ich reagiere sehr empfindlich auf jeden Versuch, diese Droge zu legalisieren. Ich halte das für nicht verantwortbar und für kontraproduktiv, was die Präventionsbemühungen der Polizei und vieler anderer Akteure angeht“, betonte Pistorius.

Die Grünen sehen dies anders. „Alkohol ist mindestens genauso schädlich und auch noch legal. Dann wäre es nur konsequent, auch den Alkohol zu verbieten“, sagte Thomas Schremmer, der gesundheitspolitische Sprecher der Grünen-Fraktion im Landtag. Eine kontrollierte Abgabe von Cannabis an Volljährige, etwa in Apotheken, würde nicht nur den Schwarzmarkt eindämmen, sondern auch Herkunft und Qualität der Droge kontrollierbar machen, sagte Schremmer. Gerade die Zunahme an Wirkstoffen in Cannabis sei ein Argument, den Verkauf an regulierte Stellen zu verlagern, sagte Grünen-Landeschef Stefan Körner. „Da vertraue ich einem Apotheker mehr als einem Dealer.“

Über die Legalisierung entscheidet der Bundesgesetzgeber, Niedersachsen könnte über eine Bundesratsinitiative Einfluss nehmen. Erst vor einer Woche hat Niedersachsens FDP sich für eine Legalisierung von Cannabis ausgesprochen.

Die Zahlen der Kriminalstatistik

Mehr Straftaten, weniger Opfer: In Niedersachsen wurden im vergangenen Jahr 7095 Straftaten je 100.000 Einwohner registriert. Im Jahr zuvor waren es noch 7015 Straftaten gewesen. Trotz der leichten Zunahme liege die Zahl im Bundesvergleich immer noch auf einem niedrigen Niveau, sagte Innenminister Boris Pistorius (SPD). Gleichzeitig verringerte sich die Zahl der Opfer von Kriminalität um 1,3 Prozent auf 94.549 Menschen. Die Aufklärungsquote ging ebenfalls leicht zurück: auf 60,61 Prozent.

Ein Plus von 3,7 Prozent gab es bei den Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung – auf 5150 Fälle. Darunter fällt auch die Kinderpornografie. In diesem Bereich stieg die Zahl der registrierten Straftaten um 90 auf 892. Ein starkes Plus wurde bei Sozialleistungsbetrug verzeichnet: Diese Delikte legten um 64 Prozent auf 3544 Fälle zu. Im Zuständigkeitsgebiet der Polizeidirektion Hannover wurde ein Plus von 93 Prozent auf 882 Fälle registriert.

Bei den Wohnungseinbrüchen dagegen gab es landesweit einen Rückgang von 1100 auf 14.654 Fälle – ein Minus von 7 Prozent. Die Zahlen waren aber immer noch um 30 Prozent höher als fünf Jahre zuvor. Ein Drittel der Einbrüche oder Versuche geschehen tagsüber. Ein Viertel wird im Schnitt aufgeklärt. ran

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