Fahrlässige Tötung

Junger Raser bekommt Bewährungsstrafe

Stade - Ein 19-Jähriger rast zu schnell in eine Kurve und prallt mit seinem Auto gegen einen Baum. Drei Mitfahrer sterben, als der Wagen zerreißt. Der junge Unfallfahrer ist bereits wegen Verkehrsdelikten vorbestraft. Nun wurde er wegen fahrlässiger Tötung verurteilt.

Nach einem Unfall mit drei jugendlichen Todesopfern ist in Stade ein 19-jähriger Raser wegen fahrlässiger Tötung zu einer neunmonatigen Jugendstrafe auf Bewährung verurteilt worden. Zudem muss der junge Mann für vier Jahre auf seinen Führerschein verzichten, wie das Amtsgericht am Dienstag urteilte. Der Unfallfahrer war im November 2012 auf dem Weg zu einer Party zu schnell gefahren und mit seinem Wagen und vier Mitfahrern bei Fredenbeck (Kreis Stade) gegen einen Baum geprallt. Der rote Wagen zerbarst dabei in zwei Teile.

Eine 14-Jährige und zwei 16-Jährige, die auf der Rückbank saßen, verloren bei dem Unfall ihr Leben. Laut mehreren Gutachten war der 19-Jährige auf der Kreisstraße 70 mit mindestens 110 Stundenkilometern unterwegs, als er die Kontrolle über seinen Wagen verlor. Erlaubt sind dort 70. Der Beifahrer hat den 19-Jährigen laut seiner Aussage kurz vor dem Unfall noch darauf hingewiesen, dass er nicht so schnell fahren soll.

Die Staatsanwältin forderte eine Jugendstrafe von sechs Monaten wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung. Das Urteil des Richters Sebastian Hackemack fiel aber schärfer aus. Seiner Ansicht nach hat der Angeklagte fahrlässig gehandelt und durch mehrere Vorstrafen schädliche Neigungen im Straßenverkehr bewiesen. „Mit 70 wäre das nicht passiert“, sagte der Richter in seiner Urteilsbegründung.

Denn der Unfallfahrer ist bereits wegen mehreren Verkehrsdelikten vorbestraft. 2009 ist er mit dem Auto seiner Eltern nach Frankfurt entwischt, wo er vor der Polizei flüchtete und mit den Wagen einen Unfall verursachte. Auch 2010 stand der damals noch Minderjährige wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis vor dem Jugendrichter. „Es geht nicht um Sühne oder Vergeltung, sondern darum, dass jemand im wahrsten Sinne des Wortes aus dem Verkehr gezogen wird“, sagte eine Anwältin der Nebenkläger.

„Es vergeht kein Tag, an dem ich nicht daran denke“, entschuldigte sich der Unfallfahrer vor der Urteilsverkündung unter Tränen bei den Angehörigen der Opfer. „Es tut mir einfach sehr leid.“ Sein Anwalt sprach sich für einen Freispruch aus. Aus seiner Sicht wurde die Unfallursache nicht abschließend geklärt. Neben der überhöhten Geschwindigkeit könnten seiner Meinung nach auch technische Mängel am Fahrzeug zu dem Zusammenprall geführt haben.

Nur wenige Wochen vor dem Unfall hat der damals 18-Jährige seinen Führerschein gemacht. Die Nebenkläger, sechs Angehörige der Opfer, brachten Porträtfotos der toten Kinder in den Gerichtssaal mit, stellten sie in Richtung der Anklagebank auf. „Ich habe ihm noch drei Wochen vorher ins Gewissen geredet und ihm das Versprechen abgenommen, dass er vorsichtig fährt, wenn er unsere Kinder dabei hat“, sagte die Mutter eines Opfers kurz nach der Verhandlung. „Ich denke nicht, dass er sich ändern wird.“

dpa

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