Bio-Eier-Skandal

Justiz ermittelt gegen Chef des Geflügelzüchterverbandes Niedersachsen

Oldenburg/Hannover - Die Niedersächsische Geflügelwirtschaft gab bekannt, dass ein Ermittlungsverfahren gegen den Vorsitzenden des Landesverbandes und Vizepräsident des Zentralverbandes in Deutschland, Wilhelm Hoffrogge, eingeleitet wurde. Die Staatsanwaltschaft ermittle wegen „angeblich geringfügigen „Überbesatzes" von Legehennen“, heißt es in einer Mitteilung. Hoffrogge lasse seine Ämter ruhen.

„Die gegen mich erhobenen Vorwürfe halte ich für unbegründet. Dennoch sehe ich mich zu diesem Schritt veranlasst, um Schaden für die Geflügelwirtschaft abzuwenden“, erklärte Hoffrogge. Bei dem Verfahren handele es sich vermeintliche Verstöße aus dem Jahr 2011.

Millionen Eier aus Freiland- und Bodenhaltung sowie von Bio-Betrieben vor allem aus Niedersachsen sollen unter Verstößen gegen Vorschriften zur Hühnerhaltung in den Handel gelangt sein. „Es geht ausschließlich um Überbelegung“, betonte Wilken. Wenn zum Beispiel zu viele Hühner für Freilandeier auf einer Fläche gehalten werden, dürfen die Eier nicht mehr mit der entsprechenden Kennzeichnung verkauft werden, erklärte sie. „Es geht aber nicht um den Verdacht, dass umdeklariert worden wäre, dass beispielsweise ein Käfig-Ei als Bio-Ei verkauft wird.“

Die mutmaßlichen Überbelegungen hätten offenbar mit einem differenzierten System der Verdeckung und Verschleierung stattgefunden, sagte Niedersachsens Agrarminister Christian Meyer(Grüne): „Es geht um einen Legehennen-Skandal, keinen Bio-Eier-Skandal.“ Niedersachsen will erste Konsequenzen auf Bundesebene ziehen. Die rot-grüne Regierung in Hannover kündigte eine Initiative im Bundesrat an, um das Vertrauen der Verbraucher besser zu schützen.

Der Sprecher der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), Eckehard Niemann, fürchtet um den guten Ruf der Bio-Bauern. „Unsere Sorge ist, dass es jetzt wieder heißt: Bio kann man auch nicht trauen“, sagte er der Nachrichtenagentur dpa.

Dem niedersächsischen Kreis Emsland, in dem es zahlreiche Eierproduzenten gibt, liegen nach Angaben einer Sprecherin bisher keine Informationen über Betriebe vor, gegen die die Staatsanwaltschaft ermittelt. „Wir müssen abwarten, bis wir offiziell informiert werden.“ Solange könnten auch keine Anordnungen getroffen werden.

Ins Rollen gebracht hatte die Ermittlungen ein Zivilverfahren vor dem Osnabrücker Landgericht. Dabei war aufgefallen, dass ein Landwirt aus dem Emsland statt der im Biostall erlaubten 12.000 Junghennen 15.000 Tiere hielt.Das Gericht leitete die Akte an das Niedersächsische Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (Laves) weiter. Die Staatsanwaltschaft Oldenburg übernahm schließlich die Ermittlungen.

dpa/mhu

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