Vergewaltigungs-Vorwürfe

Kachelmanns Abrechnung mit der Justiz

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Jörg Kachelmann

Hamburg - Jörg Kachelmann holt zum Rundumschlag aus: Nach seinem Freispruch von Vergewaltigungsvorwürfen attackiert er Polizei, Justiz, Medien und Alice Schwarzer. Um zu verhindern, dass Menschen zu Unrecht verurteilt werden, will er mit seiner Frau ein Netzwerk gründen.

Knapp eineinhalb Jahre nach dem Freispruch von Vergewaltigungsvorwürfen hat Jörg Kachelmann mit einer „männerverurteilenden Justiz“ abgerechnet. „Im Bereich Missbrauch und Vergewaltigung sind Falschbeschuldigungen ein Massenphänomen geworden“, sagte der Wettermoderator dem Nachrichtenmagazin „Spiegel“. Der 54-Jährige war im Mai 2011 von dem Vorwurf freigesprochen worden, eine frühere Freundin vergewaltigt zu haben.

Er wolle „wirklich, dass jeder Vergewaltiger hinter Gitter kommt. Aber für Frauen sind Verleumdungen heute eine beliebte und effektive Waffe geworden“. Sie hätten ein „Opfer-Abo“, sagte der Schweizer. „Frauen sind immer Opfer, selbst wenn sie Täterinnen wurden. Menschen können aber auch genuin böse sein, auch wenn sie weiblich sind.“

Kachelmanns Frau Miriam sagte, mit Missbrauchsvorwürfen könne man sich heute „sehr einfach an Chefs und Lebenspartnern rächen“ und „problemlos das Sorgerecht für Kinder erstreiten“. Richter verurteilten „lieber mal einen Unschuldigen, als sich sagen lassen zu müssen, dass einem vermeintlichen Opfer keine Gerechtigkeit widerfuhr“. Die 26-Jährige sprach von einer „Opferindustrie, die in dieser kranken Form endlich weg muss“. Sie attackierte auch Alice Schwarzer, damals Reporterin für die „Bild“-Zeitung und damit „von Anfang an Partei und Propagandamaschine“.

Ihre eigene Vernehmung als Zeugin während des Prozesses sei „absurd“ und „furchtbar“ gewesen. „Ich musste dort Dinge erzählen, die ich nicht mal meinem Psychologen erzählen würde, wenn ich einen hätte“, sagte sie.

Das Paar will ein informelles Netzwerk mit dem Ziel gründen, „dass künftig weniger Menschen wegen falscher Vorwürfe unschuldig verurteilt werden“. Sie hätten viele Polizisten, Staatsanwälte, Gutachter und Richter erlebt, die vor allem im Bereich Psychologie schlecht ausgebildet seien. „Als früherer deutscher Beamtensohn und einst institutionengläubiger Spießer hätte ich nie gedacht, dass Polizei und Justiz in diesem Land so arbeiten“, sagte Jörg Kachelmann.

Kachelmann bringt die Tage das Buch „Recht und Gerechtigkeit“ heraus, in dem er den Gerichtsprozess in Mannheim beschreibt. Das Gericht hatte den Schweizer aus Mangel an Beweisen freigesprochen. Kurz vor dem Urteil hatte das Paar geheiratet.

dpa

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