Überwachte Bienenstöcke

Kameras sollen Bienenklau eindämmen

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Überwachte Bienenstöcke: Mit Wildkameras und GPS-Sendern will sich Imker Udo Kellner vor Diebstählen schützen. Fotos: dpa (3)

Hannover - In Niedersachsen sind in diesem Jahr deutlich mehr Bienendiebe unterwegs gewesen als in den Vorjahren. Ganze Völker werden reihenweise gestohlen. Deshalb setzen sich Imker nun mit Kameras und GDP-Sendern zur Wehr.

Hannover. Niedersachsens Imker haben in diesem Jahr mit deutlich mehr Bienendiebstählen zu kämpfen als in der Vergangenheit. Vor allem im Alten Land waren so viele Bienendiebe unterwegs wie selten. „Wir haben im Landkreis Stade jedes Jahr vier bis acht Völker, die weg sind. In diesem Jahr sind es schon 44 Völker“, sagt Hobbyimker Nico Martens. Aber auch in anderen Landesteilen steigt die Zahl der Diebstähle. Von einem „extremen Jahr“ spricht man beim Landesimkerverband Ems. „Wir haben bis jetzt 12 Fälle mit insgesamt 67 Völkern“, berichtet der Vorsitzende Werner Clausing. In Rastede wurden im Frühjahr allein 26 Völker in einer einzigen Nacht entwendet.

Wie viele Völker insgesamt gestohlen wurden, lässt sich schwer abschätzen. „Es ist nicht so, dass jeder Fall gemeldet wird“, sagt Klaus Ahrens vom Landesverband der Berufsimker. Insgesamt halten die 9500 organisierten Imker im Land etwa 74 000 Bienenvölker. Vor allem für Züchter, die auf die Genetik ihrer Bienenvölker achten, seien Diebstähle „eine Katastrophe“.

Neben Diebstählen macht den Imkern auch Vandalismus zu schaffen. Bienen verendeten qualvoll, weil Unbekannte die Fluglöcher an den Kästen zuschmierten, erzählt Ahrens. Manchmal werden Kästen und Waben auch wahllos zertrümmert.

Weil die Tatorte nach Angaben der Polizei oft jenseits von Wohngebieten liegen und die Täter nachts kämen, gestaltet sich die Spurensuche schwierig. Ahrens und andere Imker gehen davon aus, dass zumeist Imkerkollegen aus dem näheren Umkreis für die Diebstähle verantwortlich sind. „Es spricht sich rum, dass man friedfertige, sammelfreudige Bienen hat. Das müssen Imker gewesen sein, die ein Auge dafür haben“, glaubt Udo Kellner aus Eldingen (Kreis Celle). Für die Theorie spricht, dass viele Imker ihre eigenen Völker nicht durch den Winter bringen konnten. Rund 30 Prozent des Bienenbestandes ging durch die Varroamilbe zugrunde.

Den finanziellen Schaden pro Volk und Kasten beziffert der Imkerbund auf 200 bis 300 Euro. Mit Honig liegt der Verlust bei 600 bis 800 Euro. Auf einem Großteil der Kosten bleiben die Imker sitzen - trotz Versicherungen. Viele Imker rüsten deshalb technisch nach. Wildkameras werden zur Überwachung installiert oder die Bienenkästen mit GPS-Sendern oder Handy-Ortung versehen. „Wenn sich das herumspricht, hat es abschreckende Wirkung“, glaubt Ahrens.

Auch Horst Schäfer aus Großburgwedel hat sich für den Einsatz von Videokameras zum Schutz seiner Bienenvölker entschieden - mit Erfolg. „Jeder Imker hat Angst vor Diebstahl und Vandalismus“, räumt er ein. Im Frühjahr war er zweimal innerhalb von zwei Wochen bestohlen worden. Der Schaden belief sich auf mehr als 1000 Euro. „Seitdem war nichts mehr“, sagt Schäfer.

Von Sabine Gurol 
und Berit Böhme

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