Konklave in Rom

Kardinäle haben vor Papst-Wahl noch keinen echten Favoriten

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Foto: Knapp zwei Wochen nach dem Rücktritt von Benedikt XVI. wählen 115 Kardinäle von diesem Dienstag an in Rom einen neuen Papst.

Rom - Was muss der neue Papst leisten? Gründlich haben sich die Kardinäle in Rom über die Anforderungen an den Pontifex ausgetauscht. Am Dienstag beginnt endlich die Wahl des Benedikt-Nachfolgers.

Knapp zwei Wochen nach dem Rücktritt von Benedikt XVI. wählen 115 Kardinäle von diesem Dienstag an in Rom einen neuen Papst. Das voraussichtlich mehrtägige Konklave beginnt am Nachmittag mit dem feierlichen Einzug der Purpurträger in die weltberühmte Sixtinische Kapelle - wie lange es dann dauert, hängt von der Anzahl der erforderlichen Wahlgänge ab. Gewählt wird solange, bis eine Zweidrittel-Mehrheit auf einen Kandidaten entfällt.

Am Dienstag ist noch nicht mit der erfolgreichen Wahl eines neuen Papstes zu rechnen. Das hat Vatikan-Sprecher Federico Lombardi am Montag in Rom deutlich gemacht. Sollten die Kardinäle zu Beginn des Konklaves am Dienstag einen ersten Wahlgang ansetzen, „muss man schwarzen Rauch erwarten“, sagte er.

Nur weißer Rauch aus dem Schornstein der Sixtinischen Kapelle signalisiert aber, dass ein neuer Papst gewählt worden ist. Ein erster Wahlgang ist am Dienstag zwar wahrscheinlich, aber nicht zwingend. Er gilt bei einem Konklave als Testlauf, bei dem sich Favoriten für das Papstamt herausschälen.

Beobachter rechnen damit, das Konklave könnte schnell abgeschlossen sein, auch wenn es keinen klaren Favoriten für den Stuhl Petri gibt. Oft fallen schon seit Tagen die Namen des Mailänder Erzbischofs Angelo Scola und des brasilianischen Kardinals Odilo Pedro Scherer. Auch der New Yorker Erzbischof Timothy Dolan wird genannt. Aus Europa kommen 60 Papst-Wähler, sie sind damit knapp in der Mehrheit.

Das neue Oberhaupt von rund 1,2 Milliarden Katholiken muss mit Zweidrittel-Mehrheit gewählt werden, das Quorum liegt bei 77 Stimmen. Der erste Urnengang am Dienstag gilt als Testwahl. Dann folgen jeden Tag bis zu vier weitere Wahlgänge - bis es heißt „Habemus papam“. Beim

Konklave sind die Kardinäle völlig von der Außenwelt isoliert. In der Sixtinischen Kapelle wurde eigens ein Holzboden gezimmert, auf dem die Tische für die Kardinäle stehen.

Am Montag schlossen die Purpurträger ihre etwa einwöchigen Vorbereitungen für das Konklave mit einer letzten Versammlung im Vatikan ab. Das Kollegium der insgesamt mehr als 150 Kardinäle (einschließlich der nicht wahlberechtigten über 80-jährigen) befasste sich auch mit der Frage, welche Anforderungen der neue Papst erfüllen soll, auch um die jüngsten Krisen der Kirche zu meistern.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, rief die Gläubigen in Deutschland zum Gebet für einen neuen Papst auf. Sie sollten für die Kardinäle den Beistand des Heiligen Geistes erbitten.

Seit vergangenen Montag hatten sich die Kardinäle unter anderem über eine Reform der Kurie in Rom, die Finanzlage des Heiligen Stuhls und die Krisen der Weltkirche ausgetauscht. Die „Vatileaks“-Affäre um gestohlene Dokumente und Intrigen im Vatikan kam auch zur Sprache.

Joseph Ratzinger (85) war am 28. Februar als erster Papst der Neuzeit zurückgetreten. Er hatte diesen historischen Schritt nach knapp achtjähriger Amtszeit mit nachlassenden Kräften infolge seines hohen Alters begründet.

Der kritische katholische Theologe Hans Küng äußerte erneut die Befürchtung, dass Benedikt XVI. nach seinem Rücktritt als Schattenpapst weiter Einfluss auf wichtige Entscheidungen im Vatikan nehmen werde. Benedikt habe alle Weichen gestellt, um seine Machtposition zu sichern, sagte Küng am Montag in Tübingen. Es sei ein alarmierendes Signal, dass Benedikt XVI. seine Altersresidenz im Vatikan gewählt habe - mitten im Zentrum der Macht.

dpa

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