Neue Verbrechenswelle

Die Katalysator-Klauer kommen

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Foto: Den Katalysator-Dieben geht es um die wertvollen Rohstoffe Platin, Rhodium und Palladium.

Hannover - Sie kommen nachts, bevorzugen abgelegene Werksgelände in Autobahnnähe und legen sich bevorzugt unter Lieferwagen: Kriminelle, die es auf die Katalysatoren abgesehen haben. Stand früher vor allem das Navigationsgerät im Fokus der Verbrecher, so geht jetzt der Katalysatoren-Klau um.

Mit Sorge betrachtet das Landeskriminalamt (LKA) in Hannover ein neues Geschäftsfeld für Diebe und Hehler. „Allein für Niedersachsen haben wir zwischen Anfang 2011 und diesem Sommer mehr als 170 Fälle registriert, bei denen 2700 Katalysatoren gestohlen wurden“, sagt Anke Smug vom LKA Hannover.

500 Katalysatoren auf einen Streich haben Diebe Mitte Mai einem Autohändler in Oldenburg entwendet. „Das sind gut organisierte Gruppen, die bereits im Vorfeld ihre Objekte auskundschaften und sich dann in einer Nacht-und-Nebel-Aktion gleich sehr viele Fahrzeuge vornehmen, sodass der Gesamtschaden sehr hoch ist“, sagt die Sprecherin des LKA. Häufig betroffen seien Kleintransporter der Marken Mercedes Sprinter und Iveco, die nicht selten in Industriegebieten in Autobahnnähe abgestellt seien. Oft schlügen die Täter an Wochenenden und Feiertagen zu. Ein paar gezielte Schnitte mit einem Profilrohrschneider und der Katalysator ist ab.

Die Diebe interessierten sich weniger für den Abgasreiniger als Ersatzteil, sondern für das, was in ihm steckt – Platin, Rhodium und Palladium. „Das sind sehr gefragte Rohstoffe“, sagt die LKA-Sprecherin. In Deutschland sei diese besondere Form der Rohstoffkriminalität relativ neu: „Wir beobachten das erst seit eineinhalb Jahren.“

Wo die Katalysatoren landen, wissen die Ermittler auch nicht. Sie gehen davon aus, dass die Edelmetalle auch ins Ausland transportiert werden. In jedem Fall seien, anders als beim Diebstahl von Dachrinnen oder anderen Metallteilen, keine Einzeltäter, sondern meistens Banden tätig. „Die Täter dürften auf eingefahrene Strukturen zurückgreifen“, erklärt das LKA. „Bei dem Schaden dürfte es sich um einen zweistelligen Millionenbetrag handeln.“

Eine „Taskforce Katalysator“ hat das LKA nicht eingerichtet, es rät Opfern beziehungsweise potenziellen Opfern zu einem „individuellen Gespräch bei ihrer Polizeidienststelle“. Nach Auskunft der Versicherungswirtschaft sind geklaute Katalysatoren im Gegensatz zu zerstochenen Reifen „ein klassischer Fall für die Teilkasko“. Unternehmen sollten dafür sorgen, dass ihre Fahrzeuge am besten auf einem bewachten oder gut ausgeleuchteten Gelände abgestellt werden. Und wenn möglich sollte das Fahrzeug, wie das bei Lkw oft möglich ist, nachts abgesenkt werden. Damit unten keiner ran kann.

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