Niedersachsen

Kaum Chancen für Lehrernachwuchs an Gymnasien

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Bleibt alles beim Alten: Für Junglehrer gibt es keine Jobs an Gymnasien.

Hannover - An Niedersachsens Gymnasien werden derzeit kaum Lehrer eingestellt. Das hat auch Auswirkungen auf den pädagogischen Nachwuchs: Nur jeder dritte Gymnasiallehrer, der im vergangenen halben Jahr in Niedersachsen seine Ausbildung beendete, fand an einer hiesigen Schule einen Job. Und nur jeder achte landete an einem Gymnasium.

Nur jeder achte ausgbildete Gymnalsiallehramtstudent landet an einem Gymnasium. Das geht aus der Antwort der Landesregierung auf eine Anfrage der CDU-Fraktion im Landtag hervor.

Demnach haben zwischen August und Januar 497 Frauen und Männer in Niedersachsen das Staatsexamen für das Lehramt an Gymnasien abgelegt. 153 von ihnen wurden im Februar in den Schuldienst übernommen, davon 61 an Gymnasien. Die anderen sind an Gesamtschulen, Oberschulen oder anderen Schulformen untergekommen. Noch schwieriger ist es für Lehrer aus anderen Bundesländern, an ein niedersächsisches Gymnasium zu gelangen: Weil in ganz Niedersachsen zum Halbjahr nur 70 Lehrer eingestellt wurden, haben es gerade mal neun Pädagogen aus anderen Ländern geschafft, einen Job an einem hiesigen Gymnasium zu ergattern.

Eine Ursache dieser Entwicklung dürfte die Erhöhung der Unterrichtszeit für Gymnasiallehrer sein. Zum 1. August hat die Landesregierung die Unterrichtsverpflichtung für diese Berufsgruppe um eine Stunde angehoben. Zeitgleich wurde allen Lehrkräften die Altersermäßigung gestrichen. Die Lehrergewerkschaft GEW hatte bereits vor einem Jahr gewarnt, dass 1750 Neu-Einstellungen von jungen Pädagogen verhindert würden, wenn die älteren Lehrkräfte länger und mehr arbeiten müssten.

„Das ist katastrophal“, sagte CDU-Fraktionschef Björn Thümler. Es sei viel Geld in die Ausbildung der Lehrer geflossen, „und dann wäre es gut, wenn man die Leute auch im eigenen Land einsetzen könnte“. Das zeige, wie die Landesregierung das Gymnasium ausbluten lasse, denn in Wahrheit gebe es einen hohen Bedarf an Lehrkräften in den kommenden Jahren.

Tatsächlich stehen die Schulen in Niedersachsen vor einer Pensionierungswelle. Knapp 30 Prozent der 67.000 Pädagogen im Land sind über 55 Jahre alt und werden sich in den nächsten zehn Jahren aus dem Schuldienst verabschieden. Auch die Umstellung vom Turbo-Abitur zurück zum Abitur nach 13 Jahren wird Arbeitskräfte brauchen.

Insgesamt benötige das Land 1250 bis 1500 zusätzliche Gymnasiallehrer in den kommenden fünf Jahren, argumentiert der schulpolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Björn Försterling. „Anstatt dass die Lehrkräfte heute gehalten werden, vertreibt man sie in andere Bundesländer und muss sie dann wieder anwerben“, sagte er. Das Land müsse endlich aufhören, immer von Halbjahr zu Halbjahr zu denken, und Einstellungen langfristiger planen.

Eine Sprecherin des Kultusministeriums sagte, das Land stelle in jeder Schule nach Bedarf ein. Weil die Unterrichtsversorgung an den Gymnasien bislang überaus gut gewesen sei, seien in diesem Halbjahr nur 70 neue Lehrerstellen an Gymnasien ausgeschrieben worden. Dennoch gebe es grundsätzlich weiterhin für angehende Gymnasiallehrer gute Jobchancen in Niedersachsen. Durch die Umstellung auf das Abitur nach 13 Jahren werde die Schülerzahl an Gymnasien von derzeit 240.000 auf 248.000 Mädchen und Jungen steigen. „Zudem herrscht in Niedersachsen ein stetiger Bedarf an Vertretungslehrkräften“, sagte die Sprecherin. Diese würden zwar zunächst nur befristet eingestellt, könnten aber nach zwei Jahren in den Schuldienst übernommen werden.

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