Feier in Niedersachsen

Kaum Sponsoren für das große Einheitsfest

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Foto: Ministerpräsident Stephan Weil bei der Pressekonferenz zum Tag der deutschen Einheit in Hannover.

Hannover - Fast keine offizielle Feier in Niedersachsen findet ohne VW statt - beim Fest am Tag der Deutschen Einheit am 3. Oktober in Hannover ist dies nicht anders und sogar besonders wichtig. Denn viele andere einst spendable Unternehmen haben abgesagt.

Am Ende sicherte der Autobauer mit einer Millionenspende die Feier, die in diesem Jahr von Niedersachsen in Hannover unter anderem am Maschsee ausgerichtet wird. Neben etwa 500 000 Besuchern werden Kanzlerin Angela Merkel und Bundespräsident Joachim Gauck erwartet.

Offiziell will die Staatskanzlei fünf Wochen vor dem Fest keine konkreten Sponsorenzahlen nennen. Nur die seit Monaten bekannten Eckdaten werden wiederholt: Rund 4 Millionen Euro will sich das Land die Feier kosten lassen. 2,8 Millionen Euro stammen aus dem Landeshaushalt, 184 000 Euro vom Bund. Den Rest sollen Sponsoren stemmen. Doch auf viele Anfragen bei den großen Unternehmen im Lande folgten Absagen: Nord/LB, Deutsche Bank, TUI, Bahlsen, Continental, Symrise, Talanx, TÜV Nord, Sennheiser, Nordzucker - keiner will die Feier so richtig unterstützen und dafür sein Logo auf der Sponsorenwand wiederfinden. Die Gründe klingen oft ähnlich: Europas größter Tourismuskonzern TUI betont etwa, aus Spargründen jegliches Sponsoring eingestellt zu haben. Das Sponsoring der Feier passe nicht ins Unternehmenskonzept, heißt es von Deutschlands drittgrößtem Versicherungskonzern Talanx.

Doch für die Zurückhaltung der Unternehmen gibt es noch einen besonderen niedersächsischen Grund: Das einstige Sponsorensystem ist seit der 2011 ausgelösten Affäre mitsamt Vorteilsannahmeprozess um Altbundespräsident Christian Wulff gestört. Aus Angst vor negativen Schlagzeilen wegen zu großer Nähe zur Politik steht die Wirtschaft beim Sponsoring nicht mehr Schlange. Dies spürt die Landesregierung seitdem auch bei ihrem jährlichen Sommerfest. Das will zwar niemand offen aussprechen, es gibt aber entsprechende Andeutungen. Continental verweist auf seine generelle Zurückhaltung beim Sponsoring von Veranstaltungen mit direktem politischen Bezug.

Aber es noch spendable Geldgeber - unter ihnen die Volksbank, NiedersachsenMetall, die Deutsche Messe AG, ­Enercon: alle mit Zahlungen zwischen 10 000 und 50 000 Euro. Dank VW klettern die Sponsorengelder insgesamt in den siebenstelligen Bereich.

„Unser Finanzplan steht, wir sind zufrieden“, sagt ein Sprecher der Staatskanzlei. Details will er nicht nennen - am Dienstag präsentiert Ministerpräsident Stephan Weil das Programm der Feier der Öffentlichkeit. Wie schnell die Kosten den Plan überholen können, hat Baden-Württemberg bei der Ausrichtung des Fests 2013 erfahren: Statt der veranschlagten 3,7 Millionen Euro schlugen am Ende satte 4,9 Millionen Euro zu Buche.

Von Marco Hadem und Ralf E. Krüger

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