Rüffel für Landkreis Friesland

Kein Platz für Krähen

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Foto: Krähen sind im urbanen Raum nicht sehr beliebt. Die Stadt Jever hat gegen die Vögel daher drastische Maßnahmen ergriffen.

Jever - Krähenschwärme nerven Einwohner und Geschäftsleute im friesischen Jever. Besonders schlimm war es im Frühjahr, als die Vögel ihre Nester bauten und Jungtiere schlüpften. Deshalb hatte der Landkreis der Stadt im April ausnahmsweise erlaubt, Krähennester und Eier aus den Bäumen zu entfernen.

Rund 100 Nester wurden aus dem Stadtgebiet und rund um das Nordwest-Krankenhaus Sanderbusch beseitigt. Nester, in denen bereits Jungvögel saßen, wurden verschont. „Es gab massive Beschwerden aus der Bevölkerung“, sagt ein Kreissprecher. Er spricht von einem „wahnsinnigen Lärm und einem hohen Verschmutzungsgrad, Kot auf Wegen, Straßen und Parkplätzen.“

Aber Saatkrähen sind eine streng geschützte Vogelart. Vor 30 Jahren waren sie nahezu ausgestorben, seitdem hat sich der Bestand nach Angaben des Umweltministeriums in Hannover auf mittlerweile 10.000 Paare verfünffacht, Rund 1600 davon leben im Landkreis Friesland, knapp die Hälfte bevorzugt die Wallanlagen in Jever zum Brüten. Die Nesterzerstörung hat dort heftigen Widerstand ausgelöst. „In der Brutzeit Nester und sogar Eier zu entfernen, geht eindeutig zu weit“, sagt Werner Menke von der wissenschaftlichen Arbeitsgemeinschaft Natur- und Umweltschutz Jever.

Scharfe Kritik kommt auch vom Naturschutzbund (Nabu) Wilhelmshaven. „Das war gesetzeswidrig, eine Untat ersten Ranges“, sagt Nabu-Sprecher Axel Bürgener, „Der Schutz der Saatkrähe ist im öffentlichen Interesse“, betont auch der Erste Vorsitzende Klaus Börgmann.

Die Vögel würden aus ihrem angestammten Lebensraum, den Grünflächen, vertrieben und drängten deshalb in die Städte. Nach der Kritik der Naturschützer hat sich jetzt auch das Umweltministerium eingeschaltet und entschieden, dass die Ausnahmegenehmigung des Landkreises Friesland zwar in Ordnung gewesen sei, künftig aber derartige Vertreibungsaktionen zu unterbleiben hätten.

In Friesland will man jetzt an einem Runden Tisch zusammen mit Politikern, Naturschützern, Geschäftsleuten und Anwohnern nach anderen Lösungen suchen, zumal das Nestereinsammeln im April ohnehin nicht von großem Erfolg gekrönt war. Gut zwei Drittel der Krähen hätten sich nach einigen Wochen an derselben Stelle wieder ein Nest gebaut, von der das alte entfernt worden war, berichtet Vogelschützer Menke.

Nun suchen Experten nach Alternativen, um die Vögelschwärme aus der Altstadt zu vertreiben. Nicht mehr eingesetzt wird die sogenannte Krähenklatsche, eine im Baum montierte Holzklappe mit Seil, an dem Anwohner ziehen können. Das laute Knallen beim Zusammenklappen der Holzscheite soll die Vögel erschrecken.

„Lokal hat das durchaus Wirkung gezeigt“, sagt Menke. Aber nachdem einige Holzklappen aus den Bäumen gestürzt waren, allerdings ohne etwas oder jemanden zu beschädigen, hatte die Stadt aus Gründen der Verkehrssicherheit lieber auf diese Methode verzichtet. Am 8. August trifft sich der Runde Tisch, um über die Krähenplage zu reden. „Wir erwarten ein Gesamtkonzept vom Landkreis“, sagt Nabu-Vorsitzender Börgmann. Am besten sei es, die Vögel in ihrem ursprünglichen Lebensraum möglichst wenig zu stören. Dazu gehöre auch, Bäume an Autobahnen, in denen die Krähen nisten, nicht radikal zu beschneiden.

Schlaue Vögel

Die Saatkrähe gehört zu den Rabenvögeln wie Rabenkrähen, Dohlen und Kolkraben. Auffällig ist eine unbefiederte, hellgraue Hautstelle am Schnabel. Ihr Ruf ist ein heiseres „krraaa“ oder „korr“. Sie frisst unter anderem Insekten, aber auch Getreide und Mäuse. Anders als Rabenkrähen sind Saatkrähen keine Einzelgänger, sondern leben in Kolonien. So nisten oft Hunderte Paare in Bäumen.

Der Mensch ist der Hauptfeind des geschützten Vogels. Der Einsatz chemischer Mittel in der Landwirtschaft zerstört ihren Lebensraum. Die Saatkrähen wandern in die Städte ab, wo sie ihrerseits Störenfriede sind. Krähen gelten als sehr intelligent. Sie können sogar ihrem Nachwuchs das Erkennen bestimmter, ihnen feindlich gesinnter Menschengesichter beibringen. Nüsse legen sie auf die Straße, warten, bis ein Auto darüberfährt und fressen dann die innere Frucht.

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