Vogelgrippe in Niedersachsen

„Kein Risiko bei Verzehr von Geflügel“

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Foto: Im Niedersächsischen Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit wurde die Vogelgrippe nachgewiesen.

Hannover - Das hochansteckende Vogelgrippevirus vom Typ H5N8 ist im Kreis Cloppenburg nachgewiesen worden. Es kommen Fragen auf: Ist das Virus gefährlich? Kann man jetzt noch Putenfleisch essen? Wir geben Antworten.

Was ist so gefährlich an dem Virus? Das im Landkreis Cloppenburg nachgewiesene Virus H5 N8 ist hoch ansteckend. „Allerdings nur bei Tieren, nicht bei Menschen“, betont Landwirtschaftsminister Christian Meyer (Grüne).

Wie konnte das Virus trotz der seit Oktober geltenden Stallpflicht und anderer Sicherheitsmaßnahmen in den Hof gelangen? Das ist bislang unklar. Der Landkreis Cloppenburg versucht dies nun durch Befragung des Geflügelhalters zu recherchieren. Das Virus könnte aus ganz unterschiedlichen Gründen eingeschleppt worden sein, sagte der Vorsitzende des Verbands Niedersächsische Geflügelwirtschaft, Friedrich-Otto Ripke. Er forderte alle Geflügelhalter auf, die Bio-Sicherheit auf ihren Höfen noch konsequenter zu gewährleisten als bislang schon. So müssten Lieferwagen durch ein Desinfektionsbad fahren, bevor sie auf den Hof fahren. Tierärzte müssten konsequent ihre Kleidung wechseln, bevor sie von einem Unternehmen zum anderen fahren.

Bekommen die Landwirte, die ihre Tiere jetzt töten lassen müssen, eine Entschädigung? Laut Friedrich-Otto Ripke werden die Halter der Tiere entschädigt. Sie erhalten den Wert des getöteten Geflügels aus der Tierseuchenkasse des Landes.

Kann ich jetzt noch Putenfleisch essen? „Ja, man kann Puten, Gänse und anderes Geflügel ohne Angst essen“, sagt Anneke von Reeken, Referentin für Ernährung und Lebensmittel in der Verbraucherzentrale Niedersachsen. „Wenn Sie das Fleisch zu sich nehmen, wird das Virus nicht übertragen. Schließlich wird es erhitzt.“ Allerdings sei es wichtig, bei der Zubereitung von Geflügelfleisch die allgemeinen Hygieneregeln zu beachten, sagt von Reeken weiter.

Was besagen diese Hygieneregeln? Man soll das Geflügelfleisch durchbraten, sodass keine rosafarbenen Stellen bleiben. „Zudem sollte die sogenannte Kreuzkontamination vermieden werden“, so die Referentin. „Daher sollten nicht auf dem Schneidebrett, auf dem gerade rohes Geflügel geschnitten wurde, anschließend etwa Kräuter verarbeitet werden.“ Außerdem empfiehlt die Verbraucherzentrale, rohe Geflügelprodukte und andere Lebensmittel getrennt zu lagern und Verpackungsmaterialien umgehend zu entsorgen sowie Auftauwasser umgehend wegzuschütten.

Ist die Weihnachtsgans gefährdet? Nein. Mit Lieferschwierigkeiten sei bislang nicht zu rechnen, sagt Friedrich-Otto Ripke. Daran ändere auch der sogenannte Stand Still nichts. Diese Anordnung regelt laut Landwirtschaftsminister Christian Meyer, dass für 72 Stunden im gesamten Landkreis Cloppenburg Futtermittel und Geflügel nicht transportiert werden dürfen. Das Transportverbot für Geflügel wurde am Abend vom Kreis Cloppenburg auf die Nachbarkreise Ammerland und Leer ausgedehnt. Und: „Wenn Sie Ihre Gans gut durchgaren und die anderen Hygieneregeln einhalten, steht dem ungetrübten Genuss des Weihnachtsbratens nichts im Wege“, so die Verbraucherzentrale.

Wie kann ich die Herkunft der Tiere erkennen? Das im Handel angebotene Geflügelfleisch, das in Deutschland geschlachtet und zerlegt wurde, trägt auf der Verpackung oder auf dem Etikett die Zulassungsnummer des Schlacht- oder Zerlegebetriebes. Die Nummer und der Betrieb können auf der Internetseite des Bundesministeriums für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit eingesehen werden. Wenn das Produkt aus einem Nicht-EU-Land eingeführt wurde, muss die Herkunft laut Verbraucherzentrale angegeben werden. Erst ab April 2015 wird die Angabe von Aufzucht und Schlachtung für Fleisch aus der EU und Nicht-EU verbindlich, zurzeit kann sie freiwillig erfolgen. Für verarbeitete Produkte wie etwa Chicken Nuggets gilt dies jedoch nicht.

Wie viele Tiere werden getötet? Am Dienstag wurden 19.000 Tiere auf dem betroffenen Hof in der Gemeine Barßel sowie vorsorglich weitere 12.000 Tiere auf einem Hof in Garrel getötet, der mit dem Barßeler Betrieb in Kontakt stand. Nach Auffassung von Verbandschef Ripke sollten auch rund 90.000 Hühner innerhalb des Drei-Kilometer-Sperrbezirks getötet werden.

Letzte Welle 2006

Die letzte große Vogelgrippe-Welle grassierte in Niedersachsen im Jahr 2006 und 2007. Damals sorgte der auch für Menschen gefährliche Virus H5 N1 für Aufregung.Im Februar 2006 hatten Urlauber auf der Insel Rügen vier verendete Schwäne entdeckt, die den Krankheitserreger in sich trugen. Als sechstes Bundesland erreichte das Virus am 4. März Niedersachsen, als in Walsrode eine infizierte Wildgans gefunden wurde. Den zweiten Vogelgrippefall in Niedersachsen gab einige Wochen später in Cuxhaven.

Weltweit wurden seit 2003 mehr als 500 Erkrankungsfälle bei Menschen bestätigt, die sich mit H5 N1 infiziert hatten. Rund 60 Prozent starben an den Folgen der Krankheit, die meisten in Südostasien.

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