Porträt

Kein Witz: Pferde können zählen

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Ein besonderes Verständnis fürs Pferd: Reitlehrerin und Forscherin Vivien Gabor.

Greene - Vivien Gabor, Wissenschaftlerin und Reitlehrerin aus der Nähe von Göttingen, bringt Pferden das Zählen bei - und zeigt, dass die Tiere schlau sind.

Pferde haben nicht nur Kraft und Anmut, sondern auch Intelligenz. Das hat die Pferdewissenschaftlerin Vivien Gabor in ihrer Doktorarbeit gezeigt. Die 32-Jährige studierte und promovierte an der Göttinger Universität. In einer Versuchsreihe bewies sie, dass Pferden nicht nur Verhalten antrainiert werden kann, sondern dass sie auch abstrakte Gedankengänge lernen können.

Gabor zeigte Shetlandponys ein einfaches Symbol. Das musste das Pony unter zwei angezeigten Symbolen auf einem Computerbildschirm erkennen und per Knopfdruck auswählen. „Die Pferde lernen, Zeichen zu vergleichen und zu erkennen“, sagt Gabor.

Doch damit nicht genug: Selbst als die Wissenschaftlerin den Ponys bislang unbekannte und komplexere Symbole vorlegte, drückten diese den richtigen Knopf. „Das beweist, dass die Pferde einen abstrakten Gedankengang lernen.“

Zählen können die Pferde auch: Gabor zeigte den Ponys eine unterschiedliche Anzahl an Kreisen. Unter den beiden Wahlmöglichkeiten fanden die Ponys das Bild mit der richtigen Anzahl. „Das ist eine spektakuläre Erkenntnis“, sagt Gabor. Solche Transferübungen würden bisher eher mit Vögeln oder Primaten trainiert. Ein Dreivierteljahr hatte Gabor mit den Ponys geübt. „Es war schwer, ihnen beizubringen, was ich von ihnen will“, erklärt sie. „Als sie gelernt hatten, dass sie Bilder erkennen und Knöpfe drücken sollen, ging es ganz schnell.“

Ihre Erkenntnisse sind Gabor für ihre Arbeit auf ihrem Pferdehof wichtig - den hat sie vor zwei Jahren mit ihrem Freund in Greene im Kreis Göttingen eröffnet. Gemeinsam baut das Paar einen alten Schweinemastbetrieb um, der bereits 20 Jahre leer stand. Die alten Gebäude haben sie erhalten, großzügige Weiden und Reitplätze angelegt, eine Reithalle gebaut. Im alten Stall haben viele Besitzer eine große Box mit Freilauf für ihre Tiere gemietet. Noch mehr Pferde sind jedoch in Gabors Herde untergebracht: Die Pferdegruppe lebt in einem Freilauf mit Weide, Sand, viel Heu und Auslauf. Gabor reitet zudem Pferde ein und gibt Kurse für Tier und Mensch im klassischen Reitstil, im Westernreiten, im Lesen und im gezielten Einsetzen der Körpersprache.

„Es ist wichtig, dass die Reiter ein Bewusstsein dafür haben, was im Kopf ihrer Pferde vorgeht“, sagt Gabor. Dabei helfen die Erkenntnisse über die Intelligenz der Tiere - und darüber, dass die Pferde Reize sehr gut aufnehmen. „Ich möchte weiter Lerntests mit Pferden machen und auch das Verhalten der Pferde in der Haltung beleuchten“, sagt sie. Daher gebe es bei ihr keinen Standardreitunterricht, sondern einen Einblick in das Verhalten der Pferde. „Wir können Pferde effektiver trainieren, wenn wir ihre Verhaltensweisen kennen.“

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