Kofferdieb von Düsseldorf

Keine Bewährung nach Millionenschaden

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Foto: Der mutmaßliche Kofferdieb vom Düsseldorfer Flughafen auf der Anklagebank des Amtsgerichts auf den Prozessbeginn.

Düsseldorf - Stundenlang ging nichts mehr am Düsseldorfer Flughafen. Eine Bombe, dann Drogen, wurden in einem herrenlosen Koffer vermutet. Ausgelöst hatte das Chaos ein Dieb. Er vermutete in dem geklauten Gepäckstück Drogen - und wollte es schnell wieder loswerden.

Am Ende hatte sogar der Amtsrichter einen Anflug von Mitleid. "Es hätte dümmer nicht laufen können", sagte Richter Daniel Keutmann über den Fall des Gepäckdiebs vom Düsseldorfer Flughafen. Der 32 Jahre alte Mann hatte am 24. September einen kunterbunten Trolley mitgehen lassen. In dem geklauten Gepäckstück mit großen London-Motiven drauf waren jede Menge Tüten mit einem Pulver, das nach Drogen aussah.

Der Mann wollte den Koffer schnell loswerden, stellte ihn in der Abflughalle ab und verschwand. Wegen des herrenlosen Koffers wurde der drittgrößte deutsche Airport geräumt, der Flugbetrieb ruhte stundenlang, 140 Flüge fielen aus. Am Mittwoch wurde der Verursacher wegen gewerbsmäßigen Diebstahls vom Amtsgericht Düsseldorf zu acht Monaten Gefängnis ohne Bewährung verurteilt.

Der Angeklagte, der in Großbritannien wegen einer Vielzahl ähnlicher Vorwürfe zu teils mehrjährigen Haftstrafen verurteilt wurde, verfolgte den Prozess in seinen Stuhl versunken, hinter seiner Dolmetscherin versteckt. In dem Koffer hatten die Experten erst Sprengstoff vermutet. Dann wurde noch eine elektronische Einrichtung geortet - die sich aber nur als Handy-Kabel entpuppte.

Als keine Bombe gefunden wurde, dachte man an Drogen. Doch statt Heroin fanden sich später nur Mehl und Zimt in den vielen Tüten, täuschend echt verpackt. "Da kam alles zusammen", kommentierte der Richter einfühlend den Bericht eines Polizeibeamten über den Einsatz. "Es ist ein kurioser Fall", sagte auch Staatsanwältin Anna Gerdemann.

Die Ermittler vermuten immer noch einen Täuschungsversuch im Drogenmilieu, die Hintergründe sind aber noch ungeklärt, der Besitzer des Koffers wurde nicht gefunden. Schon die vielen Videoaufnahmen von dem damals noch Unbekannten im fliederfarbenen Pullover, hatte die Polizei vor Rätsel gestellt. Der 32-Jährige war beim lässigen Schlendern durch die Flughafenhallen gefilmt worden.

"Wie jemand, der alle Zeit der Welt hat", wunderte sich ein Ermittler am Mittwoch immer noch. Im Gericht sagte der Angeklagte kaum einen Ton. Zu Beginn hatte er sein Gesicht unter einer tief herabgezogenen dunkelblauen Wollmütze verborgen. Der 32 Jahre alte Familienvater, der nicht lesen und schreiben kann, lebte 18 Jahre in London. Mit Hilfe einer DNA-Probe vom Koffergriff wurde er vom Landeskriminalamt ermittelt.

Mit dem Namen fanden die Ermittler auch Fotos ihres Gesuchten in britischen Presseberichten. Dann erkannte ihn der Empfangsmitarbeiter eines Düsseldorfer Hotels, die Polizei griff zu. Die britischen Gerichte meldeten ihren Kollegen vom Amtsgericht 19 Aliasnamen und etliche Verurteilungen zu Haftstrafen. Ein Zivilprozess wegen der Millionenschäden am Flughafen kann noch dazukommen.

dpa

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