Touristen-Portal

Keine Facebox mehr auf Norderney

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Janine Schneider und Michael Bergstein aus Melle betreten auf Norderney die sogenannte facebox, um von dort ihre Urlaubsgrüße via Internet zu versenden. Das Touristen-Portal muss sich nun einen neuen Namen zulegen.

Norderney - Das mächtige soziale Netzwerk Facebook im kalifornischen Palo Alto mag keine Konkurrenz aus Ostfriesland. Dort muss die Insel Norderney nun einen neuen Namen für ihr Touristen-Portal Facebox suchen.

„Norderney ist viel schöner als Deutschland“, findet ein Inselbesucher. Und die 12-Jährige Nora grüßt digital den Rest der Welt: „Dies ist meine Lieblingsinsel, hier habe ich Fahrradfahren gelernt.“ Derartige Urlaubspost schickt das Touristenportal Facebox seit zwei Jahren auf der kleinen ostfriesischen Insel ins weltweite Netz. Doch nun muss ein neuer Name her: Der Platzhirsch unter den sozialen Netzwerken, Facebook, mag die Namenskonkurrenz aus Ostfriesland nicht.

Der Stein des Anstoßes steht auf dem Kurplatz der Insel. Dort wurde vor zwei Jahren ein historischer Badekarren zu einem kleinen Aufnahmestudio umgerüstet: ein Tisch, eine Bank und eine Kamera, mehr nicht. Inselbesucher können seitdem kostenlos Videobotschaften aufnehmen, die bei YouTube und Facebook hochgeladen werden. „Wir treffen nur eine Auswahl und stellen das dann ins Netz“, sagt Inga Devermann, die sich um Neue Medien beim Marketing der Insel kümmert.

Kostenlose Werbung

Täglich hinterlassen im Schnitt 30 Insel-Fans überwiegend positive Urlaubseindrücke, geben Tipps oder bekennen ihre Liebe zur Insel. „Das ist kostenlose Werbung vom Feinsten und eigentlich unbezahlbar“, freut sich Devermann über die PR-Aktion. „Alles ist garantiert echt. Da wird gesungen, es gibt Witze, oder es quetscht sich auch mal eine ganze Familie vor die Kamera, um der Oma nach Hause zu winken.“

Doch der kleine Bäderkarren mit dem bekannten blauen Schriftzug und der Name Facebox bringt den Netzwerk-Riesen aus dem kalifornischen Palo Alto auf den Plan. Erst melden sich dessen Anwälte beim Staatsbad, dann wird das Deutsche Patent- und Markenamt in München auf den Namensstreit aufmerksam.

Zu große Ähnlichkeit

Zu groß sei die Ähnlichkeit zwischen Original und Kopie, heißt es jetzt in einem 14-seitigen Schreiben der Behörde: Die Schriftzeichen stünden nicht weit genug auseinander. „Eine unmittelbare schriftbildliche Verwechslungsgefahr ist daher nicht auszuschließen.“ Diese Gefahr bestehe auch bei den „klanglich sehr stark ähnelnden, dunkel klingenden Vokalen "o" und "u"“. Unter ungünstigen akustischen Bedingungen, etwa am Telefon, sei ein sicheres Auseinanderhalten der Marken nicht möglich. Daher müsse Facebox gelöscht werden.

„Wir können damit leben, wir wollten Facebook ja nicht wehtun“, gibt sich nun Norderneys stellvertretender Marketing-Geschäftsführer Hans Rass geschlagen. Im ungleichen Kampf David gegen Goliath sei die juristische Niederlage aber dennoch ein Werbe-Sieg: „Unsere Facebox-Kampagne hat uns bundesweite Aufmerksamkeit und große Sympathie beschert.“ Auch für Devermann hat sich der Ärger gelohnt: „Wir machen weiter wie bisher - nur mit einem neuen Namen.“

dpa

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