Grüner Deal

Keine weiteren Castoren nach Gorleben?

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Foto: Niedersachsens Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne) bei der Pressekonferenz am Freitag.

Hannover - Ein Angebot aus Hessen lässt das Wendland aufhorchen: Der hessische Umweltminister Al-Wazir deutet an, dass sein Land zur Aufnahme von Castoren bereit sei. Bleibt Gorleben damit von weiteren Transporten verschont? Niedersachsens Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne) ist jedenfalls erleichtert.

Das Angebot Hessens zur Zwischenlagerung von hoch radioaktivem Atommüll hat für neuen Schwung in der Debatte über ein Zwischenlager für Castoren gesorgt. „Jahrelang war es undenkbar, mit den anderen Ländern diese Frage auch nur zu erörtern“, sagte am Freitag Niedersachsens Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne). Grund für seine Freude war eine Aussage seines Parteifreundes Tarek Al-Wazir. Der hessische Wirtschaftsminister hatte der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ gesagt, sein Land werde sich in Biblis nach einer sorgfältigen Prüfung einer Lagerung nicht entgegenstellen.

Wirklich neu ist Al-Wazirs Aussage nicht. Bereits im hessischen Koalitionsvertrag von CDU und Grünen findet sich eine fast wortgleiche Formulierung, die auch Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) unterschrieben hat. Dennoch sorgt sie für neuen Schwung in der seit Sommer 2013 ins Stocken geratenen Suche nach einem Lagerort. Neben Hessen hatten bereits das rot-grüne Schleswig-Holstein und das grün-rote Baden-Württemberg die frühere Blockadehaltung durchbrochen.

Die Suche nach einem Zwischenlager für die ungeliebten Castoren mit wiederaufbereitetem Atommüll aus Frankreich und England ist nötig, weil das rot-grün regierte Niedersachsen weitere Castoreinlagerungen im bislang dafür vorgesehenen Zwischenlager Gorleben kategorisch ablehnt. Bund und Länder hatten sich im vergangenen Jahr bei der Verhandlung zum Neustart einer bundesweiten Suche nach einem Endlager für Atommüll auch darauf verständigt, kein Land zur Zwischenlagerung zwingen zu wollen. Auf diese Weise soll der seit Jahrzehnten gärende Streit um Gorleben entschärft werden.

„Damit beginnt eine neue Etappe in der Castor-Debatte, weil wir jetzt drei Länder haben, die ihre grundsätzliche Bereitschaft zur Zwischenlagerung erklärt haben“, betonte Wenzel. Ab 2015 werden die nächsten der noch ausstehenden 26 Castorbehälter in Deutschland zurückerwartet - in Gorleben lagern bereits 113 Behälter mit Atommüll. Biblis gilt unter Fachleuten als sehr gut geeignet.

„Es wird jetzt sicher weitere Gespräche geben“, sagte Wenzel. Er sei sicher, dass sich Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) nun intensiv kümmere und auch die Länder in den Prozess einbinde. „Ich hoffe, dass dieses ganze Problem jetzt zeitnah gelöst werden kann.“

Anders als Wenzel reagierten die Gorleben-Kritiker in Niedersachsen skeptisch. Die Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg warnte vor verfrühter Genugtuung und hohen Genehmigungshürden.

Hintergrund: Castor

Castor ist die Abkürzung für die englische Bezeichnung "cask for storage and transport of radioactive material" (Behälter zum Aufbewahren und Transportieren von radioaktivem Material). Die in einem Stück aus Gusseisen gefertigten Behälter sind gut 6 Meter lang und haben einen Außendurchmesser von rund 2,5 Metern. Sie wiegen im beladenen Zustand mehr als 110 Tonnen.

Die zylinderförmigen Behälter sind mit einer Neutronenabschirmung und speziellen Dichtungen ausgestattet. Sie werden mit zwei Deckeln verschlossen. Verantwortlich für die Produktion der Behälter ist die Gesellschaft für Nuklear-Service (GNS). Die Behälter sind laut GNS so ausgelegt, dass sie extremen Einwirkungen von außen standhalten – sogar einem Flugzeugabsturz.

dpa

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