Katastrophenschutzplan

Kernkraftgegner wollen 170 km lange Zone

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Foto: Kernkraftgegener fordern in Hannover größere Evakuierungszonen um Atommeiler wie Grohnde.

Hannover - Die Evakuierungszonen rund um die deutschen Atommeiler müssen nach Ansicht von Kernkraftgegnern von bislang zehn Kilometern auf 170 Kilometer ausgedehnt werden.

Die Evakuierungszonen rund um die deutschen Atommeiler müssen nach Ansicht von Kernkraftgegnern von bislang zehn Kilometern auf 170 Kilometer ausgedehnt werden.

„Die bisherige Katastrophenplanung ist absolut unzureichend“, sagte Ralf Strobach von der Bürgerinitiative Umweltschutz Hannover am Mittwoch. Zudem sei der Richtwert für Evakuierungen in Deutschland mit einer radioaktiven Strahlung von 100 Millisievert (mSv) „viel zu hoch angesetzt“, sagte Angelika Claußen von der Deutschen Sektion der Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkriegs. In Japan seien die Menschen nach der Reaktorkatastrophe in Fukushima ab dem Wert 20 mSv evakuiert worden. Generell fehle es in Deutschland an ineinandergreifenden Notfallplänen in den Kommunen sowie entsprechenden Kontrollen.

Kernkraftwerke in Niedersachsen

In Niedersachsen sind derzeit noch zwei Atomkraftwerke am Netz. Dabei handelt es sich um die Meiler Emsland in Lingen und Grohnde in Emmerthal bei Hameln. Das Kernkraftwerk in Stade wurde 2003 abgeschaltet, der Meiler Unterweser Stadland (Kreis Wesermarsch) 2011.

Bis zur Abschaltung im vergangenen Jahr war das AKW Unterweser das älteste der noch betriebenen Atomkraftwerke in Niedersachsen. Es ging 1978 ans Netz und wurde vom Energiekonzern Eon betrieben. 1984 folgte Grohnde – Betreiber ist ebenfalls Eon gemeinsam mit den Stadtwerken Bielefeld.

1988 ging das Atomkraftwerk Emsland ans Netz, das RWE und Eon gemeinsam betreiben. Der Meiler soll nach Plänen der Bundesregierung 2022 als letzter niedersächsischer Atomreaktor vom Netz gehen. Das alte Kraftwerk in Lingen wurde 1977 stillgelegt, an seine Stelle trat 1988 das neue Kernkraftwerk Emsland.

Laut niedersächsischem Umweltministerium sind die Reaktoren auf Erdbeben gut vorbereitet. So könne das Atomkraftwerk in Lingen Erschütterungen bis Stärke 7 aushalten, die Reaktoren Unterweser und Grohnde seien auf Stärke 6 ausgelegt. Auch die Stromversorgung in Notfällen sei kein Problem. Jedes Kraftwerk verfüge über vier mit Diesel betriebene Notstromaggregate, die theoretisch bis zu 72 Stunden Strom zur Kühlung liefern könnten.

dpa

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