Parteiübergreifender Kandidat erwünscht

Kiel sucht Gaschke-Nachfolger

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CDU und SPD sind jetzt auf der Suche nach geeigneten Kandidaten für die Kieler Oberbürgermeisterwahl, die in den kommenden sechs Monaten abgehalten werden soll.

Kiel - Wer beerbt Kiels zurückgetretene Oberbürgermeisterin Susanne Gaschke?Gesucht wird nach parteiübergreifenden Kandidaten. CDUund SPDwollen nach der Affäre um den rechtswidrigen Steuerdeal mit einem Augenarzt nun eine Persönlichkeit mit Verwaltungserfahrung.

Nach den Erfahrungen mit der Seiteneinsteigerin Susanne Gaschke (SPD) wollen die politischen Lager nach parteiübergreifenden Kandidaten für das Kieler Oberbürgermeister-Amt suchen. „Wir brauchen eine Persönlichkeit, die sowohl über politische Erfahrung und Verwaltungskompetenz verfügt“, sagte der SPD-Kreisvorsitzende Jürgen Weber der dpa. Auch CDU-Kreischef Thomas Stritzl hofft auf breite Zustimmung für einen Kandidaten. Die Parteien müssten sich nach wochenlangen Streit um einen Steuerdeal und dem Rücktritt Gaschkes „ein Stück weit zurücknehmen“.

Weber betonte, Gaschkes Nachfolger müsse vor allem über die „Bereitschaft zur kollegialen Zusammenarbeit mit allen Akteuren im Rathaus“ und ein starkes soziales Profil verfügen. „Das Wunschprofil wäre, wenn die Persönlichkeit in der Kieler Stadtgesellschaft auch sozial verankert ist.“ Über Namen will er nicht spekulieren. „Weder hat sich offiziell jemand bei uns beworben noch haben wir von uns aus bereits mit Personal verhandelt“, sagte er. Eigene Ambitionen auf den Posten hat der Landtagsabgeordnete nicht: „Nein, die gibt es nicht.“

Die drei Kooperationspartner SPD, Grüne und SSW in der Kieler Ratsversammlung wollen mit einem gemeinsamen Kandidaten zur OB-Wahl antreten. Am Montag soll es dazu erste Gespräche geben. „Ich hoffe, dass wir sehr schnell dazu kommen, auch über Personen zu sprechen. Das wird am Montag aber sicher noch nicht der Fall sein“, sagte Weber. Der Kandidat müsse „ein klares Signal“ an alle Parteien im Rathaus sein.

Bislang hat lediglich Bürgermeister Peter Todeskino (Grüne) seinen Hut in den Ring geworfen. „Ich kenne bisher noch keine Partei, die ihn vorgeschlagen hat. Herr Todeskino ist für uns aktuell aber kein Thema“, sagte Weber dazu. Todeskino hatte nach dem Rücktritt Gaschkes wegen ihres umstrittenen und mittlerweile von der Kommunalaufsicht als rechtswidrig eingestuften Steuerdeals mit einem Kieler Augenarzt vorläufig die Amtsgeschäfte übernommen. Er ist bei den Grünen aber nicht unumstritten. Innerhalb von sechs Monaten müssen Neuwahlen durch die Bevölkerung stattfinden.

Auch die Union spricht sich für einen parteiübergreifenden Kandidaten aus. Für den 9. November haben die Christdemokraten alle im Rat vertretenen Parteien zu einem Gespräch eingeladen. Neben der FDP hat auch die SPD zugesagt. Das sei aus Sicht der SPD aber „nur eine Gesprächsrunde und keine Findungskommission“, sagte Weber.

Die CDU will laut ihrem Kreischef Stritzl ohne Vorbedingungen und „schon gar nicht mit Namen“ in die Gespräche gehen. Nach dem Fall Gaschke sei ein möglichst breiter Konsens nötig, damit wieder Vertrauen in die Lokalpolitik aufgebaut werden könne. „Das muss schon eine Persönlichkeit sein, die den Dreh in der Stadt kennt und auch um die Befindlichkeiten weiß“, sagte Stritzl der Deutschen Presse-Agentur.

„Das ist ein Verwaltungs- und kein Regierungschef“, sagte Stritzl. Kandidaten könnten deshalb aus dem juristischen oder auch dem Verwaltungsbereich selbst kommen. Ein Kandidat müsse aber „ein gewisses Rüstzeug für das Amt als solches von sich aus bereits mitbringen“. Die Kieler hätten „genug von den Querelen“. Nun ginge es um die Perspektiven der Stadt.

Von André Klohn/dpa

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