Neues Schulernährungssystem für Niedersachsen

Kinder, esst mehr Obst!

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Foto: Einige niedersächsische Schulen können demnächst regelmäßig kostenlos Obst und Gemüse geliefert bekommen, so Landwirtschatsminister Meyer.

Hannover - Für mehr Obst und Gemüse an den Schulen: Als achtes Bundesland beteiligt sich Niedersachsen an dem Schulobst- und Schulgemüseprogramm der Europäischen Union.

Obst und Gemüse halten gesund – wer regelmäßig Äpfel und Bananen, aber auch Karotten, Kohlrabi oder Erbsen isst, leidet seltener an Bluthochdruck oder Herzkrankheiten und ist weniger gefährdet, einen Schlaganfall zu bekommen. Doch schon Kinder essen viel zu wenig Obst – nur eines von drei Mädchen im Grundschulalter verzehrt die von Ernährungsexperten empfohlene Tagesmenge, bei Jungen sind es nur ein Viertel.

Niedersachsen will gegensteuern: Ab dem nächsten Schuljahr sollen rund 100.000 Kinder dreimal in der Woche an der Schule kostenlos Obst und Gemüse erhalten. Niedersachsen ist das achte Bundesland, das beim Schulobst- und Schulgemüseprogramm der Europäischen Union mitmacht. „Es wurde aber auch Zeit, dass Niedersachsen als Obstland Nummer eins endlich an dem EU-Projekt teilnimmt“, sagte Landwirtschaftsminister Christian Meyer (Grüne) am Mittwoch in Hannover. Ein erster Anlauf vor fünf Jahren war an dem bürokratischen Aufwand gescheitert – und laut Meyer auch an der Überzeugung des damaligen Ministerpräsidenten Christian Wulff (CDU), dass sich die Eltern und nicht der Staat um die Ernährung der Kinder kümmern solten.

Die rot-grüne Landesregierung sieht das anders: Angesichts des zunehmenden Ganztagsunterrichts sei Ernährung immer mehr auch Schulsache, meinte Meyer. Viele Kinder, auch schon an Grundschulen, würden dort Mittagessen. Und was sie in der Schule lernten, übertrage sich auch auf ihr Zuhause, sagte Meyer. Diese Erfahrung hätten andere Bundesländer gemacht, die schon länger an dem EU-Programm teilnehmen. Insgesamt 3,7 Millionen Euro gibt das Land für das Obstprogramm aus, drei Viertel davon kommen von der EU.

Das Obst muss pur verzehrt werden

Das neue Verfahren sei ganz einfach, sagte der Minister. Grund- und Förderschulen sowie Schulkindergärten, die regelmäßig kostenlos Obst und Gemüse geliefert bekommen wollen, können sich dafür ab Mitte Juni online bewerben. Das Obst wird von Bauern aus der Region geliefert, auf Extrawunsch auch nur Bioprodukte. Wichtig sei es, dass nicht nur Äpfel, sondern eine Vielfalt an Obst und Gemüse angeboten werde, betonte Meyer. Zur gesunden Ernährung gehöre auch ein entsprechendes pädagogisches Beiprogramm: „Das kann ein gemeinsames Frühstück, der Besuch bei einem Obstbauern oder eine Koch-Arbeitsgemeinschaft sein.“ Um die Anlieferung oder Abrechnung des Obsts müssen sich die Schulen nicht kümmern. Das läuft über den Lieferanten. Ob Äpfel und Möhren als Stückchen oder im Ganzen an die Kinder verteilt werden, bleibt den Schulen überlassen. Die einzige Vorgabe: Das Obst muss pur verzehrt werden, die Zugabe von Joghurt oder Zucker ist verboten.

Nach Schätzungen des Landwirtschaftsministeriums können rund 600 Schulen am Obstprogramm teilnehmen. Sollte es mehr Bewerber geben, werden die Schulen anhand sozialer und regionaler Kriterien ausgewählt werden. In jedem Landkreis soll mindestens eine Schule mitmachen, soziale Brennpunkte, in denen die Kinder aus einkommensschwachen Familien oft ohne Frühstück zur Schule kommen, werden bevorzugt.

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