Fehler fällt erst nach zehn Jahren auf

Kinder nach Geburt in Cannes vertauscht

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Manon Serrano (re.) und ihre Mutter Sophie fordern Schadensersatz für eine tragische Verwechslung.

Grasse - Vor 20 Jahren sind in einer Klinik im französischen Cannes nach der Geburt zwei Mädchen vertauscht worden. Erst zehn Jahre später fiel der Fehler auf. Nun fordern die betroffenen Familien Schadensersatz in Höhe von mehr als zwölf Millionen Euro.

Ein Zweifel regte sich bei Sophie Serrano sofort, als sie im Juli 1994 ihre vier Tage alte Tochter wieder in die Arme gelegt bekam. Der Säugling hatte Gelbsucht und eine Nacht im Brutkasten verbracht. Danach waren die Haare länger als vorher. Das liege an den Wärmestrahlen, beruhigten sie die Krankenschwestern in der Geburtsklinik in Cannes. „Sie waren Profis, ich war 18 Jahre alt und hatte keinen Grund, ihnen nicht zu glauben“, erklärt Serrano. Doch zehn Jahre später erfuhr sie, dass sie mit der instinktiven Reaktion einer jungen Mutter richtiglag. Eine nachlässige Krankenpflegerin hatte zwei Babys im Brutkasten vertauscht.

Zwar sei ein Rücktausch undenkbar, sagen die beiden betroffenen Familien heute. Aber sie fordern von der Klinik Schadensersatz in Höhe von insgesamt mehr als 12 Millionen Euro. Nachdem ein Strafverfahren erfolglos war, wird heute im südfranzösischen Grasse die Entscheidung im Zivilprozess in dem aufsehenerregenden Fall erwartet.

Allerdings sprechen nur Sophie Serrano und ihre inzwischen 20-jährige Tochter Manon mit den Medien, während Manons leibliche Eltern sowie Serranos leibliche Tochter Mathilde anonym bleiben wollen.

Die Klinik, die inzwischen geschlossen ist, hat den Fehler zugegeben, verweigert aber zu zahlen. Verantwortlich sei eine Angestellte, die den Säuglingen nicht wie vorgeschrieben Armbänder zur Identifizierung umgebunden habe, erklärt die Anwältin der Klinik, Sophie Chas. „Die Frau litt an Depressionen und chronischer Alkoholsucht.“

Die unglaubliche Verwechslung kam vor zehn Jahren auf, als Sophie Serranos Partner, der bereits von ihr getrennt lebte, seine Vaterschaft in Zweifel zog. Denn mit ihren kringeligen Haaren und der mattbraunen Haut ähnelte ihm Manon keineswegs, und sein Misstrauen wurde geschürt durch das Gespött der Leute, sie sei „das Kind des Postboten“.

Der von ihm geforderte DNA-Test ergab, dass er in der Tat nicht Manons Vater war – aber Sophie Serrano auch nicht ihre leibliche Mutter. Eine Schock-Diagnose, erinnert sich diese: „Ich hatte Angst, dass man mir meine Tochter wegnimmt, und Angst um das Baby, das ich zur Welt gebracht hatte.“ Das wurde daraufhin ausfindig gemacht: Mathilde lebte nur 30 Kilometer entfernt bei einer Familie, die aus dem französischen Übersee-Departement La Réunion stammt.

Beide Familien organisierten eine erste Begegnung – für sie als Teenager in der Pubertät ein äußerst verstörender Moment, sagt Manon: „Ich saß einer Frau gegenüber, die biologisch meine Mutter ist, aber eine Unbekannte.“ Nach einigen Treffen brach der Kontakt wieder ab. Zu schmerzvoll sei der Umgang, so Serrano.

Von Birgit Holzer

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