Das zweite im Land

Ein Kinderhospiz nah der Küste

+
In dem Gebäude der ehemaligen Polizeiinspektion soll das neue Kinderhospiz „Joshuas Engelreich“ entstehen.

Wilhelmshaven - In Wilhelmshaven entsteht mithilfe einer Millionenspende ein neues Kinderhospiz. Damit wäre es nach dem Hospiz "Löwenherz" in Syke das zweite im Land. Es gibt allerdings Zweifel, ob eine weitere Einrichtung überhaupt gebraucht wird.

Zurzeit wird umgebaut und an Detailplänen gefeilt. Der Betonbau, der zuletzt die Polizeiinspektion Wilhelmshaven beherbergte, wirkt noch nicht sehr einladend. Doch Anfang September soll hier in der Nähe des Wilhelmshavener Stadtparks Niedersachsens zweites stationäres Kinderhospiz seine Türen öffnen: „Joshuas Engelreich“.

Joshua war 18 Jahre alt, als er an Leberkrebs starb. Mit 17 war er ins Hospiz in Jever gezogen. „Er wollte in der Nähe seiner Familie sein und hat sich deshalb für unser Erwachsenenhospiz entschieden“, erinnert sich Irene Müller von der Diakonieeinrichtung „Mission Lebenshaus“. „Aber er hat sich sehr gewünscht, dass es hier in der Gegend auch einmal ein Kinder- und Jugendhospiz gibt.“ Diesen Wunsch wolle der Verein ihm nun posthum erfüllen und Joshua dabei zum Namensgeber machen. Den andere Teil des offiziellen Hospiznamens „Angelika Reichelt Kinder und Jugendhospiz Joshuas Engelreich“ ist der Sponsorin gewidmet. Die frühere Unternehmerin Angelika Reichelt legt den Grundstock mit einer Millionenspende, nachdem sie ihre große Elektronikfirma im nahen Sande mangels Nachfolger in der Familie verkauft hat. „Ich möchte der Region etwas zurückgeben“, sagt die 68-Jährige. Als sie in der Zeitung von den Plänen für ein neues stationäres Kinderhospiz las, habe sie sich daher gleich mit dem Trägerverein in Verbindung gesetzt. „Auch in meinem Bekanntenkreis gibt es eine Familie, wo ein Kind an Krebs erkrankt ist“, erzählt die Spenderin.

Wie in anderen stationären Kinderhospizen soll es in Wilhelmshaven einen Abschiedsraum geben für diejenigen Kinder, deren Todeszeitpunkt gekommen ist. Doch im Mittelpunkt steht auch hier die Auszeit vom anstrengenden Alltag, die Familien mit todkranken Kindern sich lange vorher schon nehmen können. Bis zu 28 Tage im Jahr bezahlt die Krankenkasse den Aufenthalt für die gesamte Familie, die andere Hälfte muss über Spenden hereinkommen. Auch ein Teil der Einrichtung soll über Spenden finanziert werden. Geplant sind unter anderem ein Entspannungsbad mit Whirlpool, ein Lese- und Kuschelzimmer sowie ein Gemeinschaftsraum für Geschwister.

Ähnlich ist auch „Löwenherz“ aufgebaut, Niedersachsens bisher einziges Kinder- und Jugendhospiz im rund 100 Kilometer südöstlich gelegenen Syke. Dort wundert man sich, dass sich der Trägerverein des künftigen Spenden-konkurrenten in Wilhelmshaven bisher nicht mit erfahrenen Kinderhospizmitarbeitern über das Konzept ausgetauscht habe. Aus Sicht der Syker Pflegedienstleiterin Marion Reimers gibt es eigentlich keinen Bedarf an einem weiteren Kinder- und Jugendhospiz. „Wir sind gut ausgelastet“, sagt sie. „Aber Wartelisten gibt es eigentlich nur für die Ferien.“ „Löwenherz“ nehme Patienten aus ganz Norddeutschland und zum Teil auch aus südlichen Bundesländern auf. Wichtiger wäre es nach Reimers Einschätzung, zusätzliche Kurzzeitpflegeplätze für behinderte Kinder zu schaffen, die nicht unheilbar krank sind. Kinderhospize nehmen nämlich nur solche jungen Patienten auf, die an einer lebensverkürzenden Krankheit leiden, oft ist das eine Stoffwechselerkrankung.

Irene Müller vom Trägerverein in Wilhelmshaven dagegen meint: „Der Bedarf für ein Kinderhospiz ist hier groß.“ Das hätten sowohl betroffene Familien als auch Pflegedienste sowie das örtliche Krankenhaus signalisiert. Die Patienten und ihre Familien könnten von der Nähe zur Küste profitieren. Ein im November gegründeter Förderverein zählt bereits mehr als 50 Mitglieder. Seit Kurzem informiert er die Wilhelmshavener über die Baupläne - und stößt auf positive Resonanz. Auch die Mutter des 2012 an Leberkrebs gestorbenen Joshua engagiert sich in dem Verein. Die Gemeinschaft mit anderen habe es ermöglicht, im Hospiz noch viel gemeinsam zu lachen, sagt sie. Das wünsche sie auch für das Kinderhospiz - im Sinne Joshuas.

Kommentare