Trauerfeiern für Soldaten

Kirche soll Hausrecht an Feldjäger abgeben

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Mit der Trauerfeier will die Bundeswehr von den Soldaten Abschied nehmen, die in der vergangenen Woche bei einem Anschlag in Afghanistan ums Leben kamen.

Hannover - Einen ungewöhnlichen Schritt empfiehlt die hannoversche Landeskirche Gemeinden, wenn sie in ihren Kirchen einen Trauergottesdienst für gefallene Soldaten aus dem Afghanistan-Krieg abhalten. In diesem Fall sollten sie das „Hausrecht an die Feldjäger der Bundeswehr“ übertragen - „aus Gründen der Gefahrenabwehr und um Störungen vermeiden zu können“.

So steht es in einem Informationsschreiben des evangelischen Militärbischofs Martin Dutzmann, das das hannoversche Landeskirchenamt am 16. Mai verschickte. „Wir übersenden Ihnen diese Informationen in der Hoffnung, dass Sie in ihrer Gemeinde nicht zur Anwendung kommen müssen“, schreibt der Präsident des Landeskirchenamtes, Burkhard Guntau.

Unter Friedensbewegten ist das dreiseitige Schreiben gar nicht gut angekommen. „Nach der Erfahrung von zwei Weltkriegen zeigt dieser Rat einmal mehr, wie stark die Militärseelsorge und die Bundeswehr verwoben sind - das ist doch ein Politikum“, sagt der Neustädter Gymnasiallehrer Gerhard Biederbeck.

Er finde es empörend, wenn ausgerechnet die Kirche ihr Hausrecht an die Feldjäger, die Polizei der Bundeswehr, abtrete - wenn auch nur für die Dauer des jeweiligen Afghanistan-Trauergottesdienstes. Selbst die Machthaber der DDR hätten das Hausrecht der Kirche respektiert. Dies sei ein weiterer Versuch, die Zivilgesellschaft in Deutschland zu militarisieren, meint Biederbeck.

Die Kirchenleitung sieht das weniger dramatisch. „Die Kirchenvorstände können frei entscheiden, ob sie das Hausrecht abgeben wollen“, sagt Johannes Neukirch, Sprecher der Landeskirche. Die Trauerfeiern für gefallene Soldaten stünden in der Regel in der Verantwortung der Bundeswehr und der Militärseelsorge. „In der Regel kommen der Bundesverteidigungsminister oder sogar die Bundeskanzlerin - da sind hohe Sicherheitsmaßnahmen nötig, deshalb unser Ratschlag.“ Im übrigen sei das Vorgehen mit der Evangelischen Kirche in Deutschland abgestimmt worden.

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