Gerichtsurteil

Kirchenmusiker muss wegen Kindesmissbrauchs ins Gefängnis

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Der ehemalige Kirchenmusiker hatte zugegeben, sich von Anfang 2011 bis März 2012 mehrfach an drei seiner Musikschüler vergriffen zu haben.

Oldenburg - Drei Jungen wurden von ihrem Musiklehrer mehrfach sexuell missbraucht. Über ein Jahr lang vergriff sich der Kirchenmusiker an den Kindern. Das Landgericht Oldenburg wertete das Geständnis des Mannes strafmildernd.

Ein ehemaliger Kirchenmusiker hat drei Jungen sexuell missbraucht und muss dafür ins Gefängnis. Das Landgericht Oldenburg verurteilte den 47-Jährigen am Freitag zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und zehn Monaten. Strafmildernd wertete die Kammer das umfangreiche Geständnis und den geschlossenen Vergleich über Schmerzensgeld für die Opfer. Auch sei eine erheblich verminderte Steuerungsfähigkeit bei den Taten von der Kammer nicht auszuschließen, sagte der Vorsitzende Richter Dirk Reuter. „Er hatte seine Pädophilie nicht mehr im Griff.“

Mit dem Urteil schloss sich das Gericht der Forderung der Anklage an. Die Verteidigung hatte eine Bewährungsstrafe von zwei Jahren beantragt. Der Mann hatte zugegeben, sich von Anfang 2011 bis März 2012 mehrfach an drei seiner Musikschüler vergriffen zu haben. Verteidiger Ulrich Dost forderte eine Strafe von zwei Jahren auf Bewährung. Er wies darauf hin, dass sein Mandant mit seinem Geständnis den Kindern Aussagen vor Gericht erspart habe. „Und bei den schwersten Taten hat er aktiv Aufklärungsarbeit geleistet.“

In seinem Schlusswort entschuldigte sich der Angeklagte. „Ich weiß nicht, warum ich mich dazu hab’ hinreißen lassen, diese Dinge zu tun. Es tut mir unendlich leid.“ Durch finanzielle Probleme sei seine Ehe gescheitert und nach der Trennung von seiner Frau und den Kindern habe er seine pädophile Krankheit nicht mehr in den Griff bekommen.

Der Angeklagte habe sich in 14 Fällen des sexuellen Missbrauchs und in vier Fällen des schweren sexuellen Missbrauchs schuldig gemacht. Bei der Strafzumessung habe die Kammer mehrere strafmildernde Umstände berücksichtigt. „Der Angeklagte hat hier stark gepunktet“, sagte Reuter. Er habe durch sein Geständnis den Kindern die Aussage erspart, habe Reue gezeigt und sich entschuldigt. Das Urteil sei „straf- und schuldangemessen“. Für eine Bewährungsstrafe habe das Gericht keine Möglichkeit gesehen. Die Vielzahl der Fälle habe die Grenze dafür überschritten, sagte Reuter.

Der Rechtsanwalt des Kirchenmusikers sprach nach Ende des Prozesses von einem „Traum-Ergebnis für die Verteidigung“. „Insgesamt kann ich mit dem Urteil leben.“ Dennoch werde er formal wohl Revision einlegen, sagte Dost.

dpa

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