Gymnasien und Grundschulen

Klassen in Niedersachsen werden kleiner

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Foto: Niedersachsens Schulklassen sollen ab dem kommenden Schuljahr verkleinert werden.

Hannover - Weil dem Land Niedersachsen mehr Arbeitszeit von Lehrern zur Verfügung steht als erwartet, sollen Grundschüler und Zehntklässler an Gymnasien profitieren. Für die Opposition ist das längst überfällig.

Die zehnten Klassen an den Gymnasien und den Gymnasialzweigen der Kooperativen Gesamtschulen in Niedersachsen werden kleiner. Statt 32 sollen ab Sommer nur noch höchstens 26 Schüler in einer Klasse sitzen. „Dadurch werden die Lernbedingungen erheblich verbessert“, sagte Ministerpräsident David McAllister (CDU) am Dienstag in Hannover. „Wir kommen damit den berechtigten Wünschen vieler Schüler, Eltern und Lehrer nach.“

Auch an den Grundschulen sinkt die Klassenobergrenze – im Eingangsjahrgang von 28 auf 26 Schüler. Das gilt auch für Klasse 3, wenn die Klassen noch einmal neu gebildet werden. Die Lehrer sollen nach den Worten von Kultusminister Bernd Althusmann (CDU) mehr Zeit für die individuellen Bedürfnisse der Kinder erhalten. Der Minister betonte, dass viele Klassen die Obergrenze gar nicht erreichten, sondern deutlich kleiner seien. Dies gelte aber nicht in Ballungszentren. Die SPD bezeichnete die Verkleinerung der Klassen als überfällig, die Grünen nannten sie unzureichend.

Die Opposition kritisierte, dass an den Integrierten Gesamtschulen die Klassen nicht kleiner würden. McAllister hielt dem entgegen, dass an der IGS bis 2017 das Abitur noch nach 13 Jahren gemacht werden dürfe. Und im entsprechenden 11. Jahrgang gelte seit Langem die Obergrenze von 26 Schülern.

Seit Jahren laufen Elternvertreter und Lehrer Sturm gegen die vollen Klassen an Gymnasien. Besonders angeprangert wird dabei die Situation des 10. Jahrgangs. Hier galt auch nach der Verkürzung des Abiturs auf zwölf Jahre weiterhin die alte Schülerhöchstzahl von 32, während es im früheren Jahrgang 11 nur maximal 26 Schüler waren. Die Elternräte an Gymnasien hatten im März 150.000 Unterschriften für kleinere Klassen gesammelt. Einen ähnlichen Aufruf des Philologenverbandes hatten knapp 10.000 Lehrer unterzeichnet. „Wir realisieren das, was machbar ist“, sagte Althusmann gestern. Früher sei dies jedoch nicht möglich gewesen.

Denn den notwendigen Spielraum bekomme die Regierung nur dadurch, dass längst nicht so viele Lehrer – wie bislang angenommen – ab Sommer ihre von 1998 bis 2008 angehäuften Überstunden abbummeln wollen. Rund 20.000 Pädagogen, darunter viele an Gymnasien, werden künftig ein bis zwei Stunden weniger als die vorgeschriebenen 23,5 Stunden in der Woche unterrichten. Gerechnet hatte das Land aber sogar mit knapp 30.000 Pädagogen. Doch viele haben den Ausgleich ihres Arbeitszeitkontos verschoben. Rein rechnerisch kostet die Verkleinerung des 10. Jahrgangs das Land rund zwölf Millionen Euro. Die Absenkung der Höchstgrenze an den Grundschulen kostet 4,6 Millionen Euro.

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