Geplante Südumgehung in Hameln

Kleiner Fisch gefährdet Millionenprojekt

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Foto: Wo sie heimisch ist, darf nicht gebaut werden: Die Groppe.

Hameln - Hameln wird wohl auf die von verkehrsgeplagten Innenstädtern lang ersehnte Südumgehung verzichten müssen. Das Oberverwaltungsgericht Lüneburg den Straßenplanern einen Riegel vorgeschoben. Grund sind zwei geschützte Fischarten – die Groppe und das Neunauge.

Sie ist nachtaktiv und mit einer Länge von zwölf bis 16 Zentimetern nicht besonders groß. Dennoch stellt sie sehr hohe Ansprüche an eine gute Süßwasserqualität, die für sie eine Art Überlebensfrage ist. Vor allem ist sie selten und deshalb besonders mächtig. Denn die europäische Naturgesetzgebung schützt kleine Fische wie die Groppe, die anderenorts auch Rotzkopf oder auch Mühlkoppe genannt wird. Sogar in einer Rattenfängerstadt wie Hameln.

Dort nämlich kann die von verkehrsgeplagten Innenstädtern lang ersehnte Südumgehung vorerst nicht gebaut werden, weil das Oberverwaltungsgericht Lüneburg den Straßenplanern einen Riegel vorgeschoben hat. Auch wegen der Groppe und dem ebenfalls nicht allzu weit verbreiteten Neunauge, die ihr Revier im Flüsschen Fluthamel und der Remte bezogen haben. Diese Gebiete sind seit 2005 sogenannte Flora-Fauna-Habitat-Zone – und damit nach europäischem Recht besonders geschützt.

"Müssen Planungen gründlich überarbeiten"

So kann die acht Kilometer lange geplante Verbindungsstraße zwischen dem Knotenpunkt der Bundesstraßen 1 und 83 bei Fort Luise und dem Anschluss an die B 217 östlich von Rohrsen nicht gebaut werden, die den Innenstadtring entlasten sollte. Ein Teil der bisherigen Planungen sei rechtswidrig, urteilte das Oberverwaltungsgericht Lüneburg, das gleich in drei Urteilen zu dem 125-Millionen-Euro-Bauprojekt Stellung nahm. „Wir können erst weitere Schlüsse ziehen, wenn wir die schriftliche Gerichtsbegründung kennen“, sagt Uta Weiner-Kohl, stellvertretende Leiterin der Landesstraßenbaubehörde in Hameln. „Das ist zwar keine Totalniederlage vor Gericht, aber wir müssen unsere Planungen gründlich überarbeiten.“

Nach Ansicht des Hamelner Rechtsanwaltes Helmut Vogt sollten die Planungen am besten eingestellt werden, denn so leicht seien die Einwände des Gerichts nicht zu entkräften. Es hielt wenig davon, den Flussbereich einfach mit einer aufgeständerten Trasse zu queren, und bemängelte zudem, dass die strengen Anforderungen der europäischen Wasserrahmenrichtlinie nicht hinreichend berücksichtigt worden seien. Auch die jüngsten Urteile zur Ausbaggerung der Weser hätten in das Urteil zum Hamelner Straßenbau hineingespielt, meint Anwalt Vogt. „Wenn man die geplante Trasse gebaut hätte, hätten Spundwände in den Uferbereich gesetzt werden müssen. Das hieße das ,Schluss mit lustig’ für den kleinen Fisch.“

Aber die europäische Wasserrahmenrichtlinie ist für Straßen- und Ausbau­planer längst kein kleiner Fisch mehr. So dürfte die gründelnde Groppe in Hameln mehr Zukunftschancen haben als die gewünschte Umgehungstraße.

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