Internetkriminalität

Die Klickfalle schnappt schnell zu

+
Foto: Angeblich stammt diese Mail von der Telekom, doch mit solchen Rechnungen versuchen zurzeit Internetbetrüger, an Kontodaten zu kommen.

Hannover - Banden organisieren derzeit auf viele Weisen Massenbetrug an Computernutzern im Internet und verdienen damit Geld. Die Polizei sieht in der Internetkriminalität ein wachsendes Geschäft und fordert mehr Geld, um dagegen vorgehen zu können.

Hannover. Die Anrede in der E-Mail ist freundlich, sie kommt angeblich von einem Telekommunikationsunternehmen. „Ihre aktuelle Rechnung steht für Sie im PDF-Format bereit“, steht darin. Der Rechnungsbetrag: 318,87 Euro - wer sich über die hohe Summe wundert und auf einen Link in der Nachricht klickt, um die Rechnung anzuschauen, hat nach Angaben des Verdener Oberstaatsanwalts Frank Lange einen Fehler gemacht. Er ist - ohne es zunächst zu merken - in die Fänge der organisierten Computerkriminalität gegangen. Der Rechner ist Teil eines sogenannten Botnetzes geworden, das Kriminelle nutzen, um Passwörter auszuspähen und die Konten von Computernutzern leer zu räumen.

„Damit kann man richtig Geld verdienen“, sagte Lange am Montag in Hannover. Pro Jahr geraten nach seinen Worten etwa eine Million deutsche Computer in solche Netze. Lange leitet in Verden eine von drei Zentralstellen für Cyberkriminalität bei niedersächsischen Staatsanwaltschaften. Er hat ein solches Botnetz 20 Wochen lang beobachtet. Der Gewinn der Betreiber: mehr als neun Millionen Euro.

Auf den ersten Blick nicht von einer seriösen Mail zu unterscheiden. Doch Kleinigkeiten machen den Unterschied.

Quelle:

Noch dominiert der Rauschgifthandel mit 40 Prozent der Verfahren die organisierte Kriminalität in Niedersachsen. Weil sich diese aber immer stärker ins Internet verlagert, hat das Land zusätzliche Staatsanwälte bei den Zentralstellen für Internetkriminalität in Verden, Osnabrück und Göttingen eingesetzt. „Wir haben rechtzeitig erkannt, dass das Internet bislang ungeahnte und vor allem ständig neue Möglichkeiten für Straftäter eröffnet und wir darauf reagieren müssen“, erklärte Justizministerin Antje Niewisch-Lennartz (Grüne) am Montag bei der Präsentation der Lage zur organisierten Kriminalität im Jahr 2013.

Auch die Polizei stellt sich darauf ein, dass Kriminelle immer öfter in Onlinekonten einbrechen statt in die Bank. Das spiele bei der strategischen Ausrichtung der Polizei und bei der Ausbildung eine immer stärkere Rolle, erklärte Innenminister Boris Pistorius. Der SPD-Politiker forderte zugleich eine neue Definition der organisierten Kriminalität - denn in der Beschreibung aus den neunziger Jahren kommt Cyberkriminalität nicht vor - sie rangiert in der Statistik daher unter „Sonstiges“.

Ein weiteres gemeinsames Anliegen haben Niewisch-Lennartz und Pistorius: Sie fordern bessere Möglichkeiten, den Gewinn der kriminellen Machenschaften abschöpfen zu können. Der belief sich in Niedersachsen im Jahr 2013 auf fast 37 Millionen Euro aus dem Rauschgifthandel oder organisierten Einbrüchen - davon konnten die Behörden nur etwas mehr als 2,5 Millionen Euro wieder einsammeln. „Wenn wir nur sieben Prozent abschöpfen können, ist das deutlich zu wenig“, sagte Pistorius. Beide wollen daher die Beweislast umkehren: Verdächtige sollen nachweisen müssen, dass das Geld auf ihren Konten aus legitimer wirtschaftlicher Betätigung stammt.

Kommentare