Ort der Mission

Kloster Loccum feiert 850-jähriges Bestehen

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Das Kloster Loccum feiert mit einem Festakt sein 850-jähriges Bestehen.

Loccum - Angehende Pastoren rüsten sich im Kloster Loccum für ihre Arbeit in den Gemeinden. Menschen, die unter Belastungen in Privatleben oder Beruf leiden, suchen dort Ruhe. In dieser Woche feiert das Kloster vor den Toren Hannovers mit einem Festakt sein 850-jähriges Bestehen.

Hinter den Mauern des Klosters Loccum schlummern Jahrhunderte niedersächsischer Kirchengeschichte. Mönche bestimmen aber schon lange nicht mehr das Klosterleben. Das Kloster ist das geistiges Zentrum der evangelischen Landeskirche Hannovers. Alle Pastoren für Niedersachsen und Bremen werden hier ausgebildet. Zum 850-jährigen Bestehen gibt es an diesem Donnerstag (21. März) einen Festakt.

Ein Jubiläumsprogramm mit mehr als 100 Kulturveranstaltungen soll bis Ende Oktober 150.000 Besucher in die frisch herausgeputzten alten Gemäuer locken. Die Klosterkirche wurde mit Millionenaufwand grundlegend saniert und bekam eine neue Orgel.

Zum Auftakt des Jubiläums werden sich mehr als 1000 Gäste aus Kirche, Politik und Gesellschaft in Loccum versammeln. Landesbischof Ralf Meister predigt, und Landtagspräsident Bernd Busemann eröffnet den Festakt. Auch der Generalabt des Zisterzienserordens, Mauro-Giuseppe Lepori, wird erwartet.

Von Zisterziensern nämlich wurde das Kloster 1163 gegründet. Seit 1600 ist es evangelisch. Seit mehr als 300 Jahren dient es als Predigerseminar. Der Abt zu Loccum war bis 1925 der höchste theologische Repräsentant der Landeskirche. Dann wurde das Amt des Landesbischofs eingeführt. Die Bischöfe sind während oder nach ihrer Amtszeit die Äbte.

Im Zweiten Weltkrieg wurde das Kloster schwer zerstört, weil sich dort eine SS-Einheit verschanzt haben sollte. In den 60er Jahren wurde es wieder aufgebaut. Im Kloster befindet sich eine der bedeutenden deutschen Bibliotheken für Theologie und Kirchengeschichte mit mehr als 80.000 Bänden.

„Diejenigen Menschen, die unser Kloster besuchen, kommen in erster Linie deshalb, weil sie sich im Kloster etwas für ihre Seele erhoffen“, schreibt Abt Horst Hirschler im Vorwort eines neuen Bandes zur Klostergeschichte. „Sie möchten in unruhigen, von Technik und schneller Veränderung bestimmter Zeit, wie man das heute nennt, spirituelle Erfahrungen machen. Sie möchten ein wenig von der geistlichen Kraft solch eines alten Klosters mitnehmen.“ Auch für Führungskräfte aus der Wirtschaft werden Einkehrtage angeboten.

Die Bedeutung des Klosters liegt für Landesbischof Ralf Meister klar in seiner ökumenischen Dimension. „Die Ursprünge dieses Klosters und seiner bauhistorischen Zeugnisse gehen zurück auf eine Kirche, die noch nicht nach Konfessionen getrennt war“, schreibt Meister im Jubiläumsband. „Wenn heute die evangelische Kirche in lutherischer Tradition die Verantwortung für das Kloster trägt und auch die inhaltliche Arbeit bestimmt, dann fordert uns das heraus, ökumenisch zu denken.“ In den Mauern und der Geschichte fänden sich Ansätze für eine Gemeinsamkeit der beiden Kirchen, die ausgebaut werden könnten.

Auch in Zukunft müsse das Kloster Ort der Mission bleiben und nicht nur außergewöhnliches historisches Denkmal sein, fordert Bischof Meister. Seine Strahlkraft wirke nicht nur auf die Pastoren, die hier ausgebildet werden, sondern auch auf die vielen Pilger, Gemeindegruppen und Menschen auf der Suche nach Einkehr. Frische Neugierde wird sicher bei so manchem der Jubiläumsgäste geweckt, der neben der Geschichte auch dem Geist im Kloster nachspürt.

dpa

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