Geistliches Zentrum der Landeskirche

Kloster Loccum feiert 850-jähriges Bestehen

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1200 Gäste waren zu der Veranstaltung geladen.

Loccum - Mit mehr als 1200 geladenen Gästen sind am Donnerstagmorgen die 850-Jahr-Feiern zum Bestehen des Klosters Loccum eröffnet worden. Das Kloster in der Nähe des Steinhuders Meer ist eine evangelische Einichtung und gilt mit seinem Predigerseminar als geistliches Zentrum der Landeskirche.

Das hat schon was, wenn 1000 Kehlen das Apostolische Glaubensbekenntnis in der alten, ostkirchlichen Form singen: Mit einem beeindruckenden Gottesdienst sind am Donnerstag die Feierlichkeiten zum 850-jährigen Bestehen des Klosters Loccum eröffnet worden. Das Kloster ist in mehrfacher Hinsicht ein Unikum: Seit 1600 ist es evangelisch und gehört dennoch zur weltweiten Klosterfamilie der Zisterzienser, die von 1163 an die Sümpfe an der alten Burg Lucca unweit des Steinhuder Meeres urbar machten.

Zur 750-Jahr-Feier vor 100 Jahren war sogar der deutsche Kaiser Wilhelm II. gekommen; damals mussten die Vikare, die im Predigerseminar Loccum ausgebildet wurden, Haltung annehmen. Diesmal nicht. Als höchster weltlicher Würdenträger kam Landtagspräsident Bernd Busemann (CDU), der in seinem Grußwort daran erinnerte, dass in Loccum 1955 der erste bedeutende staatskirchenrechtliche Vertrag geschlossen wurde. Der Katholik Busemann warnte davor, das gute Verhältnis zwischen Staat und Kirche durch „überhöhten Laizismus“ zu gefährden. Als er „Angriffe“ auf den konfessionellen Religionsunterricht erwähnte, schüttelte Niedersachsens stellvertretender Ministerpräsident Stefan Wenzel (Grüne) den Kopf.

Aber nicht politische Auseinandersetzungen prägten den Beginn des Jubiläumsreigens, der erst im Oktober dieses Jahres enden soll, sondern die Kraft der lutherischen Liturgie. Der Gottesdienst begann mit einem feierlichen Einzug in die Kirche: Der 79-jährige Abt Horst Hirschler mit Krummstab und Mitra vorneweg, dahinter die Konventualen des Klosters (es handelt sich meist um höhere Geistliche), dann der theologische Nachwuchs in Gestalt von Vikarinnen und Vikaren. Hirschler erinnerte in seiner prägnanten Begrüßung daran, was das Kloster schon alles überlebt habe - von der Misswirtschaft von Äbten bis zum Dritten Reich. Es sei eine „Wegstrecke voller Wunder“, dass das Kloster noch bestehe.

Die Predigt in dem Festgottesdienst hielt Hannovers Landesbischof Rolf Meister. Er würdigte Loccum als einen Ort, an dem die Kultur der Bildung, der Bescheidenheit und der Treue zu Gott eingeübt werde - Werte, die im Gegensatz zu unserer extrem beschleunigten Zeit stünden. Typisch sei, dass man heute von „Echtzeit“ rede, meinte Meister in seiner Ansprache. In Loccum hingegen finde man 850 Jahre Echtzeit. „Wenn in Millisekunden Handelsgeschäfte per Computer gemacht werden, dann ist jedes Überlegen ausgeschaltet, und Verlässlichkeit wird nur ein definiertes Zahlenspiel.“ Der Generalabt des Zisterzienser-Ordens, Mauro-Guiseppe Lepori, bekräftigte, dass Loccum zur großen Familie der Zisterzienser gehöre. „Keine Spaltung wird das Feuer dieses Geistes löschen.“ Es sei bemerkenswert, dass selbst noch in den Ruinen von Klöstern der alte Geist zu spüren sei.

Von einer Ruine ist die frisch sanierte Klosterkirche Loccum weit entfernt. Mehr als drei Millionen Euro hat die Sanierung gekostet.

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