Deutschlands bekanntester Parksünderjäger

"Knöllchen-Horst" schmollt

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Osterode - Über 20.000 Anzeigen, Rechtsstreits und Anklagen hat er angezettelt: Jetzt klagt "Knöllchen-Horst", Deutschlands bekanntester Parksünderjäger, über sein Bild in der Öffentlichkeit. Niemand würdige seinen Fleiß und Einsatz im Kampf für eine Weltordnung mit ordnungsgemäßen Mitbürgern, meint er.

Horst-Werner N. sagt nichts mehr, er macht jetzt dicht, wie es so heißt. Verraten und verkauft fühlt er sich. Niemand würdige seinen Fleiß und Einsatz im Kampf für eine Weltordnung mit ordnungsgemäßen Mitbürgern. „Sie berichten, aber Sie kennen die Straßenverkehrsordnung nicht“, sagt er entnervt am Telefon. Langsam wird sie wohl unbequem, die eigene Geschichte.

Jahrelang sammelte der Frührentner aus Osterode emsig Belege für seine persönliche Parksünderkartei und schwärzte Autofahrer zu Zehntausenden beim Landkreis an. Es war nur eine Frage der Zeit, bis N. dank seines eifrigen Einsatzes über die Grenzen seiner Heimatstadt hinaus bekannt werden würde. Zeitungen und auch das Fernsehen berichteten über „Knöllchen-Horst“, aber selten korrekt, wie N. findet: Die Medien hätten das eine oder andere verzerrt.

Seit N. erneut von sich reden macht – das Jagdgebiet für Falschparker in Osterode reicht ihm nicht mehr, „Knöllchen-Horst“ weitet sein Revier nun auf Göttingen aus und setzt seit Neuestem auch eine Videokamera zur Dokumentation ein –, verweigert er den Kontakt zu den Medien. N. ist beleidigt. Eine Interviewanfrage lehnt der 61-Jährige ab mit den Worten: „Gucken Sie mal ins Verkehrsrecht! Wie passt unser Anspruch mit der Wirklichkeit zusammen?“ Abgesehen von ihm überprüfe das kaum noch jemand, sagt er. Und die Mühe, seine Anzeigentätigkeit im Rechtsregister nachzuschlagen, was seine Treffsicherheit belegen könne, mache sich niemand. Eine bittere Enttäuschung für den fleißigen Frührentner.

„Der ,Spiegel’ hat mit Abstand am dreistesten gelogen“, meint „Knöllchen-Horst“. Nie habe er den Rettungshubschrauber denunziert, durch den er, der ehemalige Maschinenbautechniker und Taxifahrer, 2008 bundesweite Bekanntheit erlangte. Lediglich „vermerkt“ habe er das behindernde Parkverhalten des Rettungshubschraubers, der bei einem Einsatz auf dem Gehweg gelandet war. „Eine Anzeige hat es nie gegeben.“ Auf diese Feststellung legt er Wert.

Bei den mehr als 20 000 Anzeigen, Rechtsstreits und Anklagen, die „Knöllchen-Horst“ mittlerweile angezettelt hat, ist das ein entscheidendes Detail.

Klagen und Knöllchen

  1. 2008: Für bundesweite Schlagzeilen sorgt N., als er einen Rettungshubschrauber, der bei einem Einsatz auf dem Gehweg gelandet war, wegen Falschparkens vermerkt.
  2. März 2010: „Knöllchen-Horst“ wird selbst geblitzt. Mit Tempo 63 in der 50er-Zone in Pöhlde. Die 10 Euro Bußgeld zahlt er erst nach einem Prozess.
  3. Oktober 2010: N. verklagt einen Journalisten, weil er sich von ihm in seiner Würde verletzt sieht. Der Journalist hatte die Frage aufgeworfen, ob der Status „Frührentner“ angesichts der eifrigen Tätigkeit von N. zutreffend sei. N. fordert 1000 Euro. Erfolglos.
  4. Februar 2011: N. erhält Schmerzensgeld von 200 und 300 Euro in mehreren Fällen, nachdem er die Beleidigungen durch Mitbürger zur Anzeige gebracht hatte.
  5. März 2012: N. verklagt den Landkreis Osterode auf vollumfängliche Beantwortung seiner Anfragen sowie Beachtung und Ahndung der von ihm angezeigten Verstöße gegen Verkehrsregeln. Der Landkreis hatte aufgehört, alle seine Anliegen zu bearbeiten.
  6. September 2013: Das Oberverwaltungsgericht Lüneburg weist die Klage gegen den Landkreis Osterode ab und bescheinigt N., ein Denunziant zu sein.

Von Nina Reckemeyer

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