Demenzabteilung

Kommission prangert unhaltbare Zustände in Psychiatrie Wunstorf an

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Hannover - Die Kommission zur Kontrolle der Psychiatrien in Niedersachsen übt scharfe Kritik an den Zuständen im Klinikum Wunstorf. In dem ehemaligen Landeskrankenhaus, das heute zum Klinikum der Region Hannover gehört, wurde am 18. Januar eine große Zahl dementer Senioren angetroffen, die statt in ihren Zimmern die Nacht in Gemeinschaftsräumen verbringen mussten - unter Neonlicht.

„Auf der Station 1.1 war der Aufenthaltsraum mit 13 belegten Betten geradezu vollgestellt“, heißt es in dem vertraulichen Bericht. Auf allen drei Stationen der Altenpsychiatrie seien in den großen Aufenthaltsräumen Betten mit darin schlafenden Patienten gefunden worden. „Das Verbringen der Patienten erfolge regelmäßig von 21 Uhr abends bis 7 Uhr morgens“, zitiert die Besuchskommission eine Pflegekraft.

Cornelia Oesterreich, ärztliche Direktorin der Psychiatrie in Wunstorf, bestätigt den Inhalt des Berichts. „In der Zeit hatten wir eine Überbelegung.“ Die Patienten litten unter einem gestörten Tag-Nacht-Rhythmus und seien nachtsüber sehr unruhig. In den Gemeinschaftsräumen könnten sie besser überwacht werden. Der Vorsitzende der Besuchskommission für den ehemaligen Regierungsbezirk Hannover, Andreas Landmann, wollte sich mit Blick auf seine Schweigepflicht nicht äußern.

Der Bericht der Kommission liegt den Mitgliedern des Psychiatrieausschusses beim Sozialministerium vor, der darüber in der kommenden Woche beraten soll. Der Ausschuss ist ein unabhängiges Gremium von Fachleuten und Landtagsabgeordneten. Er kann Vorschläge zur Verbesserung der psychiatrischen Versorgung machen und berichtet dem Landtag. Die frühere Grünen-Landtagsabgeordnete Ursula Helmhold, stellvertretendes Mitglied im Ausschuss, ist empört: „Das ist unzumutbar“, sagt die Sozialexpertin. „Kein Vorwurf an die Mitarbeiter. Die Personaldecke ist einfach zu dünn.“

An dem betreffenden Tag war die Gerontopsychiatrie in Wunstorf nach Angaben der ärztlichen Direktorin zu 105 Prozent ausgelastet. Solche Spitzen gebe es immer wieder, da Psychiatrien anders als gewöhnliche Krankenhäuser keine Patienten ablehnen dürften. Gleichzeitig wird der Personalbedarf dauerhaft um etwa zehn Prozent unterschritten, zeitweise noch stärker. Das liegt laut Oesterreich auch daran, dass die Krankenkassen den Personalbedarf nur zu etwa 90 bis 93 Prozent finanzierten. „Zum Teil können wir aber die Kräfte, die wir brauchen, auch nicht einstellen, weil sie auf dem Markt nicht vorhanden sind. Es ist enorm schwierig, Fachkräfte zu finden.“

In der betreffenden Nacht im Januar waren zwei Pflegekräfte auf der Station eingesetzt, in der die 13 Patienten im Gemeinschaftsraum zusammengeschoben waren. Zukünftig soll es zwei Nachtwachen mehr für alle drei Stationen geben.

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