Profifotografen im Interview

„Es kommt darauf an, die Welt neu zu fotografieren“

+

- Täglich sind wir der sprichwörtlichen Bilderflut ausgesetzt. Doch was ist eigentlich ein gutes Bild? Jochen Lübke, Karin Blüher und Joachim Giesel haben als Profifotografen jahrzehntelang unsere Sicht der Welt mitbestimmt. Ein Gespräch über alte Zeiten, neue Herausforderungen und das Gespür für Tiefe.

Wie war das mit Ihrem Einstieg in die Fotografie?

Blüher: Meine Eltern wussten nicht so recht, wohin mit mir. Ich hatte so eine künstlerische Ader, ein bisschen lag das Künstlerische auch in der Familie. Zuerst wollte ich Grafikerin werden, aber es war schwierig, da eine Lehrstelle zu bekommen. In unserer Nachbarschaft wohnten damals einige Fotografen – so sind wir dann auf die Fotografie gekommen. 1955 war es zwar auch hier nicht ganz einfach mit der Lehrstelle, aber es hat dann doch geklappt bei Berger, einem bekannten Fotografen hier vor Ort. Einfach war das nicht. Mit mir haben 15 Leute angefangen – die anderen haben alle vorzeitig aufgehört. Ich wusste, dass ich durchhalten musste.

Was mussten Sie als Auszubildende machen?

Blüher: Negativretusche mit Bleistift Nr. 6. Und ich habe im Fotogeschäft am Tresen bedient. Gerade das war aber wichtig: So lernt man mit Menschen umzugehen.

Giesel: Ich wollte eigentlich Kameramann werden. Als Halbwüchsiger war ich furchtbar gern im Kino, ein Billett kostete nur 45 Pfennige. Der Weg zum Kameramann sollte über eine dreijährige Fotografenlehre mit Abschluss führen, danach Praktikum im Filmkopierwerk und bei einem Feinmechaniker. Das war 1958. Beim Fotografen Berger habe ich viel gelernt, etwa, wie man durch die Entwicklung Kontraste verändern kann, wie man Struktur hervorzaubern kann, wo sonst alles schwarz wäre. Vor allem habe ich dort diesen fotografischen Blick gelernt. Ein guter Fotograf muss bei der Aufnahme schon wissen, wie sein Bild später aussehen wird. Man muss fotografisch denken und fotografisch sehen können.

Bilderwelt: Jochen Lübke hat Joachim Giesel beim Porträtieren von Karin Blüher fotografiert.

Quelle: Lübke

Blüher: Es gab aber auch einen Unterschied zwischen Fotografen und Fotografinnen. Ein männlicher Auszubildender bekam damals ein größeres Spektrum zu fotografieren als wir Frauen und Mädchen. Uns gab man eher so zwischenmenschliche Beziehungen als Thema. Wir durften auch Porträts machen, aber wir mussten eben auch viel im Laden verkaufen.

Giesel: Mich hat in diesen drei Jahren die Fotografie gefesselt. Ein Bild zu machen, den Film im Labor zu entwickeln, im Trockenschrank schon mal nachschauen, wie es geworden ist, das war schon spannend.

Lübke: Du hattest ja damals viel mehr Möglichkeiten, Fehler zu machen als heute. Es fing damit an, dass man das Licht falsch eingeschätzt hat, oder der Entwickler war falsch angesetzt oder die Temperatur war nicht die richtige.

Blüher: ... oder man hat im Fixierbad entwickelt ...

Lübke: Ich erinnere mich daran, wie ein Kollege mit einer neuen Entwicklermaschine nicht richtig aufgepasst hatte und zehn Filme von einer Reportage in der Türkei zerstört waren. Es gab so viele Möglichkeiten, das Bild zu versauen...

Blüher: Wir haben noch auf Papiernegativen fotografiert, mit reiner Mentor. Da war der Fotograf unter einem schwarzen Tuch verschwunden.

Lübke: Bei mir ging das mit dem Fotografieren im privaten Rahmen los. Ich hatte als Jugendlicher ab und zu mit meiner Canon AE1 ein ganz hübsches Bild gemacht. Irgendwann hatte ich dann ein paar Bilder bei der Werkkunstschule in Köln eingereicht und bin dort 1980 angenommen worden, gleich nach dem Schulende. Sehr schnell habe ich gemerkt, dass das nichts für mich ist. Wir sollten weiße Untertassen auf weißem Grund fotografieren, schön ausgeleuchtet. Da hatte ich mit meiner Kleinbildkamera keine Chance. Ich habe das Studium abgebrochen und in Hannover Englisch und Geschichte studiert. Währenddessen hatte ich erste Fotoaufträge für den Schädelspalter. Das meiste, was für die Pressefotografie wichtig ist, das habe ich dann auf der Straße gelernt. Irgendwann habe ich mir einen sündhaft teuren Ärztepieper zugelegt. Immer, wenn auf dem eine bestimmte Nummer blinkte, musste ich für die Zeitung raus. Dadurch habe ich viele Vorlesungen und Seminare versäumt, am Ende hatte ich so viel verpasst, dass ich keine Scheine mehr bekam. Irgendwann war mir dann klar, dass ich nun ganz als Fotograf arbeiten werde. Meine Großmutter hat mir 5000 Mark geliehen, und dafür habe ich mir meine erste Kamera gekauft, eine Nikon FA. Und dann bin ich damals los.

Gibt es die noch?

Lübke: Ja, das ist die einzige Kamera, die ich behalten habe.

Blüher: Meine erste Kamera war eine 6 mal 6 Rolleiflex Spiegelreflexkamera. Eine doppeläugige mit Lichtschacht.

Gibt’s die noch?

Blüher: Nein. Meine Schwester brauchte ein Badezimmer. Da habe ich einige Kameras verkauft.

Giesel: Meine erste Kamera war eine Voigtländer Bessa, die hat mein Vater mir zur Konfirmation geschenkt. Meine erste Aufnahme habe ich auf dem Weg ins Schullandheim gemacht: Der Adler an der Eisenbahnbrücke.

Lübke: Mein erstes Bild habe ich von meinem Vater gemacht, wie er mit Pfeil und Bogen schießt.

Giesel: Aber von der Seite, hoffe ich, nicht frontal.

Lübke: Natürlich von der Seite.

Blüher: Mein erstes Bild zeigte drei alte Frauen im Gespräch vertieft. Sie wussten nicht, dass ich sie fotografiere. Damals war das mit dem Recht am eigenen Bild auch nicht so dramatisch wie heute.

Das ist Karin Blüher:

Blüher ist 1937 in Hannover geboren und lebt unter einem Grasdach in Bothfeld. Nach ihrer Ausbildung zur Fotografin arbeitete sie in Werbeateliers. 1960 ging sie zur Hannoverschen Allgemeinen Zeitung , wo sie ein halbes Jahrhundert als Bildjournalistin tätig war. Sie publizierte in Theaterzeitschriften, Büchern und Kunstkatalogen und zeigte ihre Bilder in Ausstellungen. Blüher war Mitbegründerin der Fotogalerie Spectrum, die vom Sprengel-Museum in Hannover übernommen wurde. Blühers Arbeitsschwerpunkt sind Porträts von Menschen in ihren Lebenssituationen. Ihr Bild links zeigt den Schauspieler Otto Sander.

Wie ist das mit den alten Bildern? Gibt es die noch? Oder sind die alle weggeworfen worden?

Giesel: Mit der Archivierung von Bildern habe ich erst angefangen, als ich selbstständig war. Ich habe Negative in Ordnern gesammelt, sogar nach Themen geordnet.

Lübke: Ich habe mit Negativen und Dias angefangen. Es ist schwierig, das zusammen zu archivieren. Vor einem halben Jahr habe ich mein Archiv neu sortiert. Alle Bilder, auf denen kein Mensch zu sehen war, habe ich weggeworfen. Den Rest habe ich behalten und scannen lassen. Wenn man heute Dias scannt und die groß auf seinem Bildschirm sieht, kriegt man ja einen Schreck, wenn man sieht, was da für Löcher in den Bildern sind. Es ist erstaunlich, wie das digitale Bild qualitativ doch alles in den Schatten stellt.

Gibt es eigentlich Gründe, digitale Bilder zu löschen? Die Speichermedien werden doch immer besser?

Giesel: Klar. Wir machen heutzutage mehr Bilder denn je. Wenn man Bilder wiederfinden will, muss man sie sinnvoll archivieren.

Heute fotografiert jeder. Wie können sich Berufsfotografen von Hobbyfotografen abgrenzen?

Blüher: Du musst sehen und erkennen, du musst empathisch sein und beobachten können. Ich sage immer: Ich sehe in Bildern. Ich kann praktische einen Rahmen um das machen, was ich sehe. Technik kann man lernen, aber das aufmerksame Beobachten, das Lesen der Menschen – das hat man, oder man hat es nicht. Ich habe immer beobachtet. Wichtig ist der Respekt vor dem Bild. Es muss mit Herzblut gemacht sein. Mich regt das auf, wenn die Leute alle mit ihren Handys fotografieren. Immer machen sie Hochformate. Viele scheinen gar nicht zu begreifen, dass man damit auch Querformate machen kann. Die haben kein Gespür für Gestaltung.

Giesel: Im Unterschied zum Hobbyfotografen weiß der Berufsfotograf genau, was er will. Ich muss mir zuerst klarmachen, was ich mit den Bildern eigentlich will. Ich muss den Zweck ganz klar im Kopf haben. Das hat der Amateur in der Regel nicht. Wenn ich einen Inhalt weitergeben will, muss ich eine Form finden. Das heißt, ich muss ein Verständnis dafür haben, dass wir mit unseren Augen dreidimensional sehen, das Bild aber nur zweidimensional ist. Ich muss ein Gespür für Tiefe haben.

Lübke: Wir reden über unterschiedliche Dinge. Natürlich muss ein Porträtfotograf das Gespür für Menschen haben. In meinem Beruf als Agenturfotograf kommen noch andere Dinge hinzu. Wer als Agenturfotograf arbeiten will, muss das Zehn-Finger-System auf der Tastatur beherrschen. Du musst schnell sein. Du musst Bilder beschriften, du musst im Internet recherchieren. Wer das nicht kann, soll wiederkommen, wenn er es kann. Der fotografische Blick ist eine Selbstverständlichkeit. Ich stehe in Konkurrenz mit vielen anderen Fotografen, da ist Schnelligkeit ganz besonders wichtig. Wir senden direkt aus der Kamera ins Netz, für jeden, der bei uns anfängt, muss es selbstverständlich sein, die Übertragungstechnik zu beherrschen. Früher hatte man neben der Kamera und den Objektiven eine Entwicklungsmaschine, einen Filmtrockner und ein Übertragungsgerät dabei. Heute reicht die Kamera. Es wird immer einfacher. Immer mehr Möglichkeiten, Fehler zu machen, fallen weg. Dafür ist auch die Bandbreite dessen, was die Agenturen anbieten, viel größer geworden. Wir machen ja schon längst nicht mehr diese „Stellen Sie sich mal links und Sie sich mal rechts hin und nehmen Sie das Schild in die Mitte“-Bilder. Diese Fotos, wo auf einem Bild immer alle Aspekte der Geschichte zu erkennen sein müssen. So hat man in den Achtziger- und Neunzigerjahren fotografiert. Ich sage den jungen Kollegen bei uns jetzt: „Schmeißt eure Zoomobjektive weg. Nehmt Festbrennweiten.“

Warum denn das?

Lübke: Ohne die Benutzung von Zoom-Objektiven wird das Bild definierter. Ohne Zoom kannst du mit offener Blende fotografieren. Dadurch kannst du die Schärfe besser steuern. Und schon mit der Lage der Schärfe kannst du das Bild etwas erzählen lassen. Du kannst filigraner und akzentuierter erzählen.

Giesel: Die Schnelligkeit ist extrem wichtig. Ich habe oft die Erfahrung gemacht, dass in den Redaktionen nicht das bessere Bild genommen wurde, sondern das, was eher da war.

Das ist Jochen Lübke:

Lübke, Jahrgang 1958, arbeitete seit 1985, nach dem Studium, als freier Fotograf für verschiedene Magazine und die Hannoversche Allgemeine Zeitung. Im Expo-Jahr 2000 wechselte er zur Nachrichtenagentur ddp. Seit 2006 ist Jochen Lübke als Fotograf bei der Deutschen Presse-Agentur im Landesbüro Hannover tätig, seit 2011 ist er Cheffotograf des niedersächsischen Fotografenteams. Für uns hat er Karin Blüher und Joachim Giesel porträtiert.

Ist da jetzt eine Grenze erreicht? Schneller als sofort kann ein Bild ja nicht verbreitet werden.

Lübke: Das stimmt. Es gibt Kriegsfotografen, die von der Front Bilder mit dem iPhone senden. Ich glaube, es geht viel mehr dahin, dass die Leute besonders ungewöhnliche Bilder machen. Der Markt verlangt das Originelle. Wir brauchen Reize, Reize, Reize. Es kommt darauf an, die Welt möglichst neu und anders zu fotografieren.

Giesel: Zum Beruf des Fotografen gehört auch zu wissen, was bei den Leuten ankommt. Du kannst nicht einfach nur ein tolles Bild machen, das du selber toll findest, das aber keine Wirkung beim Leser hat. Der Wurm muss dem Fisch schmecken, nicht dem Angler.

Welche Rolle spielt dabei die Möglichkeit der Bildmanipulation durch Programme wie Photoshop?

Lübke: Es gibt viele Unternehmen, die Bilder nachträglich ein bisschen schönrechnen. Zum Beispiel der Autohersteller, der seine Werbebilder aufhübscht. Wir arbeiten nur an der Helligkeit und am Kontrast, aber nie sehr stark. Eines ist ganz wichtig: Wenn mir als Agentur vorgeworfen wird, dass ich das Bild manipuliere, dann verliere ich meine Glaubwürdigkeit. Deshalb verzichten wir darauf, den supertollen Himmel in die Bilder hineinzurechnen.

Blüher: Aber das merkt doch keiner. Wenn ich drei Bilder habe, auf denen jeweils andere Personen die Augen geschlossen haben, dann kann ich doch die Augen aus dem einen Bild nehmen und ins andere hinsetzen.

Das machen Sie?

Blüher: Ja, das habe ich schon gemacht.

Der Schauspieler Otto Sander, aufgenommen von Karin Blüher.

Quelle: Blüher

Wie ist das mit den Fußbällen im Sport? Es gibt das Gerücht, dass die früher manchmal aufs Bild geklebt worden sind.

Giesel: Das stimmt wirklich. Als ich noch als Sportfotograf tätig war, durfte ich 1967 dabei sein, als Braunschweig Deutscher Meister wurde. Da hatten wir tatsächlich hauchdünne Abbildungen von Fußbällen im Gepäck, die wir dann mit Uhu aufs Papier geklebt haben.

Lübke: Da musste man aber aufpassen. Ich habe schon Bilder mit zwei Fußbällen drauf gesehen.

Gibt es ein Bild, auf das Sie besonders stolz sind?

Blüher: Nein, das gibt es nicht. Ich habe so viele Bilder, die mir am Herzen liegen und die ich immer wieder gern angucke. Aber ein Bild? Das wäre ja furchtbar, als ob man sein Leben auf einen Punkt reduzieren würde.

Lübke: Wir bestimmen immer Bilder des Monats oder des Jahres. Da sind manchmal Bilder dabei, da fragt man den Kollegen: Warum hast du das denn jetzt genommen? Und dann sagt er: Da steckt so viel Arbeit drin. Aber man sieht es eben nicht. Trotzdem ist es für ihn ein besonderes Bild. Das ist doch das Schwierige beim Fotografieren. Man sucht immer noch den Neuschnee, obwohl wir wissen, dass es den nicht mehr gibt.

Demotiviert das?

Lübke: Im Gegenteil. Das finde ich eher spannend. Immer wieder auf die Suche zu gehen. Gerade dabei sind die neuen Medien fantastisch. Es gibt zum Beispiel Eyeam, eine Fotogalerie im Internet nur für Handyfotos. Da kann man einfach mal ein schönes Foto hochladen, das man gerade gemacht hat.

Was bringt das?

Lübke: Man kann Geschichten erzählen. Und wenn das einer liked, hat man das Gefühl, er hat die Geschichte verstanden. Und wenn sie darüber lachen, weinen oder sich aufregen, dann hat man sein Ziel erreicht.

Das ist Joachim Giesel :

Giesel ist 1940 in Breslau geboren und lebt seit 1951 in Hannover. Nach seiner Fotografenlehre machte er 1966 seine Meisterprüfung. Giesel war Mitbegründer der Galerie Spectrum. 1980 schloss er ein Studium als Fotodesigner an der Fachhochschule Dortmund ab. 20 Jahre lang fotografierte Giesel für das Staatsschauspiel Hannover. Auch andere Bühnenkünste interessieren ihn: Links ist seine Sicht auf eine Szene des Balletts „Schwanensee“ zu sehen. Giesel, der ein Atelier im hannoverschen Zooviertel unterhält, hat sich auf die Porträtfotografie spezialisiert.

Und wenn nicht?

Lübke: Dann versucht man es einfach weiter.

Was bleibt von der analogen Fotografie – mehr als eine nostalgische Erinnerung?

Blüher: Eigentlich nicht. Ich habe neulich mal wieder meine alte Leica in die Hand genommen und wollte mal wieder ein paar Bilder machen – ich konnte es nicht mehr. Ich dachte: Wie konntest du jemals so schnell damit arbeiten? Und früher konnte ich das.

Lübke: Es fehlt auch total die Kontrolle. Man hat das Gefühl, man fotografiert ins Blinde hinein.

Giesel: Es gibt ja auch kaum noch Materialien, die wir als Profis damals benutzt haben.

Lübke: Und teuer war es. Im Vergleich zu damals ist die Fotografie doch superbillig geworden. Was haben wir damals für ein Geld ausgegeben! Ein Film kostete sechs, sieben Mark, manchmal mehr.

Und die Ausrüstung?

Lübke: Die Profikameras werden teurer, alles andere wird das Handy übernehmen. Dazwischen wird es bald nichts mehr geben.

Ist der Markt irgendwann mit Bildern gesättigt, weil alle alles fotografieren?

Blüher: Nein, es gibt ja immer neue Ereignisse, die sich festzuhalten lohnen.

Lübke: Wir haben noch nie so viele Meteoriten gesehen wie in den letzten zwei, drei Jahren. Weil alle Leute überall irgendwelche Kameras haben.

Wozu braucht man dann noch Profifotografen?

Lübke: Weil sie ein ordentliches Porträt hinbekommen, wenn man es braucht. Da braucht man ein Auge wie das von Karin Blüher oder Joachim Giesel.

Wenn Sie zurückblicken: Würden Sie den Job nochmal machen?

Blüher: Ich bin froh, dass ich aus dem Geschäft raus bin. Aber für mich war es 40 Jahre lang ein großes Sahnestück. Ich habe meinen Beruf geliebt.

Was können Sie heute jungen angehenden Fotografen raten?

Giesel: Ich rate ihnen, keine fotografische Lehre mehr zu machen, sondern zu studieren. Fotografieren ist nur ein Teil des Berufs.

Lübke: Ich würde raten, werde kein Newsfotograf. Das ist tot. Da werden nur noch Spezialisten gebraucht, die in Krisengebiete fahren. Wenn du unbedingt Fotograf werden willst, dann in einem Bereich, wo noch Geld ist, wie beispielsweise Modefotografie.

Blüher: Sie müssen sich ein Spezialgebiet suchen, oder es ganz sein lassen. Seinen Lebensunterhalt kann man heute kaum noch damit verdienen.

Lübke: Wenn man es aus Berufung macht, und es wirklich will, kann man es versuchen. Aber einfach zur Zeitung gehen, und mal gucken, kann man vergessen.

Interview: Uwe Janssen und Ronald Meyer-Arlt

Kommentare