Begleiter von St. Nikolaus

Kommt Knecht Ruprecht aus Sachsen-Anhalt?

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Foto: Als St. Nikolaus und Knecht Ruprecht posieren der Vorsitzende des Heimatvereins Ilberstedt, Roland Halang (li.) und Gerhard Herrmann in der Gemeinde Ilberstedt.

Ilberstedt - Mit seiner Rute jagt Knecht Ruprecht bösen Kindern Angst ein und verschafft sich Respekt. Seine Wurzeln sollen in einem Dorf in Sachsen-Anhalt liegen – das sagen zumindest einige der Einwohner.

Auf der Autobahn brausen die meisten Fahrer an Ilberstedt vorbei, ohne weiter Notiz zu nehmen von dem Dorf in der Mitte Sachsen-Anhalts. Jetzt soll ein Schild an der A14 her, um alle Vorbeirasenden auf den 1100-Einwohner-Ort aufmerksam zu machen - und auf seine Geschichte. Der Heimatverein kramte tief in der fast 1000-jährigen Historie. Er stieß auf eine mittelalterliche Überlieferung über einen Priester namens Ruprecht. Bauernjungen sollen einst seinen Weihnachtsgottesdienst gestört haben, so dass er einen Fluch über sie legte. Nun beanspruchen die Ilberstedter für sich, die Heimat von Knecht Ruprecht zu sein - des legendären Nikolaus-Begleiters.

„Knecht Ruprecht als Kinderschreck mit Rute hat seinen Ursprung bei uns, in Ilberstedt“, sagt der Vorsitzende des Ilberstedter Heimatvereins, Roland Halang. „Hier hat sich etwas abgespielt, was so unheimlich war, dass es sich tief in das kollektive Gedächtnis der Menschen einbrannte“, behauptet er und meint die mittelalterliche Überlieferung des „Tanzwunders von Cölbigk“, einem Ortsteil von Ilberstedt.

Der Überlieferung nach wurde am Weihnachtsabend des Jahres 1021 wie üblich der Festgottesdienst abgehalten. Auf dem Platz vor der Kirche standen etliche Bauernjungen und vergnügten sich bei Tanz und Bier. Dabei machten sie großen Lärm. Der Priester namens Ruprecht kam wütend aus dem Gotteshaus und forderte die Gruppe auf, die Messe nicht zu stören und mit dem Treiben aufzuhören. Aber die jungen Leute machten einfach weiter. Ruprecht platzte der Kragen, und er verwünschte die Gruppe. Sie sollten ein ganzes Jahr lang tanzen, ohne aufzuhören. Erst der Bischof von Köln befreite die Bauernjungen von dem Fluch und brach den Bann.

„Im Laufe der Jahrhunderte kam es zur Verschmelzung der Nikolaus- und der Ruprechtfigur zum Weihnachtsmann. Der trägt jetzt immer noch die Rute bei sich, um die unartigen Kinder zu bestrafen“, sagt Halang. „Also steckt im Weihnachtsmann der Ruprecht aus Cölbigk.“

An der Version der Ilberstedter gibt es aber auch erhebliche Zweifel - die Herkunft von Knecht Ruprecht beanspruchen auch andere Orte für sich. Allgemein soll die Figur des Ruprecht aus dem Alpenvorland oder aus Thüringen stammen. Dabei gibt es bis heute unterschiedliche Namen. Die Menschen kennen ihn etwa auch als Krampus oder Klaubauf. In Norddeutschland ist es ein Bullerklas, im Rheinland ein Hans Muff.

Die Geschäftsführerin des Landesheimatbundes Sachsen-Anhalt, Annette Schneider-Reinhardt, bezweifelt die Version der Ilberstedter. „Das Tanzwunder ist in einer mittelalterlichen Schrift belegt, aber mit Sicherheit kommt Knecht Ruprecht nicht aus Sachsen-Anhalt. Das ist eine Marketingstrategie und eine tolle Idee.“

Ob die Geschichte stimmt oder nicht, die Ilberstedter machen weiter: Schon jetzt gibt es im Sommer Ruprechts-Wandertouren. „Die sind gut besucht, 240 Menschen kamen in diesem Jahr“, sagt Hotelier und Heimatverein-Mitglied Thomas Beier.

In Cölbigk am Ort des Tanzwunders soll eine Hinweistafel aufgestellt werden. Das Kloster Cölbigk war bis um 1525 ein Wallfahrtsort. Mit der Zerstörung des Klosters im Bauernkrieg geriet der historische Ort in Vergessenheit. Zum tausendjährigen Jubiläum im Jahr 2021 soll Ilberstedt kulturtouristisch aufgewertet werden. Es gibt sogar die Überlegung, den Ort offiziell „Ruprechtsdorf Ilberstedt“ umzubenennen.

dpa

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