Brandstiftung in Hildesheim

SEK kommt im Morgengrauen

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Hildesheim - Die Polizei in Hildesheim sucht nach zwei Brandstiftern, die am Montag ein Autohaus in Flammen gesetzt haben. Ein Sondereinsatzkommando durchsuchte am Donnerstag drei Wohnungen – doch die Täter haben die Ermittler noch nicht fassen können.

Die Hildesheimer Polizei sucht weiter nach einem verletzten Brandstifter und seinem Komplizen. Das Duo hatte am späten Montagabend in der Hildesheimer Nordstadt auf dem Gelände eines Gebrauchtwagenhändlers sechs Autos mit Benzin übergossen und angezündet. Einer der Täter hatte sich dabei selbst angesteckt: Das Video einer Überwachungskamera zeigt, wie er mit brennendem Ärmel davonläuft und einen Feuerschweif hinter sich herzieht. Die Spur führt ins Milieu einer polizei- und justizbekannten kurdischen Großfamilie.

So hatte das Opfer des Brandanschlags, ein 42-jähriger Libanese, berichtet, er sei von Mitgliedern des Familienclans seit längerer Zeit bedroht und erpresst worden. Vor einem halben Jahr habe die verfeindete Sippe ihn schon einmal zusammengeschlagen. Jetzt stehe er vor dem wirtschaftlichen Ruin, sagte der Mann. Er sei nicht versichert, der Schaden durch die zerstörte Autos belaufe sich auf rund 35 000 Euro.

Das Videomaterial, das er den Ermittlern zur Verfügung stellte, zeigt zwei vermummte Männer. Dann geht alles ganz schnell: Sie treten an die Autos heran, schütten Brandbeschleuniger darüber. Im nächsten Augenblick rollt ein Feuerball über die Motorhauben – und der Brandstifter sucht das Weite. Panisch versucht er, die Flammen abzuschütteln.

Weder verbrannte Kleidung noch die Männer

Für die Polizei war damit klar, dass sie nach einem Brandstifter mit Brandspuren suchen musste. Sie ging den Erpressungsvorwürfen nach und beschaffte sich Durchsuchungsbeschlüsse für die Wohnungen der beiden Verdächtigen. Weil sie der Großfamilie der 26 und 27 Jahre alten Männer heftigen Widerstand zutrauten, rückte im Morgengrauen ein Spezialeinsatzkommando (SEK) an der Steuerwalder Straße an. Die mit Helmen und schusssicherer Kleidung geschützten Polizisten drangen gegen 7 Uhr zunächst in einen Wohn- und Bürokomplex ein. Kurz darauf rückten mit mehreren Autos in zivil die Ermittler der Kripo an. Doch der Tatverdächtige war nicht da.

Was folgte, waren zwei weitere Durchsuchungen, beide ebenfalls in der Nordstadt. Doch weder unter der Anschrift des zweiten Verdächtigen noch in der Wohnung seiner Freundin stießen die Polizisten auf verbrannte Kleidung oder die gesuchten Männer. Die Schlussfolgerung lag für die Kripo auf der Hand: Offenbar waren die Verdächtigen untergetaucht.

Doch noch während die Polizei eine Öffentlichkeitsfahndung vorbereitete, gingen die Gesuchten den Fahndern an der Steuerwalder Straße ins Netz. Die beiden hatten ihr vermeintliches Fluchtauto, einen auffälligen Sportwagen, in einer Garage in der Nähe abgestellt. Sie leisteten keinen Widerstand.

Nach einigen Stunden wurden sie allerdings wieder auf freien Fuß gesetzt. Laut Staatsanwaltschaft hat das einen klaren Grund: „Es besteht aus unserer Sicht kein dringender Tatverdacht“, sagte Oberstaatsanwalt Bernd Seemann. So sei zu erwarten, dass mindestens einer der Täter Verbrennungsspuren aufweise – das Video aus der Überwachungskamera am Tatort lege das nahe. Doch weder die Polizei noch ein Gerichtsmediziner konnte an den Körpern der Verdächtigen Brandwunden finden. Nicht einmal angesengte Haarpartien. „Für Untersuchungshaft reicht das nicht aus“, sagte Seemann. Ob die Männer für die Tatzeit ein Alibi haben, kann die Polizei nicht überprüfen. Keiner der Verdächtigen macht eine Aussage.

Auf die Ermittler wartet jetzt mühsame Kleinarbeit. Ansätze, die zu den Brandstiftern führen könnten, gibt es durchaus noch – auch auf dem Überwachungsvideo. Da ist etwa der helle Mercedes, der kurz vor der Tat auf der Straße durchs Bild rollt. Und der unmittelbar nach dem Anschlag auf den Hof fährt, über den gerade die Brandstifter geflüchtet sind. Es wirkt, als suche der Fahrer die beiden, um sie aufnehmen. Hatten die Männer mit den Benzinkanistern also weitere Helfer?

Von Christian Wolters

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