Gesellschaft für bedrohte Völker

Konflikt um Tilman Zülch eskaliert

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Umstrittene Führungsfigur: GfbV-Gründer Tilman Zülch.dpa

Göttingen - Die internen Querelen der Menschenrechtsorganisation Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) in Göttingen haben jetzt zu einem weiteren Eklat geführt. Am Sonnabend hat die Mitgliederversammlung zwei frühere Vorstandsmitglieder ausgeschlossen.

Der Ex-Bundesvorsitzende und Freiburger Rechtsanwalt Harald Klein und sein Stellvertreter, der Göttinger Oberstudienrat James Albert, hätten der Organisation Schaden zugefügt und deren Ansehen in der Öffentlichkeit diskreditiert, hieß es zur Begründung. Beide hatten nach ihrer Wahl im Oktober 2010 finanzielle Unregelmäßigkeiten und intransparente Strukturen des Vereins moniert. Die Überprüfungen mündeten unter anderem in eine Strafanzeige gegen GfbV-Generalsekretär Tilman Zülch. Gegen ihn ermittelt seitdem die Staatsanwaltschaft Göttingen wegen des Verdachts der Untreue. Das Verfahren sei noch nicht abgeschlossen, sagte ein Sprecher.

Im Mittelpunkt des Streits steht die Rolle Zülchs. Der heute 72-Jährige hatte 1968 die Aktion Biafra-Hilfe ins Leben gerufen, aus der später die GfbV hervorging. Seitdem hat er den Verein geprägt und ihm seinen Stempel aufgedrückt. Zu den Spannungen kam es, nachdem im Oktober 2010 der neue Vorstand sein Amt angetreten hatte. Als Vorstandsmitglieder hätten sie die Pflicht gehabt zu prüfen, wie Gelder ausgegeben werden, sagte Albert. Als er entsprechende Fragen stellte, habe er zu seinem Erstaunen festgestellt, dass dies unerwünscht gewesen sei. Ein Kritikpunkt sei ein Interessenskonflikt gewesen, der durch eine zeitweilige Doppelfunktion Zülchs entstanden sei: Dieser war bis Oktober 2010 selbst ehrenamtlicher Bundesvorsitzender gewesen, gleichzeitig war er jedoch weiterhin als Generalsekretär angestellt und hatte 70000 Euro Gehalt bezogen.

Bei der Mitgliederversammlung im November vergangenen Jahres wurden Klein und Albert abgewählt. Der neue Vorstand setzte dann das nun abgeschlossene Ausschlussverfahren in Gang und legte den Fall der dreiköpfigen Schiedskommission vor. Während diese im Fall von Klein einstimmig einen Ausschluss empfahl, war dies bei Albert anders: Nur ein Mitglied votierte für den Ausschluss, die beiden anderen enthielten sich der Stimme. Bei der Mitgliederversammlung sprachen sich am Sonnabend nach Angaben der GfbV-Sprecherin Inse Geismar bei zwei Gegenstimmen und sechs Enthaltungen 64 Mitglieder für den Ausschluss aus. Die GfbV wolle jetzt Regressansprüche gegen die beiden Ex-Vorstandsmitglieder geltend machen.

Von Heidi Niemann

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